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Prignitz Prignitzer „Dinner for One“ ist selbst schon Kult
Lokales Prignitz Prignitzer „Dinner for One“ ist selbst schon Kult
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00:16 02.01.2018
Alles wie in jedem Jahr bei "Christels 90. Geburtstag", dem Prignitzer "Dinner for One": Chady Seubert als Horst und Daniela Dörfel als Christel hatten in Hasenwinkel die Lacher auf ihrer Seite. Hinterher wurde Walzer getanzt, bevor dann das Öko-Böllern mit Brottüten anstand. Quelle: Bernd Atzenroth
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Hasenwinkel

„Stellt die Sorgen in die Ecke“, tönt es aus dem Rekorder. Frau Christel, die es gerade so auf ihren Stuhl an der gedeckten Tafel geschafft hat, schläft ein, beginnt zu schnarchen und fällt fast vom Stuhl, bis sie Horst mit einem lauten „Juten Abend, Fräulein Christel“ aus der Lethargie reißt. „Wie jut et wieder aussieht, das Fräulein Christel“, sagt Horst. Christel bedankt sich, freut sich über die schönen Blumen und die schon gedeckte Tafel für ihre männlichen Gäste.

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Alles wie in jedem Jahr bei "Christels 90. Geburtstag", dem Prignitzer "Dinner for One": Chady Seubert als Horst und Daniela Dörfel als Christel hatten in Hasenwinkel die Lacher auf ihrer Seite. Hinterher wurde Walzer getanzt, bevor dann das Öko-Böllern mit Brottüten anstand.

Alle sind sie wieder da, auch wenn sie schon längst verstorben sind. Wer seit sieben Jahren bei Christels 90. Geburtstag dabei ist, für den sind sie schon gute Bekannte, der Herr Lange von Hasenwinkel, Löschmeister Hans-Hermann, Herr Meyer, der Immobilienspekulant, und Herr Krüger, der Künstler, der dereinst das Fräulein Christel sogar nackt gemalt hat – wo sich das Bild befindet, weiß aber nur der Horst. Er serviert nacheinander Hochzeitssuppe, frischen Aal aus der Dömnitz, Prignitzer Gummiadler und Apfelmus. Dazu gibt es ebenso nacheinander Kräuterlikör, Weißwein und Rosenthaler Kadarka. „Oh Herr, lass diesen Kelch an mir vorübergehen“, stöhnt Horst. Doch damit hat er keinen Erfolg. Für jeden der verblichenen reunde von Fräulein Christel stößt er jetzt mit ihr an und stolpert sich hernach durch den Raum, in dem, das große Stofftier der Nachkommenschaft von Fräulein Christel herumliegt. „Du siehst von Jahr zu Jahr jünger aus – pass mal auf, dass ich Dich nächstes Jahr nicht trockenlegen muss“, so Horst nach der dritten Alkoholsorte. Mit dem Apfelmus stolpert er auf dem Flokkati vor dem Tisch und befördert das Mus samt Teppichhaaren wieder in die Schüssel, Fräulein Christel zupft später die Haare heraus. Nach dem Essen weiß man nicht, wer nun wen herausführt. Horst fragt: „Allet so wie jedes Jahr?“ Fräulein Christel antwortet: „Allet so wie jedes Jahr.“ Horst: „An mir soll’s nicht liegen“.

Also wirklich alles wie in jedem Jahr beim Prignitzer „Dinner for one“, das wie sein Vorbild mittlerweile selbst so etwas wie eine Tradition geworden ist? Während das Original naturgemäß seit Jahren komplett unverändert am Silvestertag über die Bildschirme flimmert, lebt natürlich auch der Prignitzer Ableger von der Wiederholung. Doch Chady Seubert als Butler Horst und Daniela Dörfel als Fräulein Christel entwickeln den Stoff jedes Jahr ein wenig weiter, manchmal fast unmerklich. Gerade im siebten Jahr hatten sie sich mit dem Begriff Tradition auseinandergesetzt. „Ich habe mich gefragt: Wie gehe ich damit um? Worauf kommt es an?“, erklärte Chady Seubert ihrem Publikum.

„Man muss sich immer wieder wieder neu verlieben.“

Und gibt gleich die Antwort: „Man muss sich immer wieder wieder neu verlieben.“ Und was allgemein gilt, gilt erst recht für das Publikum, denn „sonst wird alles Routine“.

Eine kleine Zugabe denken sich die beiden auch immer aus. War es im vergangenen Jahr eine Hommage an den gerade verstorbenen Manfred Krug, der quasi als fünfter Verstorbener bei Fräulein Christel am Tisch Platz nehmen dürfte, so tanzten die beiden in diesem Jahr Walzer und forderten die Gäste auf, dies auch zu tun, ein paar kamen der Aufforderung auch nach.

Tradition wie immer am Schluss: das Ballern mit Brottüten. Ein Jahr lang waren diese gesammelt worden, selbst längliche Baguette-Tüten waren diesmal dabei. Eine Neuerung hatte sich das Duo aber auch hierbei ausgedacht: Sie teilten das Publikum in drei Teile auf, die kurz einander ihre Tüten aufblasen und zum Platzen bringen sollten, Öko-Böllern in drei Gruppen sozusagen, mit den besten Wünschen für 2018. Am Ende heißt es dann bestimmt wieder „Allet so wie jedes Jahr“. An Chady Seubert und Daniela Dörfel dürfte das nicht liegen.

Von Bernd Atzenroth

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