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Prignitz Baustelle für Schwindelfreie
Lokales Prignitz Baustelle für Schwindelfreie
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00:18 26.10.2013
Die Baustelle ist ein Arbeitsplatz für Schwindelfreie. Quelle: Claudia Bihler
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Pritzwalk

Wer hier hoch steigt, sollte gute Kondition haben, denn für Menschen ist der Fahrstuhl tabu. Nur Material wie die schweren Eichenbalken wird nach oben gefahren, in den 17. Stock des Gerüsts sozusagen, auf über 30 Meter Höhe in den Turm der Pritzwalker Sankt Nikolaikirche.

Seit gut drei Wochen wird im Inneren des Turms gebaut. Noch sechs Wochen wird die Sanierung der Holzkonstruktion dauern - so jedenfalls die vorläufige Zeitplanung der Firma Aufbau aus Chemnitz in Sachsen, die kein Neuling auf dem Gebiet der Kirchturmsanierungen ist.

Zunächst müssen die alten und maroden Balken aus der Tragkonstruktion herausgesägt werden. Weil diese von Hausschwamm und Rost vor allem an der westlichen Wetterseite so stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, war die Sanierung des Turmes ohnehin fällig geworden: Die Stützkonstruktion war so stark durchfeuchtet und beschädigt, dass die Vibrationen und "dynamischen Lasten" der Glocke den Turm immer mehr beeinträchtigten. Seit September vergangenen Jahres war deshalb in Pritzwalk nur noch der Stundenschlag der Glocke zu hören, auf Glockengeläut war verzichtet worden.

Doch um überhaupt im Inneren arbeiten zu können, musste zunächst die Turmuhr demontiert werden, auch der komplette Uhrkasten wurde abgebaut. Durch diese Öffnung arbeiten die Handwerker nun, die auf alle Fälle auch ein gutes Gedächtnis haben sollten: Wenn benötigtes Material auf dem Erdboden zurückbleibt, heißt es, die gesamten 17 Etagen einmal hoch und einmal runter laufen zu müssen.

Doch inzwischen ist ein Teil der Balken bereits ausgetauscht. Was keine ganz leichte Arbeit war. So müssen etwa mit dem Stemmhammer die Öffnungen für die neuen Balken angepasst werden, bevor die mit Hilfe eines Flaschenzuges an den richtigen Platz gerückt werden können. Ab der kommenden Woche beginnt die Sanierung des Geschosses, über dem sich dann auch der eigentliche Glockenstuhl befindet. "Der ist dann zu diesem Zeitpunkt auch zu sehen", sagt Toni Keller, ein Mitarbeiter der Baufirma.

Weil sich immer wieder Stücke aus der Fassade gelöst hatten und herabgefallen waren, war der Kirchturm im Jahr 2000 schon einmal umfassend saniert worden - allerdings vor allem von außen. Dass der Kirchengemeinde in den darauffolgenden Jahren weitere umfangreiche Sanierungen im Inneren der Kirche bevorstehen, war damals schon klar. Seinerzeit stand der Turm bis in den Winter hinein eingerüstet.

Das soll bei dieser Sanierung anders werden. Denn zu Weihnachten - das hatte Architekt und Objektplaner Ingo Dreger gegenüber der MAZ vor Baubeginn prognostiziert - könnten eventuell die Glocken von Sankt Nikolai schon wieder läuten. Als offizieller Abschlusstermin ist der 31. Dezember vorgesehen. Gut die Hälfte der 147.000 Euro Bausumme steuert die Stadt aus dem Umbauprogramm bei, den Rest teilen sich Kirchengemeinde und Landeskirche.

Von Claudia Bihler

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