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Bomben im Breeser Boden vermutet

Munitionssucher auf der Deichbaustelle Bomben im Breeser Boden vermutet

Eine Munitionsbergungsfirma sucht derzeit die Deich- und Straßenbaustelle bei Breese (Prignitz) ab. Der Boden zeigt einige Anomalien, die auf Bomben-Blindgänger hindeuten können. Die Ergebnisse sollen schnell ausgewertet werden. Das Amt Bad Wilsnack-Weisen bereitet sich unterdessen auf eine Evakuierung in einem 1000-Meter-Radius vor.

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Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass in Breese Bomben unter der Erde liegen, muss der Kampfmittelbeseitigungsdienst anrücken.

Quelle: Stähle

Breese. 600 Meter lang und 40 Meter breit ist die Schneise durch den Wald bei Breese. Munitionsräumer suchen die Stelle seit Monaten nach Munition ab. Das heißt, zunächst sucht die Munitionsbergungsfirma Röhll unter Räumstellenleiter Kai Lehmann den Boden nach Anomalien ab. Mehrfach bereits sind die Mitarbeiter fündig geworden. Was genau hinter den Zacken in den Messkurven steht, können die Experten jedoch erst in etwa 14 Tagen sagen. „Die Daten, die dabei gewonnen werden, werten wir mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms aus“, sagt Gerd Fleischhauer. Der Truppführer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Polizei besucht die Räumstelle Breese immer wieder. Zu Prognosen, wie viele Anomalien sich als Bombenfunde erweisen, lässt sich der erfahrene Feuerwerker nichts entlocken. „Das wäre nicht seriös“, sagt Gerd Fleischhauer. „Die Anomalien sind Störungen im natürlichen Magnetfeld der Erde. Und die können von allem möglichen hervorgerufen werden, Brunnen, Hohlräume, und sicher auch von Munitionssplittern oder Ansammlungen davon.“ Natürlich könnten es auch nicht detonierte Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg sein.

Feuerwerker Henry Konstantin (r) sucht in den Bohrlöchern nach Anomalien, die Bohrhelfer Daniel Pantke und Dennis Pick ziehen die Leerrohre nach

Feuerwerker Henry Konstantin (r.) sucht in den Bohrlöchern nach Anomalien, die Bohrhelfer Daniel Pantke und Dennis Pick ziehen die Leerrohre nach der Messung wieder aus der Erde.

Quelle: Andreas König

Breese war Ziel amerikanischer Bombenflugzeuge

Die Wahrscheinlichkeit für letzteres ist groß. Schließlich waren Wittenberge und das benachbarte Breese am 22. Februar 1945 Ziel eines Bombenangriffs der Amerikaner. Getroffen werden sollten vor allem der Bahnhof und die Lüneburger Bahnlinie. Doch die Wehrmacht hatte Vorkehrungen getroffen, um den Schaden zu verringern. Zeitzeugen berichten, dass in Breese Scheinanlagen errichtet worden waren, um die alliierten Bomber dorthin zu locken. „Bei der Munitionssuche am Rehwischdeich hat uns ein älterer Herr berichtet, dass seit vielen Jahren ein Fass herumliegt, das bei Regen anfängt zu qualmen“, erzählt Gerd Fleischhauer. Bei näherem Hinsehen erwies sich der Fund als Rollreifenfass mit Nebelmittel.

Radius von 1000 Metern müsste evakuiert werden

Anomalien in der Erde unter der Deichtrasse, also Abweichungen im magnetischen Feld der Erde müssen bei Verdacht untersucht werden.

1000 Meter im Umkreis sind zu räumen und bis zur Entwarnung nicht zu betreten. Die Feuerwerker versuchen, die Bombe zu entschärfen, oder im ungünstigeren Fall zu sprengen.

„Wenn sich der Verdacht erhärtet, dass wir es mit Fliegerbomben zu tun haben, müssen wir dem nachgehen“, erklärt Gerd Fleischhauer. Das bedeutet, die verdächtigen Stelen mit dem Bagger bis kurz vor der Anomalie auszuheben, und die Wände der Grube mit Verbauplatten zu sichern. Hinzu kommt eine Wasserhaltung, um die Fundstelle von Grundwasser zu befreien. Vor allem würde es bedeuten, einen Radius von tausend Meter um die Fundstelle zu sperren und zu evakuieren. So geschehen letztmals in Wittenberge 2014, als die Bombe am Rehwischdeich entschärft wurde.

Wenn Klarheit herrscht, wird Bevölkerung informiert

„Wir müssen die Ergebnisse der Auswertung abwarten, aber wir richten uns darauf ein, zu Beginn der Osterferien zu evakuieren“, sagt Gerald Neu, Ordnungsamtsleiter des Amtes Bad Wilsnack/Weisen. Über Details soll der Bauausschuss der Gemeinde beraten. Sobald das Verfahren klar ist, werde die Bevölkerung informiert.

Bis dahin suchen Räumstellenleiter Kai Lehmann und sein Team das Gelände weiter ab. Rund 9000 Löcher sind zu bohren. Bis in sechs Meter Tiefe dringt der Erdbohrer vor, Leerrohre werden eingeführt, in denen wiederum die Messsonde bis auf den Grund bewegt wird. Feuerwerker Henry Konstantin zeichnet die Ergebnisse auf, um sie später Gerd Fleischhauer zur Verfügung zu stellen. Wenn die Bohrung sondiert ist, ziehen die Bohrhelfer Daniel Pantke und Dennis Pich die Leerrohre mit erheblicher Kraftanstrengung aus dem schlammigen Boden. Zehn Mann arbeiten seit einiger Zeit an der Räumstelle, drei Erdbohrer löchern den sandigen Boden in 1,80 Meter Abstand.

Was und wie viele Anomalien sie finden ist ebenso unklar, wie die Zahl möglicher scharfer Funde. „Auf dem Sportplatz Breese hatten wir neun Anomalien, da war nichts dabei“, sagt Gerd Fleischhauer. Aber wer weiß schon, was tief unter der Erde schlummert-

Von Andreas König

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