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Prignitz Brandserie sei „versuchter Mord“
Lokales Prignitz Brandserie sei „versuchter Mord“
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02:15 03.06.2017
Die Bewohner des Hauses Bahnstraße 54 und der benachbarten Eingänge mussten mit der Drehleiter in Sicherheit gebracht werden. Der Verdacht, dass sich Blausäure gebildet haben könnte, bestätigte sich nicht. Quelle: Feuerwehr
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Wittenberge

Erneut wurde in einem Plattenbau in der Wittenberger Bahnstraße Feuer gelegt. 47 Menschen mussten in der Nacht zu Mittwoch in Sicherheit gebracht werden. Das Feuer war im Keller ausgebrochen und hatte dort mehrere Versorgungsleitungen beschädigt. Die Verbrennungsgase von brennendem Kunststoff breiteten sich mit hoher Geschwindigkeit in dem fünfgeschossigen Block und den benachbarten Aufgängen aus. „Eine Person wurde mit Verdacht einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht“, sagt Dörte Röhrs, von der Polizeidirektion Neuruppin.

Techniker erneuern die vom Brand beschädigten Versorgungsleitungen. Quelle: Andreas König

Die Polizei geht davon aus, dass es sich erneut um Brandstiftung gehandelt hat. „Es ist unseren Erkenntnissen nach der 22. Brand seit Januar dieses Jahres“, sagte Dörte Röhrs. Die Höhe des Schadens wird auf rund 50 000 Euro geschätzt. Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe eingesetzt, um die Brandserie so schnell wie möglich aufzuklären. „Einzelheiten geben wir aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt“, fügte Dörte Röhrs hinzu.

Mobiler Behandlungsplatz aufgebaut

Da sich der Rauch vom Keller aus nach oben ausbreitete und damit den Bewohnern der Fluchtweg über das Treppenhaus verschlossen war, mussten sie größtenteils von Feuerwehrleuten mit Hilfe der Drehleiter aus dem Haus gebracht werden. „Erstmals wurde bei diesem Einsatz ein mobiler Behandlungsplatz aufgebaut“, sagte Norman Rauth, bei der Wittenberger Wehr für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die schnelle Einsatzgruppe des DRK Prignitz versorgte die Bewohner des Wohnhauses in Zelten.

„Eile war geboten“, sagte Norman Rauth. „Bei so starker Rauchentwicklung haben Menschen ohne Atemschutz statistisch ungefähr noch zwei Minuten Zeit, dann ist ein Atmen nicht mehr möglich.“

Diehn: „Versuchter Mord“

Die Zahl der in Lebensgefahr gebrachten Personen hat sich seit Beginn der Brandserie nahezu kontinuierlich erhöht. Mussten beim Brand in der Bäckerstraße im April elf Personen gerettet werden, waren es beim Brand am Montag in der Bahnstraße 28 Personen und jetzt 47 Menschen. „Alles in allem waren bisher von diesen Brandstiftungen fast einhundert Personen betroffen“, sagt Norman Rauth.

Konnte nach dem Feuerwehreinsatz wieder in ihre Wohnung zurückkehren: Familie Parwin. Quelle: Andreas König

Deutliche Worte findet Torsten Diehn, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Wittenberge, zu der die beiden von den Bränden betroffenen Häuser gehören. „In meinen Augen ist das versuchter Mord. Wer so etwas tut, nimmt mindestens billigend in Kauf, dass Menschen verletzt werden oder gar ihr Leben verlieren“, sagt der WGW-Chef.„Es ist dem Einsatz der Feuerwehrleute und Rettungskräfte zu verdanken, das bisher keine Menschen ernsthaft zu Schaden kamen, Aber wenn das so weitergeht, kann sich das schnell ändern.“

Bürgermeister: Bürger sollen Ruhe bewahren

Dennoch lehnen sowohl der WGW-Chef als auch Bürgermeister Oliver Hermann die Bildung von Bürgerwehren ab. Bestrebungen dieser Art wurde in sozialen Netzwerken veröffentlicht. „Zunächst möchte ich sagen, dass die Stadt alles tun wird, um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren zu gewährleisten“, sagte der Bürgermeister. „Die freiwilligen Helfer sind wegen der Einsätze bereits an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen.“ Ausdrücklich dankt Oliver Hermann den Feuerwehrleuten und anderen Einsatzkräften für ihr „professionelles Handeln“. Schließlich bittet er die Bürger darum, einerseits Ruhe zu bewahren und andererseits wachsam zu sein, um weitere Brandstiftungen zu verhindern. „Wir setzen aber auf die Arbeit der zuständigen Behörden“, sagte das Stadtoberhaupt. „Bürgerwehren können nicht der Weg sein.“

Ähnlich sieht es die Polizeisprecherin Dörte Röhrs. „Wir pflegen Sicherheitspartnerschaften mit verschiedenen Institutionen, aber solchen Bürgerwehren wohnt immer die Gefahr der Selbstjustiz inne.“

Von Andreas König

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