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Brügger feiern 150 Jahre Persiuskirche

Gotteshaus vor dem Verfall gerettet Brügger feiern 150 Jahre Persiuskirche

Wer die Persiuskirche in Brügge zuletzt von zehn Jahren besucht hat, wird sie heute kaum wiedererkennen. Das einst vom Verfall bedrohte Gebäude ist renoviert und hat ein neues Dach. Erbaut wurde die Kirche vor 150 Jahren vom später berühmten Architekten Reinhold Persius. Es war sein erstes Werk.

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2010 feierten die Brügger die erste Hubertusmesse nach Jahrzehnten in der Persiuskirche. Die schadhaften Stellen im Gemäuer sind längst ausgebessert.

Quelle: Beate Vogel

Brügge. Vor 150 Jahren baute der Potsdamer Architekt Reinhold Persius die Kirche in Brügge (Amt Meyenburg). Es war das erste Werk des späteren Hofarchitekten Seiner Majestät. Das wollen nicht nur die Brügger, die Mitglieder des Fördervereins und die Gemeinde Halenbeck-Rohlsdorf groß feiern. Der Festakt am 11. September wird zugleich die landesweite Zentralveranstaltung zum Tag des offenen Denkmals sein, erzählt Georg Zander. Er ist der Vorsitzende des Fördervereins Persiuskirche Brügge, der sich vor vier Jahren gründete.

Was als lockere Initiative begann, ist eine Erfolgsgeschichte, die kein Ende zu nehmen scheint. Wer 2006 einen Schritt in die Feldsteinkirche in Brügge wagte, fand sich in einem völlig maroden Gebäude wieder, das auf dem Weg zur Ruine war. Ringsum wucherten Büsche und Bäume, die Fenster waren kaputt und ließen jede Witterung hinein. Von den Wänden lösten sich dicke Putzbrocken, die sich auf den von Taubenkot und Staub völlig verdreckten und wurmstichigen Kirchenbänken sammelten.

Kirche wurde bis 1945 genutzt

Reinhold Persius entwarf das Gotteshaus 1864. In den zwei Jahren darauf entstand der neogotische Feldsteinbau in der Ortsmitte des Rundlings, den ein schlanker, hoch aufragender Westturm ziert. Die Ausführung übernahm Maurermeister Kohlmetz aus Pritzwalk. Bis 1945 wurde der Bau genutzt. In den 1950er Jahren flohen viele Bauern aus dem Dorf in den Westen. Ab dann verwaiste die Kirche mehr oder weniger – und verfiel.

Erst nach der Wende, als der ehemalige Brügger Hans-Jürgen Meumann zurückkehrte, startete eine neue Initiative zum Erhalt der Kirche. Meumann setzte sich mit anderen Dorfbewohnern für Fördergelder ein, sodass 1997 der kaputte Turm saniert werden konnte. Da Meumann sich aus gesundheitlichen Gründen zurückzog, hörten die Aktivitäten aber bald auf.

Was Reinhold Persius baute

Ernst August Ludwig Reinhold Persius wurde am 27. August 1835 in Potsdam als viertes von sechs Kindern des preußischen Architekten Ludwig Persius geboren. Von 1854 bis 1856 studierte er an der Berliner Bauakademie. Zugleich besuchte er die Königlich Preussische Akademie der Künste. Von 1860 bis 1864 absolvierte er ein zweites Studium an der Bauakademie, das er mit dem Titel Baumeister abschloss.

Zwischen 1856 und 1860 arbeitete Reinhold Persius als Bauleiter für Friedrich August Stüler und Johann Wilhelm Lüdicke. 1867 wurde Persius zum Hofbaumeister in Potsdam ernannt. Er arbeitete als Leiter der Schlossbaukommission und lehrte an der Berliner Bauakademie. 1881 erhielt er den Titel „Hofarchitekt Seiner Majestät des Kaisers“. 1901 trat er aus gesundheitlichen Gründen von all seinen Ämtern zurück. 1912 starb er in Berlin.

