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Beinahe-Katastrophe mit Millionenschaden

Brand Austrotherm Wittenberge Beinahe-Katastrophe mit Millionenschaden

Das Unwetter am Mittwoch empfanden viele Prignitzer als heftig. Als dann ein Blitzeinschlag bei der Firma Austrotherm einen Großbrand auslöste, schauten alle gebannt nach Wittenberge. Gegen Mittag konnten alle aufatmen, das Feuer war gelöscht. Doch der Schaden ist enorm.

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Dampfender Schlick war alles, was von den Dämmstoffplatten im Lager nach dem Großbrand übrig blieb.

Quelle: Julian Stähle

Wittenberge. Es war der eine falsche Blitz, der am Mittwoch in Wittenberge eine Beinahe-Katastrophe ausgelöst hatte. Denn es ist noch nicht lange her, da landete die Prignitz in der bundesweiten Blitzstatistik auf dem letzten Platz: Hier zischte es lediglich einmal pro Quadratkilometer vom Himmel. Am Mittwoch war morgens und vormittags nun mal wieder Unwetterzeit. Stundenlanger Starkregen setzte in der Westprignitz bereits am frühen Morgen, weiter östlich dann am Vormittag ein. Das Unwetter schlug in ein Gewitter um, das schließlich gegen 9 Uhr ein großes Dämmstoffplattenlager bei der Firma Austrotherm in Wittenberge in Flammen setzte.

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Wittenberge, 27. Juli 2016 – Die riesige schwarze Rauchsäule war kilometerweit zu sehen: Ein Blitzschlag hat am Mittwoch bei einem schweren Gewitter ein Dämmstoff-Lager in Wittenberge (Prignitz) in Brand gesetzt. In dem Werk des österreichischen Dämmstoffherstellers Austrotherm wurden Bestände auf etwa 2000 Quadratmeter Fläche vernichtet.

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Allein dies sorgte für einen Millionenschaden, doch konnte weit Schlimmeres verhindert werden, denn der Feuerwehr gelang es, ein drohendes Übergreifen des Brandes auf die Produktionshalle des österreichischen Unternehmens in Wittenberge abzuwenden. Um 12.02 Uhr war der Brand vollends gelöscht. Verletzt wurde niemand – abgesehen von zwei Feuerwehrleuten, von denen sich einer den Fuß verstauchte und der andere einen Finger quetschte. Bürgermeister Oliver Hermann und Austrotherm-Geschäftsführer Lars Pewter dankten allen Einsatzkräften ausdrücklich für ihre tolle Leistung.

Die Rauchsäule war weithin zu sehen

Die Rauchsäule war weithin zu sehen

Quelle: Bernd Atzenroth

Ungewöhnlich war an diesem Vorfall aber auch, dass ausgerechnet dieses Lager in Flammen geriet. Denn es gibt für den Ernstfall ausgefeilte Konzeptionen, wie Kreisbrandmeister Holger Rohde erklärte, bei denen das Hauptaugenmerk aber auf die Produktionshalle gelegt worden sei. Denn die Platten gelten eigentlich als schwer brennbar und würden Temperaturen von 300 bis 500 Grad, wie sie etwa bei einem Schwelbrand herrschen, durchaus standhalten. Doch offenbar setzte dieser Platz so viel Energie frei, dass das nicht half – die Temperatur des Feuers muss schnell bei über 600 Grad gelegen haben.

Starkregen machte die Fahrt mit dem Auto zeitweise gefährlich

Starkregen machte die Fahrt mit dem Auto zeitweise gefährlich.

