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Blumen für Schiedsfrau

Amtsgericht Perleberg Blumen für Schiedsfrau

Seit zehn Jahren schlichtet Dietlind Blumenthal als Schiedsfrau Streitigkeiten unter ihren Mitbürgern. Der Direktor des Perleberger Amtsgericht, Frank Jüttner, dankte ihr im Namen des Landes Brandenburg für die ehrenamtliche Tätigkeit. Nach zwei Amtsperioden wurde sie kürzlich für eine dritte fünfjährige Periode von der Gemeindevertretung gewählt.

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Amtsgerichtsdirektor Frank Jüttner dankt Dietlind Blumenthal im Auftrag des Landes.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. Als Schiedsperson steht Dietlind Blumenthal normalerweise nicht im Mittelpunkt öffentlichen Interesses. Am Donnerstag war dies jedoch einmal anders. Seit zehn Jahren ist die Gumtowerin in ihrer Gemeinde als Schiedsperson tätig. Anlass für Amtsgerichtsdirektor Frank Jüttner, ihr im Auftrag des Landes eine Ehrenurkunde zu überreichen. „Das ist eine ehrenamtliche Tätigkeit, da geht viel Freizeit drauf“, stellte er fest. Doch Dietlind Blumenthal wollte dies gar nicht so hervorheben. „Es ist ein Erfolgserlebnis, wenn sich zwei Streithähne die Hand geben.“ Daher macht Dietlind Blumenthal auch weiter. Nach zwei Amtsperioden stellte sie sich in dieser Woche erneut der Wahl in der Gemeindevertretung. Im Perleberger Amtsgericht liegen jetzt die Wahlunterlagen zur Prüfung und Bestätigung. „Ich sage wohl nicht zu viel,“ meinte Frank Jüttner, „bei Frau Blumenthal ist das sicher kein Problem.“ Stets werden die Schiedspersonen in den Städten, Ämtern und Gemeinden gewählt. Betreut wird das Schiedsmannwesen von den Amtsgerichten. Voraussetzung für dieses Ehrenamt ist ein tadelloses Führungszeugnis und die Schiedspersonen müssen in der entsprechenden Kommune wohnen.

„Wichtig ist die soziale Kompetenz“, erklärte der Amtsgerichtsdirektor. Die Schiedsperson müsse nicht mit juristischen Kenntnissen glänzen, vielmehr komme es auf Lebenserfahrung an, um den Rechtsfrieden wieder herzustellen.

Es sind vor allem Nachbarschaftsstreitigkeiten, mit denen sich Dietlind Blumenthal zu befassen hat. Der Streit entzündet sich häufig an Hecken und Zäumen. „Aber das ist meist nur die Spitze des Eisbergs. Es geht darum den dicken Klos unter der Oberfläche zu finden“, berichtet die Schöffin aus ihrer Tätigkeit. Es besteht ein Groll, weil die Nachbarin immer so unfreundlich blickt oder die Kinder nicht grüßen. „Jeder äußert seinen Unmut, lässt Luft ab.“

„Ich nehme mir viel Zeit“, erklärt die Schöffin. Wichtig sei,dass beide Parteien das aussprechen, was ihnen auf dem Herzen liegt. Sie vereinbart auch Ortstermine, um sich selbst den Zaun anzusehen. Und dann komme man noch einmal zusammen. Einen Erfolg sieht sie, wenn die Parteien wieder miteinander sprechen oder sogar einander helfen. Da stellt sich heraus, dass der Nachbar gar keine Heckenschere hat. Auf einmal wird dem „bösen Nachbarn“ das eigene Werkzeug für den Heckenschnitt angeboten.

Die Schöffen entlasten die Gerichte erheblich. Die Vorteile liegen aber auch ganz deutlich bei den Streitenden. Das Schöffenverfahren ist viel kürzer als eines vor Gericht. Mit 40 Euro betragen die Verfahrenskosten nur einen Bruchteil dessen, was ein Gericht verlangt.

„Es gibt auch keine Sieger und Verlierer wie vor Gericht“, erklärt der Amtsgerichtsdirektor. Das Verfahren endet mit einer Einigung, einem Vergleich. „Das sind tragfähige Lösungen, die dem Rechtsfrieden sehr dienlich sind.“ Ganz selten muss eine Vollstreckung durchgesetzt werden. In weniger als zehn Prozent der Fälle. Der Schiedsspruch ist aber alles andere als eine beliebige Feststellung. Wer sich nicht an die Festlegung hält, muss mit den Konsequenzen wie bei einem Urteil rechnen. „Die Leute stehen nicht Schlange, die eine solche Aufgabe übernehmen möchten“, erklärte Frank Jüttner. Doch alle 16 Schiedsstellen im Amtsgerichtsbezirk sind besetzt.

Von Michael Beeskow

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