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Bis zur völligen Erschöpfung

Pritzwalk Bis zur völligen Erschöpfung

Eine Runde von Feuerwehr- und Katastrophenschutzexperten aus dem ganzen Land beschäftigte sich bei ihrer Tagung in Pritzwalk mit dem Gefahrgutunfall auf der A 24 im August.Bei der Beratung, an der unter anderem alle Kreisbrandmeister teilnahmen, ging es aber auch um weitere wichtige Themen rund um den Brand- und Katastrophenschutz.

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Einsatzkräfte in Schutzanzügen beim Gefahrgutunfall Mitte August an der Autobahnraststätte bei Walsleben.

Quelle: Foto: dpa

Pritzwalk. Daran konnten sich alle Anwesenden noch gut erinnern: Vor gut sechs Wochen kam es am Rasthof Walsleben an der A 24 zu einem Gefahrgutunfall, der einen kaum gekannten Großeinsatz von Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz nach sich zog. „Ich hatte noch bei keinem Einsatz so viel Angst um meine Kameraden“, bekannte am Mittwoch in Pritzwalk Wolfgang Hohenwald, Kreisbrandmeister im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Es habe 18 Fälle von völligem Erschöpfungszustand und teilweise Kreislaufzusammenbrüche gegeben. Eine Feuerwehrfrau wurde schwerer verletzt, weil sie kurzzeitig giftige Gase einatmete.

Wolfgang Hohenwald gab gemeinsam mit Alexander Trenn vor der versammelten Schar aller Kreisbrandmeister und vieler Verantwortlicher beim Land und beim Landesfeuerwehrverband im Pritz­walker Feuerwehrgerätehaus einen Bericht über den Ablauf der Ereignisse. Dieser sollte dazu dienen, Konsequenzen für künftige Einsätze daraus zu ziehen. Eine solche nötige Konsequenz stellte er seinen Ausführungen voran: Trenn, Fachberater Gefahrstofflagen beim Landesfeuerwehrverband, sollte keine Stelle haben, die im ehrenamtlichen Bereich angesiedelt ist. Warum, das wurde während Trenns Vortrag überdeutlich: Seine Expertise war sehr entscheidend dafür, dass die ausgetretene Säure neutralisiert und damit Gefahr für Leib und Leben eingedämmt werden konnte. Hohenwald und Trenn schilderten etwa eine Stunde lang in allen Details den spektakulären Einsatz, der am 14. August gegen 21.30 Uhr begann und erst nach gut 25 Stunden endete. 196 Einsatzkräfte allein aus dem OPR-Kreis kamen dabei zum Einsatz, dazu 140 Einsatzkräfte aus anderen Regionen, etwa Potsdam-Mittelmark, Havelland aus dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sowie aus der Prignitz.

Tuis-System kam nicht zum Einsatz

Der Einsatz ging an körperliche Grenzen, zum einen der Hitze wegen, aber auch, weil es die Einsatzkräfte mit einem sehr aggressiven Stoff zu tun hatten. Salpetersäure ist leicht entzündlich und reagiert schnell mit anderen Stoffen. Das führte zwischendurch zu der gefährlichen Situation, dass sich Nitrosegase bildeten. Danach entschloss man sich zur flächendeckenden Neutralisierung der Säure mit Natriumkarbonat, was funktionierte.

Landesbranddirektor Heinz Rudolph erklärte, dass auf den regelmäßigen Treffen der Runde immer Einsätze ausgewertet würden. Wichtigste Erkenntnis dieses Großeinsatzes: Man muss in der Lage sein, kreis- und länderübergreifend schnell gemeinsam zu agieren. Für den Fall eines solchen Chemie-Unfalls gibt es eigentlich bereits das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem der chemischen Industrie, kurz Tuis, das sich die Anwesenden erklären ließen. Es konnte aber bei Walsleben nicht zum Einsatz kommen, da es in den neuen Bundesländern nur drei weit entfernte Tuis-Stützpunkte gibt.

Der Einsatz selbst ist noch längst nicht abgewickelt. So geht es etwa darum, verschlissene Schutzanzüge und andere Materialien zu ersetzen. Das muss, wie der stellvertretende Prignitzer Kreisbrandmeister Volker Lehmann erklärte, alles beantragt werden. Immerhin blieb die Kostenerstattung nicht an der Kommune, dem Amt Temnitz, hängen, sondern der Landkreis Ostprignitz-Ruppin konnte dies aufgrund der Großschadenslage übernehmen.

Von Bernd Atzenroth

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