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Betrieb für 14.900 Bio-Legehennen wird gebaut

Ellershagen (Prignitz) Betrieb für 14.900 Bio-Legehennen wird gebaut

Einigermaßen überrumpelt fühlen sich Bürger aus Ellershagen-Ausbau: Direkt vor ihren Grundstücken entsteht derzeit auf dem Acker ein Betrieb für 14.900 Bio-Legehennen. Das Projekt ist allerdings nicht neu: Die Genehmigung wurde 2011 erteilt.

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Bunte Treiben bei Legehennen in Freilandhaltung. Weiße Hühner sollen weniger zum Federn rupfen neigen als braune.

Quelle: Joachim Liebe

Ellershagen. Ein Betrieb für Bio-Legehennen soll bei Ellershagen-Ausbau (Amt Meyenburg) entstehen. Investor Jan-Anne Legendal möchte in der für 14 900 Tiere ausgelegten Anlage 13 400 weiße Hennen unterbringen. „Sie sollen nach den in Deutschland geltenden Vorschriften in Biohaltung untergebracht sein“, erklärt der 26-Jährige. Das bedeutet, die Hennen leben in Freilandhaltung, haben aber bei Bedarf einen offenen Stall, in den sie sich zurückziehen können. In fünf Monaten soll die Anlage in Betrieb gehen. „Die Bioprodukte boomen“, sagt Legendal.

Die Investition, über deren Höhe Legendal keine Auskunft geben möchte, wird vom Land Brandenburg und der Europäischen Union kofinanziert. „Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete“ steht auf dem Schild, das seit kurzem an der Zufahrtsstraße über das Bauprojekt informiert. Legendal geht davon aus, dass in der Anlage eineinhalb Arbeitsplätze entstehen. „Die Tiere müssen 365 Tage im Jahr beaufsichtigt werden“, so der junge Landwirt. Zudem werden für den Betrieb Mitarbeiter in der Wartung benötigt.

Auf der Baustelle ist noch nicht viel zu sehen

Auf der Baustelle ist noch nicht viel zu sehen.

Quelle: Beate Vogel

Anliegerin Elvira Gwozdz ist einigermaßen überrascht von der Bautätigkeit: Seit ein paar Wochen beobachtet sie, wie auf dem Feld in Sichtweite ihres Wohnhauses im Halenbeck-Rohlsdorfer Gemeindeteil Ellershagen-Ausbau der Untergrund geschoben und geglättet wurde. „Im Oktober haben wir das erste Mal festgestellt, dass da etwas passiert.“ Das neue Stallgebäude würde die Sicht beeinträchtigen. „Außerdem wird es doch riechen“, fürchtet die Berlinerin, die mit ihrem Mann seit 1. Dezember in Ellershagen-Ausbau wohnt. Jetzt hat sie Kontakt erst einmal mit Vertretern der Bürgerinitiative „Prignitzer gegen Industriemast“ aufgenommen. „Sie waren auch schon hier.“

Erkundigungen zu dem Vorhaben einzuholen, scheint nicht so einfach: In der jüngsten Gemeindevertretersitzung Halenbeck-Rohlsdorf zeigte sich, dass für das Projekt bereits am 28. September 2011 die Genehmigung erteilt worden war. „Das war noch zu Zeiten der alten Gemeindevertreter“, erläuterte Halenbeck-Rohlsdorfs Bürgermeisterin Astrid Eckert, die selbst erstaunt war, was da in Ellershagen-Ausbau gebaut wird. Beteiligt worden sei aber die Kommune damals. Da die Genehmigung sechs Jahre gilt, hat der Investor bis zum 28. September dieses Jahres Zeit, sein Vorhaben umzusetzen.

„Der Mist der Hühner bleibt auf dem Acker“, versichert der Investor Legendal

„Der Mist der Hühner bleibt auf dem Acker“, versichert der Investor Legendal.

