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Prignitz Barrierefreiheit fehlt noch zu oft
Lokales Prignitz Barrierefreiheit fehlt noch zu oft
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02:15 25.01.2016
Für Rollstuhlfahrer ein schwieriges Pflaster: Die Pritzwalker Innenstadt, hier im Test der Jahnschüler. Quelle: Andreas König
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Pritzwalk

Das Alter kann eine rechte Plage sein. Es geht nicht mehr so schnell und so glatt wie man möchte, und zu allem Überfluss lauern im Alltag überall Fallen auf diejenigen, die auf Rollatoren oder gar Rollstühle angewiesen sind. Die Stadt Pritzwalk hat daher ein Gutachten für generationengerechtes Wohnen in der Stadt in Auftrag gegeben, ebenso wie die Stadt Wittstock, die gemeinsam mit dem Amt Meyenburg und der Gemeine Heiligengrabe zum kooperativen Mittelzentrum gehört. „Wir haben es bereits mit dem Seniorenbeirat und Behindertenverbänden besprochen“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Ronald Thiel.

Noch viel zu tun

Die Studie zum generationengerechten Leben im ländlichen Raum gibt Empfehlungen, wo die Stadt und wo andere Akteure am dringendsten tätig werden sollten. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Bedingt barrierefrei sind das Rathaus, das Kulturhaus und die Kita Kinderland. Als nicht barrierefrei zugänglich werden beurteilt: Quandt-Schule, Goethe-Gymnasium, Jahnschule, Hort Regenbogen, Villa Berti, private Berufsschule sowie verschiedene Einrichtungen privater Träger.Im öffentlichen Raum gibt es Defizite beim Zustand der Gehwege, mit verschiedenen Belägen, brüchigen Betonplatten und sonstigen Stolperfallen oder großen Fugen. Es fehlen Querungshilfen im Stadtkern für Fußgänger und Radfahrer.

Als unübersichtlich werden Kreuzungsbereiche mit Ampelanlagen eingeschätzt. Die Gassen der Altstadt weisen unterschiedliche Oberflächen auf. In der Marktstraße wird das teilweise Fehlen von Rampen zur Erschließung der Geschäfte bemängelt.

Die Ergebnisse bauen lose auf den Erkenntnissen auf, die eine Gruppe von Schülern in der Stadtentwicklungswoche 2014 gewonnen hat. Damals erkundeten Schüler der 6. Klasse der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule die Pritz­walker Innenstadt aus der Perspektive von Senioren und Rollstuhlfahrern. Die jetzt vorliegende Studie ergänzt und erweitert die damaligen Erkenntnisse, und die Autoren legen den Finger in die Wunde. Zwar wird die gute Anbindung der Dömnitzstadt an das Straßen- und Autobahnnetz sowie an den öffentlichen Nahverkehr positiv herausgestellt, doch gibt es auch dort dringenden Handlungsbedarf. Der Bahnsteig 2 auf dem Bahnhof ist zum Beispiel nicht barrierefrei und auch das vielgelobte Nahverkehrsangebot dünnt sich merklich aus, wenn es in Richtung Wochenende geht. In der Ferienzeit ist ohnehin wenig davon übrig. Selbst die Alternative Rufbus bringt nur in der Woche etwas, und auch die Pritzwalker Ortsteile sind mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln nur sehr schwierig zu erreichen. In ihren Handlungsempfehlungen legen die Autoren der Studie vom Planungsbüro Stadt-Land-Fluss aus Berlin einige wichtige Verbesserungen nahe. So sollen das Nahverkehrsangebot und das Radwegenetz in und um Pritz­walk ausgebaut werden. Höchste Priorität genießen demnach die Anbindung von Buchholz, Beveringen und Alt Krüssow, mittlere Priorität Neuhausen, Sarnow und Kemnitz. Birkenfelde, Kammermark und Eggersdorf wird nur eine nachgeordnete Priorität zugebilligt – die Einwohnerzahl ist kleiner als 100 und damit zu niedrig.

Ebenfalls für wichtig befunden wird eine barrierefreie Anbindung der Autoparkplätze innerhalb der ehemaligen Wallanlagen der Pritz­walker Altstadt. Was die sogenannte Daseinvorsorge, also die wichtigsten öffentlichen und Versorgungseinrichtungen, angeht, wird Pritzwalk als relativ gut versorgt beschrieben: Es gibt ausreichend schulische und medizinische Angebote, und auch die Einkaufsmöglichkeiten werden den Anforderungen an ein Mittelzentrum gerecht. Doch gerade die Vielfalt des Angebots im Einzelhandel sehen die Verfasser als bedroht an. Die sinkende Bevölkerungszahl führe zu einer Ausdünnung des Einzelhandels, stellen sie fest.

„Sicher gibt es Handlungsempfehlungen, die wir nur bedingt umsetzen können, aber die Stadt selbst muss ebenfalls tätig werden“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Ronald Thiel. Das gelte für den barrierefreien Zugang zu eigenen Einrichtungen, wie beispielsweise dem Kulturhaus. „Zwar gibt es dort eine rollstuhlgerechte Auffahrt, aber Sehbehinderte haben es nicht leicht.“ Allgemein ist es mit der Barrierefreiheit der sogenannten öffentlichen Räume in Pritzwalk noch nicht so weit her (siehe Infokasten). Abhilfe könnte bei neu entstehendem Wohnraum geschaffen werden

Die Ergebnisse der Studie sollen den Pritzwalkern bei einer Einwohnerversammlung vorgestellt werden. Sie ist für den 7. März, 18 Uhr, im Kulturhaus anberaumt worden.

Von Andreas König

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