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Prignitz CJD Perleberg sucht Helfer für Häftlinge
Lokales Prignitz CJD Perleberg sucht Helfer für Häftlinge
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00:27 08.01.2016
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Perleberg/Neuruppin

Es sind nicht unbedingt die schweren Jungs, denen Andrea Wetzlmair und ihre Kolleginnen unter die Arme greifen. Die Projektleiterin und ihr Team unterstützen Menschen, die statt einer Geldstrafe eine Arbeitsleistung aufgebrummt bekommen oder Häftlinge, die aus dem Gefängnis entlassen werden. Seit zehn Jahren begleitet Andrea Wetzlmair straffällig gewordene Menschen auf dem Weg zurück ins Leben. Nicht immer mit Erfolg. Aber das gehört dazu, sagt Andrea Wetzlmair: „Alle Menschen sind verschieden.“ Diese Grundüberzeugung ist es wohl, die die Projektleiterin „Haftvermeidung durch soziale Integration“ beim Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) Berlin-Brandenburg antreibt. Nun suchen sie und ihre Kolleginnen ehrenamtliche Helfer, die sie in ihrer Arbeit unterstützen würden.

Von Perleberg aus betreuen die fünf Projektmitarbeiterinnen den Landgerichtsbezirk Neuruppin. Sie kümmern sich zum einen um Geldstrafenschuldner.

Andrea Wetzlmair hilft straffällig gewordenen Jugendlichen zurück ins normale Leben. Quelle: Beate Vogel

„Wir organisieren gemeinnützige Arbeit, helfen bei einem Antrag auf Ratenzahlung, halten den Kontakt zur Staatsanwaltschaft oder vermitteln eine weiterführende Beratung“, erklärt Andrea Wetzlmair. Das könnte eine Schuldnerberatung sein. „Wir gehen auch in die Familien, um uns dort die Situation anzusehen.“ Zuständig sind die Frauen von Wittenberge an der Elbe bis Schwedt an der Oder.

Zweites Feld ist die Wiedereingliederung von Menschen, die nach der Haftstrafe entlassen werden. Ab diesem Jahr will das CJD-Team damit beginnen, in der Justizvollzugsanstalt Wulkow bei Neuruppin die Klienten schon während der Haft zu beraten. „Das beginnt ein halbes Jahr vor der Entlassung“, erklärt die 47-Jährige. Erzwingen lasse sich da nichts. Aber wenn einer es will, verlässt er die Anstalt, in der ihm viel abgenommen wird, gut vorbereitet. „Wir machen die Klienten wieder fit für das Leben draußen.“ Die Betreuerinnen unterstützen die Betroffenen beim Umgang mit Geld, stärken ihr Selbstbild, erklären alltägliche Kleinigkeiten. Konto, Arbeit oder Praktikum, Wohnung – ohne diese Dinge gibt es kaum eine Chance, in der Gesellschaft zurechtzukommen. Im Laufe der Jahre hat das Team ein Netzwerk aus rund 200 Arbeitgebern aufgebaut, die bereit sind, straffällig gewordene Menschen zu beschäftigen – ob nun im Praktikum, das oft ein Einstieg ist, oder im Job.

„Unser Projekt gibt es seit 2001“ sagt Andrea Wetzlmair. Gefördert wird es vom Justizministerium aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg. Rund 800 Klienten im Jahr werden über das Team betreut, davon sind etwa 660 Geldschuldner und 140 Häftlinge. Das sind nicht nur viele Klienten, sie sind auch über den gesamten Norden Brandenburgs verteilt. „Deshalb müssen wir die Arbeit effektiver gestalten.“ Das CJD sucht ehrenamtliche Verstärkung.

Diese Freiwilligen könnten zum Beispiel zunächst Briefkontakt zu den Klienten aufnehmen. „Wir machen alles immer nur mit beiderseitigem Einverständnis“, versichert die 47-Jährige. Zu den Aufgaben können auch Begleitung im offenen Vollzug, Hilfe beim Beantragen des Ausweises oder beim Eröffnen eines Kontos sein. Die Helfer erwarten Recherche in Firmen, Begleitung zum Arbeitsamt. Wer aus der Haft kommt, ist zum Beispiel nicht krankenversichert.

Mitbringen sollten die Interessenten Verständnis für die Mitmenschen, Empathie, Verschwiegenheit und den Willen zu helfen. Andrea Wetzlmaier hofft auf einen Pool von etwa zehn Ehrenamtlichen, die zunächst eine Schulung bekommen sollen. „Darin geht es um Distanz und Nähe, Kommunikation, Umgang mit Inhaftierten und Seelsorge.“ Sachkosten wie Fahrgeld sollen ersetzt werden.

Für Andrea Wetzlmaier steht an erster Stelle, dass die Klienten nicht wieder straffällig werden. Deshalb werden die Entlassenen bis zu zwei Jahre nach Verbüßung ihrer Strafe betreut. Manche sind aber schon nach zwei Tagen weg. „Oder wir haben um ein Praktikum oder einen Arbeitsplatz gekämpft und dann taucht derjenige dort nicht auf.“ Dann sei es ganz wichtig, das nicht persönlich zu nehmen. „Ganz selten sagt mal einer: ,Danke, ohne Sie hätte ich das nicht geschafft’“, erzählt die Projektbetreuerin. Aber darum geht es auch gar nicht. „Ich arbeite hier nicht in der Kita, wo sich jeden Tag jedes Kind bedankt. Ich arbeite mit erwachsenen Menschen.“

Viele der Betroffenen sind ihrer Erfahrung nach ein die Situation hineingerutscht. „Für manche ist Körperverletzung der letzte Ausweg, einen Konflikt zu lösen. Weil sie es nie anders gelernt haben.“ Dabei will die 47-Jährige auf keinen Fall entschuldigen, was die Betroffenen getan oder nicht getan haben. „Wir wollen der Gesellschaft helfen“, sagt sie. „Da liegt unsere Verantwortung.“

Von Beate Vogel

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