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Brandopfer nachhaltig traumatisiert

Wittenberge Brandopfer nachhaltig traumatisiert

Elf Mal brannte es s zwischen April und Juni 2017 in Häusern in der Innenstadt von Wittenberge. Dafür muss sich eine 39-Jährige vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Die Bewohner, die von den nächtlichen Bränden betroffen waren, leiden teilweise bis jetzt unter den Folgen des Erlebten. So kann eine Frau nur dann schlafen, wenn ihr Hund neben ihr liegt

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Quelle: dpa

Neuruppin. Mehrere Male schlug der Hund in dieser Sonntagnacht im April an. Dadurch wurde die 24-Jährige wach. Sie nahm einen „komischen Geruch“ wahr. „Ich habe das Fenster geöffnet und gesehen, dass es bei uns im Hausflur brennt.“ Sie hat dann die Feuerwehr angerufen, die bereits von einem anderen Hausbewohner alarmiert worden war.

Serienbrände in der Innenstadt von Wittenberge

Immer wieder brannte es zwischen April und Juni 2017 in der Innenstadt von Wittenberge. Verantwortlich dafür soll aus Sicht der Staatsanwaltschaft die 39-jährige Sylvia S. sein. Sie wurde am 14. Juni in der Bürgerstraße auf frischer Tat erwischt. Das Feuer, so hatte sie am ersten Verhandlungstag erklärt, sei durch „ein dummes Versehen“ entstanden, ausgelöst durch eine glimmende Zigarette. Die anderen Brandstiftungen streitet die derzeit in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte ab.

Schlafen nur noch mit dem Hund im Schlafzimmer

Die Brände haben bei einigen der gestern gehörten Zeugen psychische Folgen hinterlassen. So leidet die 24-Jährige noch heute unter dem, was ihr im April in ihrer Dachgeschosswohnung in der Bäckerstraße widerfuhr. Als sie die Wohnungstür öffnete, war der Hausflur bereits völlig verqualmt. „Ich wäre alleine mit meinem Hund nicht mehr rausgekommen.“ Wie ein anderer Hausbewohner sagte, brannte eine Papiertonne direkt hinter der Haustür, die damals für jeden offen stand, weil sie kein Schloss hatte. Fünf Mietparteien lebten zu der Zeit dort. Die 24-Jährige wartete dann in ihrer Wohnung auf die Feuerwehr, die sie aus dem Haus holte. Ihr Nachbar wurde durch das Dachfenster gerettet. Sie selbst ist später mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht worden und war insgesamt zwei Wochen krank geschrieben.

Psychische Folgen wiegen schwer

Den materiellen Schaden hat sie verkraftet, den hat die Versicherung ersetzt. Schlimmer sind die psychischen Folgen. Sie ist aus der Wohnung vor Ende der Kündigungsfrist ausgezogen. Offene Feuer machen ihr immer noch Angst. Das Angebot des neuen Vermieters, ihr einen Kamin in die neue Wohnung einzubauen, hat sie sofort abgelehnt. Die Schlafstörungen haben sich, so sagte sie, mittlerweile gegeben. Doch richtig ruhig schlafen kann sie nur, wenn ihr Hund neben ihr liegt.

Gleich drei Brände wahrgenommen

Auch eine 44-jährige Frau kann nicht vergessen, was ihr am 14. Mai nachts passiert ist. Wie sie vor Gericht schilderte, hörte sie einen Knall, den sie für ein Feuerwerk hielt. „Das war nichts Beunruhigendes, deshalb bin ich liegen geblieben.“ Doch es knisterte und knackte weiter: Geräusche, die sie nicht zuordnen konnte. Als sie ihre Schlafzimmertür öffnete, sah sie Feuer. Ein Giebelfenster zerbarst. Vor der Hoftür brannte eine Mülltüte mit Damenbekleidung. Sie und ihre Eltern konnten das Feuer selbst löschen. Den Gesamtschaden von 4500 Euro hat die Versicherung bezahlt. Sie war eine Woche krank geschrieben, zu sehr hatte sie das Erlebte mitgenommen.

Doch mit dem Feuer am eigenen Haus nicht genug, musste sie noch zwei weitere Brände in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft miterleben. Zwei Nächte später brannte es an der Friedrichstraße/Ecke Bäckerstraße. Vom Fenster aus sah sie die Feuerwehr ankommen. Sie sei dann runter gelaufen. Vor der Polizei hatte sie ausgesagt, sie hätte es zwei Mal knallen gehört. Daran konnte sie sich vor Gericht nicht mehr erinnern.

Hausbesitzer und seine Mieter waren nicht zu Hause

Nicht lange danach brannte es dann bei ihrem Nachbarn. Dessen Rauchmelder ging an. Sie rief daraufhin die Feuerwehr. „Geistesgegenwärtig“, wie die Richterin meinte. Die Feuerwehrleute zeigten sich am Telefon, so wie die Zeugin es schilderte, sehr erstaunt, dass sie schon wieder zu einem Einsatz in die Straße gerufen wurden, in der sie erst kurz vorher gelöscht hatten.

Der Hausbesitzer hatte davon nichts mitbekommen. Er und seine Mieter waren in der Nacht nicht zu Hause. Er konnte nur etwas zu den Schäden sagen. Demnach war die Haustür unten abgebrannt, die Auslegware im Flur zerstört. Und alle Türen und Zargen waren kaputt, weil die Feuerwehr die Türen aufbrechen musste, sagte der 77-jährige Rentner. Den Schaden in Höhe von rund 3000 Euro hat ihm die Versicherung ersetzt.

Am Dienstag wird weiter verhandelt.

Von Dagmar Simons

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