Quelle: Atzenroth

Mit einem Speziallöschschaum, der laut Rohde die Umwelt nicht belastet, verhinderten die 150 Brandschützer, dass die Flammen auf das benachbarte Gebäude übergreifen konnten. Umweltfolgen seien auch nicht von den Überresten der Platten zu befürchten, auch wenn diese die Gräben rund um den Lagerplatz komplett verstopften und teilweise fest wurden. Sie müssen nun von der Firma Becker Umwelttechnik entsorgt werden, der Auftrag dazu ist laut Rohde erteilt. Rückstände der Brandreste wurden westlich von Wittenberge bislang nicht festgestellt. Selbst der Rauch, der noch von Falkenhagen aus zu sehen gewesen sein soll, ist laut Rohde nur bedingt gesundheitsschädlich gewesen. Wie Bürgermeister Oliver Hermann freute er sich jedoch darüber, dass der Wind den Rauch von der Stadt wegtrieb. „Wäre das anders gewesen, hätte es in der Stadt auch anders ausgesehen“, bekannte Oliver Hermann.

Mit weiteren gravierenden Blitzeinschlägen wurde die Feuerwehr in der Prignitz nach Stand von Mittwochabend zwar nicht konfrontiert, doch hat es wohl kleinere Fälle gegeben. Der Redaktion wurde ein Fall aus Pritzwalk bekannt, bei dem eine Telefonanlage ausgefallen ist und vom Anbieter auch noch nicht wieder repariert werden konnte.

Stadt- und Werksspitze sowie Vertreter der Einsatzkräfte waren zufrieden, dass in Wittenberge schlimmeres verhindert werden konnte

Stadt- und Werksspitze sowie Vertreter der Einsatzkräfte waren zufrieden, dass in Wittenberge schlimmeres verhindert werden konnte.

Quelle: Julian Stähle

Meistens werden die Menschen der Region eher mit den Folgen des strömenden Regens zu tun gehabt haben. Nach Angaben des stellvertretenden Kreisbrandmeisters Volker Lehmann mussten in Perleberg zum Beispiel Keller ausgepumpt werden. Kleinere Überschwemmungen bildeten sich auch im öffentlichen Raum. Das Gelände zwischen Nikolaikirche und dem Parkplätzen hinter dem Rathaus in Pritz­walk, auf dem oft Fahrzeuge wenden, glich eher einer Seenplatte. Wer im Regen unterwegs war, konnte auf der B 189 mitunter nur mit Tempo 40 oder 50 fahren. In Pritzwalk zogen die letzten Regenwolken erst am frühen Nachmittag ab. Zu diesem Zeitpunkt war es in Wittenberge bereits wieder trocken.

Für die Löschkräfte am Austrotherm-Werk hatte der Starkregen einen Tick zu früh aufgehört, um ihre Arbeit erleichtern zu können. Der vorzuhaltende Wasserbedarf ist so hoch, dass sage und schreibe 3200 Liter pro Sekunde ausgestoßen werden können. Da musste jede Wasserquelle in der Umgebung angezapft werden. Immerhin waren die Kippgräben rund um das Industriegelände gut mit Wasser gefüllt. Mit weiterem Wassernachschub von oben ist in den kommenden Tagen leider wieder zu rechnen, wenngleich nicht in der Intensität vom Mittwoch.

Einsatzkräfte beim Austrotherm-Brand

150 Feuerwehrleute und 40 Fahrzeugen kamen in Wittenberge bei der Brandbekämpfung zum Einsatz, wie Wittenberges Ortswehrführer Lars Wirwich erklärte. Aus dem Landkreis Prignitz nannte er die Wehren aus Weisen, Perleberg, Wittenberge, Bad Wilsnack, Lenzen und Pritzwalk – laut Volker Lehmann sind es noch mehr gewesen.

Hinzu kamen Einsatzkräfte aus der Altmark. Aus Seehausen kam ein Einsatzzug und aus Osterburg ein Erkundungsfahrzeug. Dieses kam westlich von Wittenberge zum Einsatz, um herauszufinden, ob Schadstoffe in die Gewässer gelangt sind. Der Befund war nach Angaben von Kreisbrandmeister Holger Rohde aber zunächst negativ.

Auch die Polizei war laut Inspektionsleiter Peter Schröder mit 20 Beamten im Einsatz, um das Gelände abzusichern und den Verkehr umzuleiten.

Von Bernd Atzenroth

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