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Besonders viele Täuflinge zu Ostern

Prignitz-Ruppin Besonders viele Täuflinge zu Ostern

Oft engagieren sie sich schon in Kirchgemeinden oder zeigen zumindest Interesse an ihnen – für zahlreiche Prignitzer und Ruppiner steht nun am Ostersonntag das öffentliche Bekenntnis zu ihrem christlichen Glauben an: die Taufe. Dafür gibt es verschiedene Beweggründe.

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Madlen Wirtz wird getauft. Auf dem Foto in ihrem Garten zeigt sie sich mit Hund Eddie.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Mit der Kirche war die in der DDR aufgewachsene Madlen Wirtz als Kind und Jugendliche kaum in Berührung gekommen. „Meine Eltern wollten das auch nicht“, sagt die 47-Jährige. Sie hätten in ihrer Jugend Erfahrungen von gesellschaftlicher Ausgrenzung aufgrund ihres Glaubens erfahren, das wollten sie ihr wohl ersparen. „Trotzdem hat mich Kirche immer interessiert“, betont Madlen Witz. Nicht nur das Engagement innerhalb der Gemeinden habe sie fasziniert, auch Schlüsselerlebnisse wie der Tod ihrer Eltern und ihres Bruders hätten sie näher zu Gott gebracht. „Jedem wohnt ein Glauben inne“, ist die Wittstockerin überzeugt. Ihren möchte sie nun in Form einer Taufe öffentlich zeigen, am Ostersonntag wird sie eine von insgesamt vier Täuflingen in der Wittstocker Marienkirche sein. „Den Entschluss habe ich Weihnachten gefasst“, blickt Madlen Wirtz zurück. Am Sonntag beginne für sie dann ein neuer Lebensabschnitt verbunden mit ehrenamtlichem Engagement in der Kirche.

Vier Taufen allein in Wittstock, das ist laut Matthias Puppe schon beachtlich. Der Superintendent des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin wird Madlen Wirtz persönlich taufen. Die anderen drei erwachsenen Täuflinge ließen sich aus ganz verschiedenen Gründen Taufen. Einer davon sei die Möglichkeit zur kirchlichen Eheschließung. „Nach der Taufe ist man vollwertiges Mitglied in der Gemeinde“, erklärt Matthias Puppe. Man könne sich in den Kirchenrat wählen lassen oder mitwählen, das Patenamt ausüben und sogar Nottaufen vornehmen. „Das geschieht höchst selten“, sagt der Superintendent. Zum Beispiel dann, wenn Neugeborene nur kurz zu leben hätten oder Schwerverletzte angesichts ihres nahenden Todes zu Christen werden wollten.

Tatsächlich ist es laut Matthias Puppe kein Zufall, dass sich Ostern so viele Menschen taufen lassen. „Wir feiern die Auferstehung Jesu und die Entstehung neuen Lebens“, sagt er. Der getaufte Mensch sei ein anderer, als er zuvor war.

Pfarrer Lars Haake: „So viele Taufen waren es noch nie“

Auch im Nachbarkirchenkreis Prignitz finden Ostersonntag viele Taufen statt, zwölf an der Zahl. In der Kirchgemeinde Sieversdorf-Hohenofen sind es am Sonntag drei, wie Pfarrer Lars Haake berichtet. „So viele wie in diesem Jahr waren es noch nie“, sagt er. Zwar würden nach wie vor meistens Kinder getauft, dennoch entschieden sich immer mehr Erwachsene für eine Taufe. „In diesem Jahr hatte er so viele Erwachsenentaufen wie noch nie“, sagt der Pfarrer. Es handle sich dabei noch dazu um Menschen, die sich seit langer Zeit in der Kirchengemeinde engagierten. Seiner Vermutung nach sind die meisten von ihnen in einem Elternhaus, wo zu DDR-Zeiten die Taufe nicht mehr automatisch dazu gehört habe. Über Großeltern oder eigene Gemeinschaftserfahrung seien sie in die Gemeinde hineingewachsen . „Nun ist die Taufe ein klares Bekenntnis“, sagt Lars Haake.

Auch bei der katholischen Kirche finden in der Region am Ostersonntag Taufen statt. So werde es laut Dekan Bertram Pricelius in der Gemeinde St. Heinrich in Wittenberge eine Kindertaufe am Weißen Sonntag geben. Im gesamten Erzbistum Berlin würden sich gerade 135 Erwachsene auf die Taufe zu Ostern vorbereiten. „Der Tauftermin für Erwachsene ist seit Alters her die Tauffeier in der Osternachtliturgie“, erklärt der Dekan.

Ob nun in der evangelischen Freikirche, der katholischen oder evangelischen Kirchgemeinde, die Taufe ist Madlen Wirtz zufolge ein wichtiges Zeichen, zur Gemeinschaft dazuzugehören. „Sie erhalten eine Taufurkunde“, erklärt Matthias Puppe. Nach der Taufe sei der Christ allerdings auch verpflichtet, Kirchensteuer zu entrichten.

Madlen Wirtz freut sich schon auf den Sonntag, wie sie sagt. „Das wird ein emotionaler Moment“, blickt sie voraus. Danach werde dann mit Freunden gefeiert.

Von Christian Bark

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