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Prignitz Blüthen: Schatzkammer der Bauerngeschichte
Lokales Prignitz Blüthen: Schatzkammer der Bauerngeschichte
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00:17 06.05.2016
Ulrich Wolf hat den Raum, der einst als Wagenscheuer diente, zu einem kleinen Museum gemacht. Quelle: Kerstin Beck
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Blüthen

Ein typisches Straßendorf in der Prignitz: Man fährt in die schnurgerade Straße herein und irgendwann auch wieder hinaus – das ist Blüthen. In der Ortsmitte, ebenfalls ganz typisch, die Kirche mit ehemaligem Küsterhaus und Feuerwehr. Da ist aber noch etwas. Direkt gegenüber von diesen prägenden Gebäuden: Ein top restauriertes, 1887 errichtetes Bauernhaus mit einer Inschrift „Gott, giff uns heel‘ n Sinn un saeg’ n all, de hirr gaohn ruut un rinn!“. Der Eingang zum ehemaligen Vierseitenhof wird links von Eggen, an denen Pflanzen ranken, und rechts von einem großen Findling flankiert. Und der steht nicht nur so da. „Wolf seit 1762“ ist in den Granit gemeißelt. „Das hat unser Pfarrer Dr. Groß, der bis 1994 hier war, herausbekommen“, sagt Hausherr Ulrich Wolf, der darauf bedacht ist, dass die Erinnerung an frühere Zeiten lebendig bewahrt wird.

Betritt man den Hof, spürt man sofort, dass hier eine Balance gelingt – zwischen absoluter Ordnung und Sauberkeit, fast Kargheit, und einer Präsentation von fast Vergessenem, das einst den Bauernstand ausmachte. Die „Hingucker“ sind überall zu finden: Auf der Hoftafel an der mächtigen Scheune steht „1923“, an ihrer Ostseite hängen Wagenräder und Zubehör für Pferdegespanne. An einer anderen Wand sind Stücke vom Holz heimischer Bäume wie Ahorn, Erle, Pappel, Ulme oder Weide angebracht. „Weil ich ein Naturliebhaber bin“, sagt der 61-Jährige.

Am meisten aber ist in einer ehemaligen Wagenscheuer zu sehen, die Ulrich Wolf zu einer Art Freilichtmuseum umfunktioniert hat. Dort hängt alles das, was ehemals in einem bäuerlichen Haushalt im Gebrauch war. Wenn Besucher oder gar Gruppen kommen, erklärt der ausgebildete Agrar­ingenieur die Funktionsweise der Stücke. „Bei den älteren Gästen heißt es dann bald ,aha, ja, das habe ich ja noch gekannt’, aber viele junge Leute haben nicht einmal die Fantasie sich vorzustellen, dass etwas ohne Technik ging – etwa ohne Motorsäge. Oder wer weiß denn schon, was eine Brake ist?“

Besucher im Verkaufsraum des Hofes. Quelle: Kerstin Beck

Die entsprechenden Sägen hängen an der Stirnwand, und ganz unten ist auch die Brake zu entdecken, mit der früher Flachs zum Spinnen vorbereitet wurde. „K W“ ist dort eingraviert – also stammt das gute Stück noch von Ururgroßmutter Katharina, die 1838 einheiratete. Wäschestampfer, Bohrleier, Hungerharke, Backtröge, Dreschflegel, Ledereimer, ein geflochtener Bienenkorb, ein preußisches Scheffelmaß mit Eichung, Milchkannen, Spinnrad und eine Singer-Nähmaschine fallen ins Auge. Und noch etwas: Eine Tafel, die darüber Auskunft gibt, dass der „Eldenburger Hof Nr. 16“ seit mindestens 1600 existiert und die Vorfahren der Wolfs seit 1762 dort lebten. „Eldenburger Hof“ heißt er übrigens deswegen, weil zu den verschiedenen Adligen, denen die Blüthener Bauern untertänig waren, von 1495 bis 1719 die in Eldenburg ansässige Familie von Quitzow gehörte.

Und weil der ehemalige LPG-Brigadier sich seit 15 Jahren eine Existenz als selbstständiger Landwirt aufgebaut hat, gibt es dort auch Wurst, wie man sie von früher her kennt, zu kaufen – und zwar immer dann, wenn in Blüthen ein Markt oder eine Tierschau stattfindet. Ehefrau Christine steht dann fröhlich im pieksauberen und natürlich ebenfalls sehenswerten Verkaufsraum. „Meine Tiere bekommen nur Grünes, Schrot und Wasser, mehr nicht, denn sie sind unsere Mitgeschöpfe, die man mit Achtung behandeln muss“, sagt Christine Wolf.

Der traditionsbewusste Familienvater, der außerdem seit 1988 als Kirchenältester und seit zwei Jahren als Ortsvorsteher tätig ist, nimmt seine Kraft aus dem Zusammenhalt in seiner Familie. „Auch wenn es mal Differenzen gibt – wenn es darauf ankommt, muss die Familie zusammenhalten. Und ich habe einen ganz festen Glauben zu allen Dingen.“

Von Kerstin Beck

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