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Blick in die Glaskugel

Pritzwalk Blick in die Glaskugel

Beim Sommerempfang der Industrie- und Handelskammer in Pritzwalk beherrschte das Thema „Brexit“ die Gespräche. Während manche Unternehmer kurz- und mittelfristig Auswirkungen für Wirtschaftsförderung und Exportgeschäft befürchten, warten andere ab. Der Blick in die Zukunft gleiche derzeit mehr einem Blick in die Glaskugel.

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Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union war Thema beim IHK-Sommerfest in Pritzwalk.

Quelle: Claudia Bihler

Pritzwalk. Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber griff bei seiner kurzen Rede zuim Sommerempfang der Industrie- und Handelskammer im Biergarten das Thema auf, das unter den Gästen aus dem gesamten IHK-Bereich Potsdam ohnehin schon heftig diskutiert wurde: das englische Referendum zum Brexit. Dass die EU-Absage der Briten nicht nur für diese selbst entscheidende Konsequenzen haben wird, ist allen klar. Welche – das ist noch ungewiss. Sicher sei aber, dass die brandenburgische Wirtschaft betroffen sein wird: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich vieles ändern wird“, sagte Gerber.

Von Unternehmern und Kommunalvertretern der Region wird das Thema unterschiedlich gewertet. Uta Nebert etwa, Bauamtsleiterin im Amt Meyenburg beobachtet die Verzögerungstendenzen der Britischen Brexit-Initiatoren mit Skepsis: „Warten wir es erst mal ab, vielleicht gibt es ja noch einen Exit vom Brexit.“

Cordula Schmude von Störk fürchtet vor allem Auswirkungen für die Wirtschaftsförderung

Cordula Schmude von Störk fürchtet vor allem Auswirkungen für die Wirtschaftsförderung.

Quelle: Claudia Bihler

Unter den Unternehmern herrscht derweil teilweise Skepsis. Der neue Präsident der Handwerkskammer Potsdam, der Pritz­walker Schmiedemeister Robert Wüst, befürchtet Auswirkungen bis ins Handwerk hinein: „Die Unternehmen bekommen ja sehr viele Aufträge aus den Industrie-Betrieben, beispielsweise für die Zulieferung von Produkten, aber auch für die Wartung der Anlagen. Wenn die Industriebetriebe Einbußen wegen des Brexits erleben, merken wir das dann auch.“ Doch bisher fürchten nur wenige Industriebetriebe Auswirkungen. Maximilian van de Loo vom Zahnradwerk Pritzwalk zuckt mehr oder weniger mit den Achseln: „Wir haben ja keine Kunden in Großbritannien.“ Und Hendrik Hecht, Geschäftsführer bei Krono in Heiligengrabe, sieht es ähnlich: „Kurzfristig werden wir wohl eher nichts bemerken. Wie sich die Situation mittel- bis langfristig entwickelt, bleibt abzuwarten. Wir bleiben zunächst einmal passiv, bis wir wissen, wie sich die Situation entwickelt und halten uns alle Optionen offen.“

„Ich glaube, das wird uns alle treffen“

Anders dagegen sieht man die EU-Absage der Briten beim Nauener Unternehmen Störk. Dort werden Erden und Mulche sowie Biofilter und Substrate für die Industrie hergestellt. Die Geschäftsführerin Cordula Schmude: „Ich glaube,m das wird alle treffen, die gesamte Weltwirtschaft. wenn man bedenkt, dass mit Großbritannien ein großer Nettozahler aus der EU ausscheidet und gleichzeitig in betracht zieht, dass sich die Investitionsbank des Landes Brandenburg zu 50 Prozent aus EU-Geld finanziert, kann man sich leicht ausrechnen, dass es im Bereich der Wirtschaftsförderung Einschnitte geben wird.“

Günter Baaske (SPD), Wirtschaftsminister, appelliert an das Verantwortungsgefühl der Bürger, die sich umfassend zur EU informieren sollten

Günter Baaske (SPD), Wirtschaftsminister, appelliert an das Verantwortungsgefühl der Bürger, die sich umfassend zur EU informieren sollten.

Quelle: Claudia Bihler

Ernst Hüffmeier, Chef der Wolfshagener Drahtverarbeitung, geht davon aus, dass die Wirtschaft kurzfristig ebenfalls negative Konsequenzen zu spüren bekommt. Seine knappe Prognose: „Kurzfristig negativ, mittelfristig wird sich die Situation egalisieren und langfristig wieder komplett ausgeglichen sein.“ Zunächst allerdings sei problematisch, dass das Pfund abwerte. So werden zwar britische Importe billiger, aber für die Exporteure nach Großbritannien werdsen die zu erzielenden Preise absacken: „Das könnte negative Auswirkungen haben.“ Derweil kann Robert Hagemann, Landwirt aus Kuhsdorf, die Situation für seine Branche noch nicht so recht einschätzen: „Das ist ein wenig, als wenn man einen Blick in eine Glaskugel richtet.“

Bildungsminister Baaske: „Es kotzt mich an“

Bildungsminister Günter Baaske geht dagegen mit der britischen EU-Absage eher hart ins Gericht: „Es kotzt mich an, dass man heute offensichtlich mit einfachen Schlagworten einen Wahlkampf gewinnen kann. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich die Leute ihrer Verantwortung bewusst werden und sich aus möglichst vielen Quellen, darunter auch aus den Zeitungen infomieren.“

Wittstocks Wirtschaftsförderer Dieter Herm sieht mit dem Brexit noch andere Werte gefährdet. „Es ist ja nicht nur die Wirtschaft. Die Europäische Union hat für uns vor allem auch Frieden bedeutet. Man sieht ja, das überall um uns herum Krieg herrscht.“

Mike Blechschmidt, Vorsitzender des Fördervereins Autobahndreieck Wittstock, hat zumindest eine Genugtuung: „Immerhin haben die Briten bei der Fußball-Europameisterschaft von Island ihre Niederlage kassiert.“

Von Claudia Bihler

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