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Bessere Förderung für Analphabeten geplant

Perleberg/Neuruppin Bessere Förderung für Analphabeten geplant

Auch in Brandenburg können Zehntausende nicht richtig lesen und schreiben. Anlässlich des Weltalphabetisierungstages am Donnerstag hat die MAZ bei den Volkshochschulen in Prignitz und Ruppin nachgefragt, welche Hilfsangebote es dort für Analphabeten gibt. Besonders die Kreisvolkshochschule in Neuruppin hat hier große Ambitionen für die Zukunft.

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Zum Weltalphabetisierungstag wird jedes Jahr am 8. September an die Problematik des Analphabetismus erinnert.

Quelle: dpa

Neuruppin. Sie können bestenfalls einzelne Wörter lesen und schreiben, für komplexe Sätze reicht es aber nicht mehr. Trotz Schulbildung und technischer Fortschritte gibt es in Brandenburg zehntausende funktionale Analphabeten, einer Studie zufolge kann jeder zehnte Deutsche nicht richtig lesen und schreiben. Hilfe finden Betroffene häufig an den Volkshochschulen in der Region.

„Doch die Schamgrenze liegt häufig sehr hoch“, weiß die Leiterin der Kreisvolkshochschule Ostprignitz-Ruppin, Anke Unkenholt. Das bestätigt auch die Kreisvolkshochschule Prignitz.

Anke Unkenholt von der Kreisvolkshochschule Ostprignitz-Ruppin will in Neuruppin ein Grundbildungszentrum etablieren

Anke Unkenholt von der Kreisvolkshochschule Ostprignitz-Ruppin will in Neuruppin ein Grundbildungszentrum etablieren.

Quelle: Luise Fröhlich

Während in Ostprignitz-Ruppin Grundbildungskurse zum Erlernen und Erweitern der Lese- und Schreibkompetenz angeboten werden, kamen dort bislang keine Alphabetisierungskurse zustande. „Es kamen einfach nicht genug Interessenten zusammen“, berichtet eine Mitarbeiterin aus Wittenberge. Vereinzelt hätten sich mal Betriebe oder freie Träger mit der Volkshochschule in Verbindung gesetzt, doch darüber sei nie die erforderliche Mindestteilnehmerzahl erreicht worden.

„Mindestens fünf Teilnehmer benötigt so ein Grundbildungskurs“, informiert Anke Unkenholt. Derzeit gebe es einen in Wittstock, in Neuruppin sei zuletzt ebenfalls aufgrund zu geringer Interessentenzahlen kein Kurs angeboten worden. Das solle sich aber demnächst ändern.

Besseres Informationsnetzwerk nötig

Im Gegensatz zu ihren Kollegen in der Prignitz erhält Anke Unkenholt ab und an Anfragen einzelner Interessenten – besonders aus dem Bereich der Landwirtschaft. „Wichtig ist, dass wir diese Anfragen bündeln und ein Informationsnetzwerk mit anderen Trägern und Arbeitgebern stricken“, betont sie.

Der Weltalphabetisierungstag

1966 wurde der Weltalphabetisierungstag von der Unesco ins Leben gerufen. Seitdem wird jedes Jahr am 8. September an die Problematik des Analphabetismus weltweit erinnert.

7,5 Millionen Menschen gelten in Deutschland als Analphabeten.

In Brandenburg dürfte die Zahl funktionaler Analphabeten nach Schätzungen des Landesvolkshochschulverbands und des Bildungsministeriums bei über 200 000 liegen.

Weitere Informationen zu Kursen der Volkshochschulen hier und hier.

An der Justizvollzugsanstalt Wulkow bieten Dozenten der Volkshochschule ebenfalls seit vergangenem September Grundbildungskurse an. 28 Teilnehmer seien dort im ersten Halbjahr 2016 bislang unterrichtet worden, wie Unkenholt informiert.

Seit diesem Jahr widme sich die Kreisvolkshochschule auch gezielt Migranten und Flüchtlingen. „Nächste Woche starten wir mit einem von drei Kursen“, kündigt die Schulleiterin an. An jedem Kurs nähmen bis zu sieben Schüler teil. Und noch weitere Ambitionen hat Unkenholt für die Zukunft, wie sie sagt.

„In Neuruppin soll bald ein Grundbildungszentrum entstehen“, beschreibt sie ihr Ziel. Davon gebe es landesweit derzeit fünf, vier davon seien an den Volkshochschulen angesiedelt. Zudem fungiere der Landesverband der Volkshochschulen seit 2015 als Koordinierungsstelle für Alphabetisierungs- und Grundbildungskurse. „Seitdem wurden knapp 300 Kurse umgesetzt und über 550 Menschen mit Angeboten in den Bereichen Lesen und Schreiben, Mathe auf Schritt und Tritt, Schreiben und Informieren am PC erreicht“, wie eine Verbandsmitarbeiterin informiert.

Millionenförderung durch Land und EU

Finanziell gefördert werden die Zentren nach Auskunft des Landesverbands und des Potsdamer Bildungsministeriums vom Land und durch Mittel der Europäischen Union – insgesamt stehen sechs Millionen Euro zur Verfügung. Die Zentren sind Teil des Landesprogramms zur Förderung funktionaler Analphabeten, dass von 2015 bis 2020 läuft.

„Wir wollen von dem Programm profitieren“, erklärt Anke Unkenholt. Darum fasse sie eine Bewerbung um ein Grundbildungszentrum in Neuruppin ab dem Jahr 2017 ins Auge. Der Zuschlag würde für die Kreisvolkshochschule zusätzliche finanzielle und personelle Unterstützung bedeuten, die die Einrichtung für ihren Grundbildungsauftrag dringend benötige. Ihre Ideen will Anke Unkenholt im Kreisbildungsausschuss vortragen, der am heutigen Donnerstag stattfindet. „Passend zum Weltalphabetisierungstag“, sagt die Schulleiterin.

Für die Volkshochschulen im Landkreis könne sie sich zudem „Lerncafés“ vorstellen, in denen sich Kursteilnehmer unbezwungen selbstständig weiterbilden und austauschen könnten.

Von Christian Bark

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