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Bewährung für junge Tankstellen-Räuber

Mildes Urteil Bewährung für junge Tankstellen-Räuber

Vier junge Wittstocker zwischen 15 und 26 Jahren sind am Mittwoch nach Überfällen auf Tankstellen zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Der Haupttäter, der massive Drogenprobleme hat, muss in eine Therapieeinrichtung. Andere Täter müssen gemeinnützige Arbeit leisten.

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Die Tankstelle in Liebenthal wurde am 4. April überfallen. Am Mittwoch wurden die Täter auf Bewährung verurteilt.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock.
Wer die Angeklagten so hört, könnte an einen Dumme-Jungen-Streich denken. Doch was die vier Angeklagten im Alter zwischen 15 und 26 Jahren am 4. April dieses Jahres durchzogen, ist dem Gesetz nach ein Verbrechen.

Zwei 15- und 16-jährige Cousins überfielen an jenem Tag gegen 21.45 Uhr die Agip-Tankstelle in Liebenthal bei Heiligengrabe. Der 17-Jährige stand auf der anderen Straßenseite Schmiere, der 26-Jährige wartete in einiger Entfernung im Fluchtfahrzeug.

Wegen schwerer räuberischer Erpressung beziehungsweise Beihilfe dazu wurden die vier am Mittwoch von der Jugendkammer des Landgerichts Neuruppin zu Bewährungsstrafen verurteilt. Strafen, die im Vorfeld zwischen den Prozessbeteiligten abgesprochen waren. Voraussetzung für die Verständigung waren umfassende und glaubhafte Geständnisse der Angeklagten.

Die legten sie am Mittwoch ab. Die Idee, eine Tankstelle zu überfallen, war bereits eine Woche zuvor in der Welt gewesen, sagte der 16-Jährige. Am Tattag sollte der Plan dann in die Realität umgesetzt werden. Sie saßen nachmittags mit mehreren Menschen zusammen und rauchten Gras. Geld hatten sie alle nicht. „Ich wollte das machen allein in die Tankstelle reingehen, aber allein habe ich mich das nicht getraut“, sagte der 16-Jährige.

Er fragte in der Runde herum. Der Gastgeber wollte nicht mitmachen, der 17-Jährige weigerte sich auch zunächst, erklärte sich dann aber doch bereit, mitzufahren und den Tatort „abzusichern“. Mehr wollte er nicht machen. Der
15-Jährige dagegen sagte zu, sich zu beteiligen. Die Tankstelle hatten sie sich ausgesucht wegen ihrer abgelegenen Lage. Ursprünglich wollten sie mit dem Zug dorthin fahren. Davon verabschiedeten sie sich, weil die Bahn am Wochenende nur alle zwei Stunden fährt. Deshalb rief der 16-Jährige seinen erwachsenen Kumpel an, ob dieser sie fahren könne. Der 26-Jährige gab am Mittwoch zu, dass er sich im Klaren darüber war, zu welchem Zweck seine Dienste in Anspruch genommen werden sollten und auch, dass sie wohl irgendeine Art Waffe dabei hatten.

Mit Softair-Pistole Geld und Zigaretten erbeutet

In der Tankstelle hielt der 16-Jährige der Angestellten eine Softair-Pistole vor und forderte Geld. Er sei „voll erschrocken“ gewesen, als die Angestellte sagte, dass sie kein Geld hätte, sagte der Jugendliche. „Ich hatte mit 1000 oder 2000 Euro gerechnet.“ Letztendlich waren es rund 500 Euro und Zigaretten im Wert von etwa 570 Euro.

„Man glaubt nicht, dass sie zu so etwas fähig sind, wenn man sie hier so sitzen sieht“, sagte Staatsanwalt Kai Klement. Dabei schlug der 16-Jährige am 19. Juni noch einmal zu. Diesmal überfiel er eine Tankstelle in Wittstock. Auch dort hatte er sich wesentlich mehr Beute versprochen. Doch der Tresor war mit einem Zeitschloss gesichert. So musste er sich mit dem Wechselgeld von rund 100 Euro und 40 Packungen Zigaretten zufrieden geben.

Gemeinnützige Arbeit als „Denkzettel“

Nach ihren Festnahmen kamen die drei Jugendlichen in eine Jugendeinrichtung. Wie die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe sagte, hätte der Aufenthalt dort „große erzieherische Wirkung“ gezeigt. Die beiden 15- und 16-Jährigen können ab sofort wieder nach Hause und in ihre alten Schulklassen. Der Haupttäter, der starke Drogenprobleme hat und auch bei den Taten unter Drogen stand, soll sofort in eine Therapieeinrichtung nach Beelitz umziehen.

Zusätzlich müssen der einzige Erwachsene und der Jüngste gemeinnützige Arbeit leisten. „Irgendein Denkzettel muss bei so einer Sache sein“, sagte der Staatsanwalt.

Von Dagmar Simons

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