Quelle: dpa

Die Untere Bauaufsichtsbehörde beim Landkreis Prignitz gibt generell keine konkreten Auskünfte zu derartigen Genehmigungsverfahren, hieß es auf Anfrage. „Die Gemeinde wird bei solchen Anträgen aber grundsätzlich beteiligt“, ließ die Kreisverwaltung in Perleberg verlauten. Nach welchen Kriterien die Errichtung einer Legehennenstation abgewogen wird, regele die Bundesimmissionsschutzverordnung. Was das genau bedeutet, etwa ob Abstände zu Wohnhäusern oder eine mögliche Geruchsbelastung einfließen – auch dazu gab es keine Auskunft. Auch das Landesumweltamt kann nicht helfen: Dessen Zuständigkeit für immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren beginnt erst bei mehr als 15 000 Legehennen.

Investor Legendal glaubt, dass die Belastung für die Bürger gering ist. Jeder Henne sollen vier Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen – sechs Hektar wird also die Anlage umfassen. Neben den Auslaufflächen haben die Hühner einen Stall, „wo sie sich unterhalten können“. Alle zwei bis drei Tage werde ein 7,5-Tonnen-Laster die Eier abfahren. „Der Mist der Hühner bleibt auf dem Acker“, so Legendal. Ohnehin würde die Hennen weniger koten, wenn sie sich draußen aufhalten. Im Stall soll ein Schieber den Mist in einen Kanal schieben, von wo ihn ein Förderband nach draußen bringen soll. Dort werde er auf einer versiegelten Platte und von oben abgedeckt zwischengelagert. „Der Kot fängt nur an zu stinken, wenn er nass wird“, erklärt der 26-jährige Bauherr.

Die Hühner haben bei Bedarf einen offenen Stall

Die Hühner haben bei Bedarf einen offenen Stall.

Quelle: dpa

Jan-Anne Legendal ist in der Region kein Unbekannter: Im Pritz­walker Ortsteil Könkendorf und aus den Nachbardörfern schlägt ihm heftiger Widerstand entgegen. Dort will er gemeinsam mit einem Partner in zwei Betrieben eine Hähnchenmastanlage mit sechs Ställen für insgesamt 324 000 Vögel bauen. Die Stadt Pritzwalk hat ihr kommunales Einvernehmen versagt, weil die Belastung für die Anwohner zu hoch wäre. Während eines Erörterungstermins am 20. September 2016 in Pritzwalk hatte Rechtsanwalt Thorsten Deppner, beauftragt vom Naturschutzbund Nabu, erklärt, dass die beiden Betriebe in Könkendorf nicht als Landwirtschaftsbetriebe eingeordnet werden können, da diese weder eigene Flächen, Maschinen und Hofstätten besitzen. Der Landkreis Prignitz war dem gefolgt und hatte das Unternehmen in seiner Stellungnahme zum Antragsverfahren als nicht-landwirtschaftlichen Betrieb eingestuft.

Der Investor ist in der Region kein Unbekannter

Doch das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) hat dies abgelehnt und die Stellungnahme des Kreises überstimmt. Die seit Jahren aktive Bürgerinitiative „Prignitzer gegen Industriemast“ sieht darin eine politische Entscheidung. Eine geplante Anlage für 450 000 Hähnchen bei Alt Daber (Wittstock) wurde nicht gebaut. Der Investor hatte seinen Antrag zurückgezogen. Der bereits begonnene Bau einer Hähnchenmastanlage für 330 000 Vögel bei Groß Haßlow liegt nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Potsdam im November 2016 auf Eis. Das Verfahren geht wohl in die nächste Instanz.

Mit einigen Anwohnern in Ellershagen-Ausbau habe Jan-Anne Legendal aktuell schon Kontakt aufgenommen. „Wenn Leute an dem Bau interessiert sind, können sie gern vorbeikommen und fragen. Es gibt keine Geheimnisse“, betont er. Elvira Gwozdz findet es indessen nicht nur ärgerlich, dass die Anlage so dicht am Ort stehen wird: „Ich bin generell gegen solche großen Tieranlagen“, sagt sie. Sie hält diese Form der Tierhaltung für eine Belastung für die Umwelt. „Kot und Dreck kommen auf die Felder. Es ist seit Jahren bekannt, dass das schädlich ist.“

Von Beate Vogel

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