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Prignitz Bewohner leben in ihrer eigenen Welt
Lokales Prignitz Bewohner leben in ihrer eigenen Welt
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00:17 14.11.2016
Bewohnerin Christin mit ihrem Tagesplan aus Bildern. Quelle: Andreas König
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Groß Woltersdorf

Manchmal wird es richtig laut in dem Haus mit der freundlich gestalteten gelb-beigen Fassade. Das irritiert vielleicht den einen oder anderen Besucher von Groß Woltersdorf, aber die Nachbarn aus dem Ort haben sich daran gewöhnt. In der Groß Woltersdorfer Wohnstätte des Christlichen Jugenddorfwerks Berlin-Brandenburg (CJD) wohnen elf Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung, wie der Fachbegriff heißt. Gebräuchlicher dürfet weiterhin der Begriff Autistmus sein. Menschen, die davon betroffen sind, haben in der Regel ein verringertes Interesse an sozialen Kontakten und ein reduziertes Verständnis sozialer Situationen.

Zusammen bewältigen sie den Alltag

Die Mitarbeiter des CJD Berlin-Brandenburg betreuen Menschen mit Autismus in zwei Einrichtungen: Seefeld und Groß Woltersdorf. Letztere hat der soziale Träger vor zweieinhalb Jahren bezogen, nachdem sich Erweiterungspläne am Standort Stepenitz nicht verwirklichen ließen. „Der Standort ist schön“, sagt Hausleiterin Simone Baude, „wenn es auch die eine oder ander Einschränkung gibt.“ Da das Haus in Groß Woltersdorf ursprünglich als betreutes Seniorenwohnen konzipiert war, sind die Räume im Obergeschoss nur über Außentreppen zu erreichen, wie sie andernorts als Fluchtweg im Brandfall genutzt werden. „Die meisten unserer Bewohner haben eine geistige Behinderung, in den oberen Räumen wohnen diejenigen, die das bewältigen“, sagt Simone Baude.

Simone Baude (2. v. l.) beim Arbeiten mit Stoff Quelle: Andreas König

Alle Bewohner sind nicht werkstattfähig, können also nicht in einer geschützten Werkstatt einer Arbeit nachgehen. Dennoch müssen sie gefördert und beschäftigt werden. In Groß Woltersdorf steht zu diesem Zweck eine Holzwerkstatt bereit, es gibt eine Arbeitsstation, in der die Bewohner Stoffe reißen und daraus Stuhlkissen oder ähnliche Gebrauchsgegenstände anfertigen. Auf dem weitläufigen Gelände hinter dem Haus wurden Hochbeete angelegt, und hinter einem Gartentor wartet seit kurzem ein Labyrinth darauf – unter Aufsicht entdeckt zu werden.

Es ist immer jemand für die Bewohner da

„Das wichtigste für unsere Bewohner ist eine Struktur im Tagesablauf zu haben. Sie können nicht planvoll handeln. Daher haben wir die wichtigsten Tätigkeiten mit Hilfe von Piktogrammen dargestellt“, erläutert Simone Baude. Christin, eine Bewohnerin der oberen Räume, hat einen solchen Tagesablauf in ihrem Zimmer hängen. Daran orientiert sie sich, wenn es darum geht, den Tag in der Einrichtung zu verbringen.

Die oberen Räume sind nur über Außentreppen zu erreichen. Quelle: Andreas König

„Der Kontakt zu den Menschen und Einrichtungen in Groß Woltersdorf ist sehr gut“, lobt die Hausleiterin. Da die Bewohner eine 24-stündige Betreuung benötigen, ist immer jemand von den insgesamt 20 Mitarbeitern des CJD in der Einrichtung. Während das Essen in der Woche vom eigenen Personal zubereitet wird, liefert an den Wochenenden die nahe­gelegene Gaststätte „Zur Hexe“ die Mahlzeiten. Auch sonst nutzen die Bewohner und Betreuer die Einrichtungen des Wahrberge-Vereins so oft es nur geht. „Wir waren auch schon auf der Sommerrodelbahn, nehmen jedes Jahr am Prignitzer Theatertag im Waldlehrpark teil und halten Andachten in der ansonsten nicht mehr genutzten Kirche ab“; berichtet die Hausleiterin. Doch das CJD engagiert sich auch im Dorf. Das Klanghaus und das Trampolin an der Kirche etwa wurden von sozialen Akteuren zur Verfügung gestellt. Die Mitarbeiter und Bewohner würden sich zudem freuen, wenn für das noch nicht ganz fertige Labyrinth Spenden eingingen. „Ein paar Ruhezonen mit Bänken, das würde unseren Bewohnern gut tun“, findet Heike Baude.

Viele Bewohner fahren in Abständen von zwei bis vier Wochen zu ihren Eltern. „Davon abgesehen, ist die Einrichtung ihr Zuhause“, sagt Simone Baude. Aufgabe der Betreuer sei es daher, das Leben im Haus so angenehm wie möglich zu gestalten. „Dass es dabei mal laut wird und wir liebevolle, aber deutliche Worte finden müssen, liegt in der Natur der Sache.“

Von Andreas König

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