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Busanbindung gefordert

Vehlin Busanbindung gefordert

Auch zwei Monate nach Übernahme des Busverkehrsbetriebs in der Prignitz durch das Unternehmen „Prignitzbus“ mit gleichzeitigem Fahrplanwechsel nimmt die Kritik wegen der einhergegangenen Verschlechterungen nicht ab. In Vehlin gibt es wie in so vielen anderen Orten mit weniger als 150 Einwohnern nicht mal mehr einen Rufbus.

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Annemarie Hirsch und Norbert Ebel an der Bushaltestelle in Vehlin.

Quelle: Matthias Anke

Vehlin. Annemarie Hirsch versteht die Welt nicht mehr. Als die 75-jährige Vehlinerin kürzlich zum Arzt nach Kyritz wollte, fand sie ihre Busverbindung nicht mehr. „Es würde ja schon reichen, wenn wenigstens einmal in der Woche ein Bus fährt, damit sich was erledigen lässt in der Stadt. Das geht doch aber nicht, dass uns der Bus ganz weggenommen wird.“ Doch, es geht, und zwar seit dem zum 1. August erfolgten Betreiberwechsel samt neuem Fahrplan. Welche Veränderungen damit einhergingen, merken viele erst, wenn sie den Bus brauchen, auch jetzt noch, zwei Monate später. Im gesamten Gumtower Gemeindegebiet sind viele sauer wegen Verschlechterungen – von Vehlow, wo der Bus zwischen Pritzwalk und Kyritz plötzlich einen Bogen um das Dorf macht, bis hinüber nach Vehlin eben. Wie die Groß Pankower Nachbarn sammelten zuletzt aber auch die Gumtower Unterschriften, um Nachbesserungen vom Betreiber Prignitzbus und dem Landkreis einzufordern.

Das Beispiel Vehlin zeigt dabei Extreme auf, mitunter auch Kuriositäten, wie Norbert Ebel herausfand. Selbst Vehliner, ist er zugleich Vorsitzender des Gumtower Seniorenbeirats und hat sämtliche Haltepunkte und Umsteigemöglichkeiten recherchiert, aufgearbeitet und seinen Leuten zur Verfügung gestellt. „Das Dilemma beginnt ja schon damit, dass alles auf Umsteigerei fußt und auf der neuen Tafel an der Haltestelle zwar steht, wohin ein Bus fährt, aber nicht, wie es von dort jeweils weitergeht. Ohne Internet ist man aufgeschmissen.“

Der Schulbus fährt um 6.21 Uhr ab

Sind also keine Ferien, gibt es wenigstens den Schulbus in Vehlin zur Grundschule Demerthin. Er fährt 6.21 Uhr ab. Weil er unterwegs alle anderen Dörfer „abklappert“, dauert die Fahrt eine dreiviertel Stunde. Weiter mit dem Anschlussbus, erreicht man nach etwas über einer Stunde dann Kyritz. „Diesen Zirkus mache ich nicht mit. Und was soll ich schon 7.32 Uhr dort, wenn ich erst 14.02 Uhr wieder wegkomme?“, fragt Annemarie Hirsch.

Ihr Nachbar habe sich unterdessen eine eigene Strecke gesucht: Er fährt mit dem Fahrrad zum Bahnhof Glöwen und von dort mit dem Zug bis Neustadt, steigt dort um und kommt auch auf diesem Weg nach Kyritz. Seine entscheidende Hilfe ist das Fahrrad. Denn mit dem Bus kommt man dank eines Schülerbusses zwar auch noch bis nach Glöwen. Der Zug aber ist dort dann in beide Richtungen nicht mehr erreichbar. Bedeutet: eine Stunde Wartezeit auf den Zug nach Berlin oder auch in Richtung Wittenberge und weiter bis Perleberg. Wer allerdings mit dem Bus in diese Kreisstadt will oder gar muss, kann nur einen Weg über Pritzwalk wählen. Norbert Ebel ist auf eine Fahrtzeit von vier Stunden gekommen.

Reisezeit: eine Stunde, 45 Minuten

Unschlagbar aber ist der Weg von Vehlin ins fast benachbarte Gumtow, wo eine Arztpraxis und die Gemeindeverwaltung Anlaufpunkte vieler Bürger sind: „Es gibt Haltestellen, an denen entweder nur Ein- oder Ausstiege vorgesehen sind. Der Fahrer wird sich im Zweifelsfall vielleicht nicht querstellen. Doch ich dürfte aus dem Schulbus, der nach Demerthin fährt, in Gumtow nicht aussteigen.“ Folglich geht es erst nach Demerthin und mit einem anderen Bus eine dreiviertel Stunde später zurück nach Gumtow. Reisezeit: eine Stunde, 45 Minuten. Wobei aus Sicht der Spielhagener die Vehliner noch auf hohem Niveau klagen: Die kleine Siedlung fährt mangels Schulbusskind gar kein Bus mehr an.

Das viel gepriesene Rufbus-System hilft den Menschen in dieser Region zudem auch nicht weiter. Rufbusse sind nur noch auf bestimmten Strecken unterwegs, und alle Dörfer mit weniger als 150 Einwohner wurden dabei außen vor gelassen. „Das ist ganz klar eine politische Entscheidung gewesen“, sagt Karin Jansen, die in Perleberg den Standort von „Prignitzbus“ leitet und ihr Unternehmen in Schutz nimmt: Bei jedem anderen Betreiber, der die Ausschreibung gewonnen hätte, wäre die Lage wohl kaum eine andere. Karin Jansen verweist auf den Nahverkehrsplan als Grundlage allen Handels, und dieser wurde von den Kreistagsabgeordneten beschlossen, denen nun unterstellt werden könnte, manche Tragweite nicht beachtet zu haben.

Das Problem sind die Kostensteigerungen

Ursache aller Verschlechterungen seien Kostensteigerungen, wie Edelgard Schimko von der Landkreisverwaltung der MAZ unlängst erklärte. Nahverkehr sei nicht „rentierlich“, hieß es, und für den Landkreis liege die Kostengrenze bei sechs Millionen Euro im Jahr.

So lasse sich an einer Stelle zwar etwas verbessern, dafür aber sei an anderer Stelle etwas wegzunehmen, wie Karin Jansen von Prignitzbus sagt. Nach der nun ersten Anlaufzeit sei man in enger Abstimmung mit der Landkreisverwaltung derzeit dennoch dabei, einiges zu justieren. Erste Änderungen seien Ende dieses Monats, ansonsten zum Winterfahrplanwechsel zu erwarten. In vielen Fällen gehe es dabei auch um Standorte von Buswartehäuschen.

Annemarie Hirsch hat unterdessen nur einen Wunsch: „Dass wenigstens einmal in der Woche ein Bus direkt nach Kyritz fährt.“ Und für Norbert Ebel steht fest: „Da haben Kraftfahrer über Fußgänger entschieden.“ Daseinsfürsorge im Sinne aller Bürger sehe anders aus.

Von Matthias Anke

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