Das erste Werk des Architekten war die Dorfkirche in Brügge, die zwischen 1864 und 1866 errichtet wurde. Wenig später baute Persius das Landratsamt in Kyritz. In Potsdam zählen Villen, das Küsterhaus an der Friedenskirche, die Kapelle in Klein Glienicke zu seinen Werken. In Berlin baute Persius etwa an der Ruhmeshalle am Zeughaus, am Palais Prinz Leopold sowie am Schauspielhaus am Gendarmenmarkt.

Erst 2006 entdeckten die Brügger ihre Kirche wieder für sich. Initiator war Kurt Zander, der Vater des Vereinsvorsitzenden. Sie rodeten das Umfeld, machten eine Bestandsaufnahme. Das Ergebnis war erschütternd: Das Schieferdach war löchrig, die Gesimse durchfeuchtet. Teilweise hatte die über Jahrzehnte eindringende Feuchtigkeit das Mauerwerk geschädigt. Die historisch wertvolle Heerwagen-Orgel war fast zerfallen. Aber die Brügger – egal, ob sie der Kirchengemeinde angehörten oder nicht – ließen nicht locker.

Heute ist die Persiuskirche nicht wiederzuerkennen: Dach und Mauerwerk wurden erneuert, Fenster eingesetzt, die frisch verputzten weißen Wände im Inneren zieren grüne Rahmen, die sich an der originalen Ausstattung orientieren. In den vergangenen fünf Jahren flossen Hunderttausende Euro Fördermittel von verschiedenen Geldgebern.

 Die Brügger  Persiuskirche steht seit 150 Jahren

Die Brügger Persiuskirche steht seit 150 Jahren. Das Feldsteingebäude hat jetzt ein neues Dach und neue Fenster, der Innenraum ist verputzt.

Quelle: Beate Vogel

Das nächste Projekt ist der Innenausbau: Bestuhlung, Beleuchtungskonzept, Altar und Taufbecken sowie Empore sollen in Angriff genommen werden. „Und nicht zuletzt eine Teeküche und ein WC“, so Zander. Das sei wichtig, gerade bei Veranstaltungen. 180 000 Euro sind veranschlagt, die hoffentlich über ILE-Leader kommen. Ein weiterer Antrag ging erst am Montag in die Post: „Für ein Bundesprogramm zur Sanierung von Orgeln“, so Zander.

Eine emotionale Bindung zur Kirche aufgebaut

Die Kirche wird heute als Veranstaltungsort genutzt. Der Förderverein organisiert mehrmals im Jahr Konzerte und Ausstellungen, die Hubertusmesse im Herbst lockt meist mehrere 100 Zuhörer an. „Das ist der Vorteil des flexiblen Raumkonzeptes“, so Zander. „Dieses Jahr haben wir am 20. Mai mit dem Kirchenkino begonnen“, erzählt der Vereinsvorsitzende. Am 22. Mai lauschten gut 150 Besucher dem Konzert im Rahmen von „Musikschulen öffnen Kirchen“. Die nächste Veranstaltung ist für Freitag, 17. Juni, geplant: Ab 19 Uhr wird „Mr. Perkins“ einen irischen Abend gestalten. Der Eintritt ist frei, für das leibliche Wohl sorgen die Brügger.

Das Haus ist zentraler Treffpunkt im Ort. Veranstaltungen sind immer Gelegenheit für einen Plausch. Die Brügger hoffen, dass die Kirche bald in den Gottesdienstplan des Pfarrsprengels Meyenburg aufgenommen wird. „Es gibt so viel Engagement, die Bürger identifizieren sich mit der Persiuskirche, haben eine emotionale Bindung aufgebaut“, sagt Zander. Da werden zum Beispiel für den Kuchenbasar Torten gebacken, deren Glasur die Persiuskirche zeigt. Auch aus den Nachbarorten und von weiter her kommen die Menschen. Darauf setzt der Förderverein auch für das Festwochenende im September. Dazu werden hochrangige Gäste erwartet, unter anderem Kulturministerin Martina Münch.

Wissenswertes rund um die Kirche und den Förderverein gibt es unter www.persiuskirche-bruegge.com.

Von Beate Vogel

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