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Brüder schrauben an DDR-Zweirad-Schätzen

Pritzwalk Brüder schrauben an DDR-Zweirad-Schätzen

Freunde von DDR-Zweirädern der Marken Simson und MZ haben jetzt eine Anlaufstelle in Pritzwalk. Die Brüder Thomas und Torsten Kirschner haben ihr Hobby zum „Neben-Beruf“ gemacht und verarzten Oldtimerschätze in ihrer Zweiradklinik (Torsten) oder MZ-Kultgarage (Thomas). Der Spaß am Hobby steht im Vordergrund, ihre Brötchen verdienen sie woanders.

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Die SR-Freunde Sarnow kamen mit ihren Mopeds zur Eröffnung der Zweiradklinik und der MZ-Kultgarage von Torsten (vorn links) und Thomas Kirschner.
 

Quelle: Andreas König

Pritzwalk.  Die DDR mag untergegangen sein, aber die fahrbaren Untersätze aus ihrer Produktion leben weiter. Dafür sorgen nicht zuletzt Torsten und Thomas Kirschner aus Pritzwalk. Die beiden Brüder befassen sich seit langem mit der Aufarbeitung von Zweirädern der Marken Simson und MZ (Motorradwerk Zschopau). Ihre Liebe zu den inzwischen sämtlich zu den Oldtimern zählenden Fahrzeugen entdeckten sie in frühester Jugend. Nach der Wende frönten sie der Leidenschaft zunächst privat, ehe sie vor mehr als zehn Jahren bei den SR-Freunden Sarnow mitmischten. Das SR steht für „Simson Roller“ und macht damit deutlich, auf welcher Art Gefährte die Freunde am liebsten unterwegs sind.

Brüder unterziehen Zweiräder einer Aufarbeitung

„Ich habe meine Zweiradklinik ja schon länger“, sagt Torsten Kirsch, der ältere der schraubbegeisterten Brüder. Jetzt wollte auch Thomas das gemeinsame Hobby auf eine breitere Basis stellen. Gemeinsam haben sie Räume in einer Baracke auf dem Gelände der Firma Falas an der Wittstocker Chaussee gemietet. Dorthin können Besitzer von Zweirädern aus der Moped und Mokick-Schmiede Simson ihre Schätze bringen oder aber Halter von Motorrädern der Marke MZ. Das, was die Brüder Kirschner mit den Oldtimer-Zweirädern machen, nennen sie „Aufarbeitung. „Wir ersetzen defekte Bauteile wenn nötig gegen neuwertige oder arbeiten sie auf“, sagt Torsten Kirschner.

Zwei Zielgruppen interessieren sich für Schwalbe, MZ und Co.

Obwohl die Fahrzeuge seit mehr als 25 Jahren nicht mehr gebaut werden, sei das Interesse daran ungebrochen, ja es steige sogar von Jahr zu Jahr. „Es gibt im Grunde zwei klare Zielgruppen“, erklärt Thomas Kirschner. „Die erste sind die Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren. Die wollen einfach fahren, und das mit zuverlässiger Technik und mit einer Geschwindigkeit, mit der man auch vorankommt.“ Beides bieten nahezu alle Modelle aus dem Hause Simson. Wegen einer Ausnahmegenehmigung dürfen die DDR-Mopeds 60 Kilometer pro Stunde schnell fahren, wohingegen bei den Konkurrenzmodellen aus dem Westen bei 45 Kilometern pro Stunde Schluss ist.

Wartungsaufwand hat sich erhöht

Die zweite Zielgruppe sind Enthusiasten, die bereits in der Jugend auf der Sitzbank eines Fahrzeugs der Vogelserie (Habicht, Sperber und vor allem Schwalbe) saßen oder auf einem S 50 oder S 51 fuhren. Zu letzteren zählen auch die beiden Brüder. „Auf einer Schwalbe zu fahren ist einfach ein geiles Gefühl“, sagt Thomas Kirschner. Allerdings verlangen die Schätze heute nach weitaus größerer Aufmerksamkeit als früher. „Unter anderem der Biospritanteil im Kraftstoff sorgt dafür, dass die Teile des Motors und Vergaser schneller verschleißen. „Generell lässt sich sagen, dass man als Besitzer eines solchen Oldtimer-Fahrzeugs mehr Zeit und Geld in Wartung und Pflege investieren muss“, sagt Torsten Kirschner.

Aus alt mach (fast) neu

Doch Aufarbeitung heißt für die beiden nicht nur den Zahn der Zeit zu bekämpfen, sondern auch fahrtüchtige Zweiräder aus Ersatzteilen zusammenzubauen. Was sie dafür benötigen, holen sie sich auf Teilemärkten oder Oldtimertreffen, sie arbeiten jedoch auch mit Unternehmern in der näheren und weiteren Umgebung zusammen. „Der Trend geht zum Beispiel dahin, die Originalschrauben galvanisieren zu lassen, statt nachgebaute Teile zu verwenden“, sagt Thomas Kirschner.

Schrauben bleibt ihr Hobby

Mit der Eröffnung ihrer beiden Betriebe unter einem Dach sind sie übrigens zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Sowohl Torsten als auch Thomas Kirschner haben auf dem Gelände den Grundstein für ihr Hobby gelegt. Sie erlernten den Beruf des Schlossers (Thomas) und des Kfz-Elektrikers und Landmaschinenschlossers (Torsten) im Kreisbetrieb für Landtechnik. Trotz der Neugründung soll das Schrauben ein Hobby bleiben. Ihren Lebensunterhalt verdienen beide anderswo. Thomas als Schlosser in Heiligengrabe, Torsten als Handelsreisender für Knöpfe.

Von Andreas König

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