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Besuch in der Hähnchenmastanlage

Hasenwinkel Besuch in der Hähnchenmastanlage

Die Hähnchenmastanlage, die Reiner Rohwedder und sein Sohn Christian bei Hasenwinkel (Stadt Pritzwalk) betreiben, entspricht Tierwohlstandards und dem neuesten Stand. Ab Mai wird die Kapazität auf 200 000 Tiere in fünf Hallen erhöht. Doch all dies ist auch mit erheblichen Hindernissen verbunden gewesen, wie Rohwedder beim Besuch von Landrat Torsten Uhe berichtete.

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Blick in einer der beiden im Betrieb befindlichen Hallen der Anlage.

Quelle: Bernd Atzenroth

Hasenwinkel. Eigentlich hatte sich Reiner Rohwedder nur nach einem weiteren Wirtschaftszweig für seinen Landwirtschaftsbetrieb umgeschaut. Doch daraus sollte so etwas wie eine Lebensaufgabe werden. Denn von der ersten Unterschrift bis zur Eröffnung der Hähnchenmastanlage bei Hasenwinkel (Stadt Pritz­walk) im Jahr 2014 vergingen sage und schreibe elf Jahre. So lange benötigte der Landwirt, der die Anlage nun mit seinem Sohn Christian betreibt, um alle Genehmigungen zusammenzuhaben, wie Rohwedder am Donnerstag beim Besuch des Prignitzer Landrates Torsten Uhe berichtete. Dabei hatte er einen Standort gefunden, der relativ unproblematisch, weil vergleichsweise abgelegen, ist. Immerhin konnte er den Startschuss für die Finanzierung auf den Zeitpunkt des Baubeginns legen.

Uhe unternimmt regelmäßig Unternehmensbesuche, um sich zu informieren und zu erkunden, wie der Kreis die Betriebe unterstützen kann. Die langen Genehmigungsverfahren, das wurde klar, drücken die Landwirte, was auch andere Teilnehmer des Termins bestätigten, Christina Stettin zum Beispiel, die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, oder auch der Landwirt Robert Hagemann aus Kuhsdorf. Dabei liegt das Problem wohl eher auf der Landesebene, weshalb die Landwirte sich wünschen, dass ihre Anliegen mehr in der Region behandelt werden. Das war eine Steilvorlage für Uhe: Im Zuge der Funktionalreform müsse man darüber sprechen, wie hier Verantwortung auf die Kreisebene delegiert werden könne. Für Uhe ist das aber auch Beleg dafür, dass die geplante Kreisgebietsreform mit noch größeren Strukturen keinen Sinn macht. Da pflichteten ihm die Landwirte bei.

Landrat Torsten Uhe (l) war Gast bei Reiner Rohwedder (2

Landrat Torsten Uhe (l.) war Gast bei Reiner Rohwedder (2. v. l.). Auch Robert Hagemann (2. v. r.) diskutierte mit.

Quelle: Bernd Atzenroth

Nach den Anfangsschwierigkeiten verzeichne man inzwischen „sehr gute Ergebnisse“, berichtete Rohwedder. Die Wiesenhof-Kette konnte als Großkunde gewonnen werden. Insbesondere in Sachen Tiergesundheit zeigte er sich sehr zufrieden. Man komme fast gänzlich ohne Antibiotika aus und auch der Medikamenteneinsatz beschränkt sich auf das, was nötig und wozu der Landwirt auch de jure verpflichtet ist. In den beiden seit 2014 betriebenen Hallen ist eine Kapazität für etwa 80 000 Hähnchen vorhanden. Die Fütterung und Versorgung läuft voll automatisiert. Eine intensive persönliche Kontrolle ist aber zweimal am Tag nötig, wie Jan Behnke erklärt. Dabei wird sehr viel Wert auf absolute Hygiene gelegt. Behnke ist einer der beiden Beschäftigten, die sich um die Anlage kümmern. Die Kontrolle ist zumindest teilweise auch extern möglich. Größtes Hindernis dabei ist das nach wie vor zu langsame Internet in der Region – Uhe versprach zu schauen, dass das Gebiet auch im jetzigen Ausbauprogramm bedacht wird.

Im Mai werden auch in dieser Halle 40 000 Hähnchen Platz finden

Im Mai werden auch in dieser Halle 40 000 Hähnchen Platz finden.

Quelle: Bernd Atzenroth

Jetzt expandiert das Unternehmen; drei weitere Hallen sind errichtet worden, die im Mai in Betrieb genommen werden. Jede hat eine Fläche von 1800 Quadratmetern und fasst auch jeweils 40 000 Tiere, so dass die Kapazität sich insgesamt auf 200 000 Tiere erhöht. Was viel klingt, ist letztlich doch ein eher kleiner Betrieb. Und das Fassungsvermögen jeweils einer Halle entspricht ganz genau den Kriterien des Tierwohllabels, dem sich Familie Rohwedder angeschlossen hat. Die damit verbundenen Mehrinvestitionen werden mit einem Aufschlag von vier Cent pro Kilogramm abgegolten. Letztlich kommen für den Landwirt nur zwei Cent mehr heraus, weil der Handel nicht bereit ist, dieses Geld zu bezahlen. Das führte zu einem weiteren Problem, mit dem sich Landwirte herumschlagen. Dem zunehmenden Bedarf an regionalen Produkten steht der Druck des internationalen Marktes entgegen. An dieser Stelle konnte auch Uhe nicht helfen. Aber: „Es ist wichtig, Familienunternehmen Bedingungen zu schaffen, die ein gutes Arbeiten ermöglichen.“ Schließlich sei die Prignitz eine landwirtschaftliche Region.

Von Bernd Atzenroth

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