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Prignitz Bürger sollen Kirchenziegel kaufen können
Lokales Prignitz Bürger sollen Kirchenziegel kaufen können
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02:15 09.03.2017
Bauingenieur Ingo Dreger zeigt die Schäden im Gemäuer der Sankt-Nikolai-Kirche Pritzwalk. Quelle: Andreas König
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Pritzwalk

Ein etwas dumpfer Geruch schlägt dem Besucher der Pritz­walker Kirche entgegen, sobald er das Kirchenschiff betritt. Kann sein, dass es am „echten Hausschwamm“ liegt, der das Gemäuer befallen hat, kann sein, dass es in alten Gebäuden nun einmal so riecht. Mit dem Beginn der Sanierungsarbeiten zieht in jedem Fall frischer Wind ein in die evangelische Kirche Sankt Nikolai.

Am Montag begann eine Potsdamer Firma damit, das Gebäude im Bereich des Chores von außen einzurüsten. „Wir müssen bis zur Traufe in rund 16 Metern Höhe kommen, um den Wände zu sichern“, erklärt Ingo Dreger. Der Bauingenieur aus Kleinmachnow betreut die Sanierung der Kirche, deren erster Bauabschnitt offiziell am 20. März beginnen soll. Bis dahin soll die Rüstung gestellt und die Vorbereitung abgeschlossen sein.

Ziegel werden acht Stunden lang behandelt

„Wir müssen einerseits das Verkippen der Mauer im Chorbereich aufhalten und andererseits den Schwamm bekämpfen“, sagt Ingo Dreger. Letzteres geschieht mit der Kraft des Dampfes. „Es ist vorgesehen, das Mauerwerk aufzunehmen, die Steine zur Erde herunter zu lassen und dort mit Dampf zu behandeln, um die Pilze zu vernichten“, sagt Dreger. Die Alternative wäre gewesen, die befallenen Steine gegen neue auszutauschen. „Von den Kosten her kommt das aufs Gleiche hinaus, also haben wir uns dazu entschlossen, die historische Bausubstanz aufzuarbeiten und wieder zu verwenden“, erklärt der Bauingenieur.

Die Ziegel, die aus der Zeit des Wiederaufbaus der Kirche nach dem großen Stadtbrand von 1821 stammen, werden in einem Zelt acht Stunden lang einer Temperatur von 55 Grad Celsius ausgesetzt. Das tötet jeden Pilzbefall ab. Bevor die Steine wieder eingebaut werden, sollen möglichst viele von ihnen symbolisch den Besitzer wechseln. „Es ist vorgesehen, sie an spendenwillige Pritzwalker oder andere interessierte Bürger zu verkaufen“, erläutert Dreger. Die Namen der Käufer und Unterstützer sollen dann auf einer Tafel verewigt werden. „In Wittstock wurde das ähnlich praktiziert.“

Titan-Zink-Blech zwischen Alt und Neu

Zwar ist der erste Bauabschnitt finanziell gesichert – 502 000 Euro stehen bereit – doch wird für die folgenden Abschnitte weiter Geld benötigt. Neben den Arbeiten am Mauerwerk muss auch der Dachstuhl erneuert werden. Zudem erhält die Kirche in zum Chor gelegenen Teil eine neue Dachhaut. „Das ist nötig, weil bei der Sanierung 1993 die Ziegel so vermörtelt wurden, dass sie sich nicht ohne Zerstörung entfernen lassen“, sagt Dreger. Die Grenze zwischen der alten und der neuen Dachhaut soll mit einem Titan-Zink-Blech gezogen und sichtbar gemacht werden.

Von Andreas König

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