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Prignitz Damen-Duo: Höheres Alter, weniger Zwänge
Lokales Prignitz Damen-Duo: Höheres Alter, weniger Zwänge
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00:17 02.03.2017
Ilse (l.) tröstet ihre Margarete, die in den Erinnerungsfotografien ihrer Ehe blättert Quelle: Claudia Bihler
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Hasenwinkel

Margarete hat an diesem Tag schlecht geschlafen. „Das Schweinefleisch“, klagt sie über ihren rumorenden Magen, „das Kassler. Aber man soll ja nicht immer nur über Essen reden, sondern besser auch mal fasten.“

Trotz des unbequemen Nachtschlafes hat sich Margarete Meier (Schauspielerin Daniela Dörfel), geboren 1934 (also 83 Jahre alt), bereits in Schale geworfen. Eine Margeritenblüte am grauen Dutt, Stützstrümpfe, Wollstola und die Handtasche, unerschöpflicher Quell von Erinnerungsfotografien und Postkarten. Kaum ist der Tee eingeschenkt, packt sie ihre Schätze auch schon aus. Ein paar Tränen kullern bei dem Bild mit ihrem Ehemann: „Kurtchen ist ja nicht mehr.“

Ilse, Nachname Lehmann,81 Jahre, aka Chady Seubert, nickt wissend, aber schweigsam und tröstet mit einem kleinen Lied auf der rosa Ukulele – schließlich ist ihr Ernst auch schon lange verstorben. Dabei: „Früher mal, da waren wir eine echte Clique.“ Acht Leute waren es einmal, nur die beiden hochbetagten Damen sind zurückgeblieben, auch, wenn Ilse inzwischen einen Krückstock benötigt. „Wir helfen uns viel“, sagen die beiden übereinstimmend, „mit den Stützstrümpfen zum Beispiel, aber auch sonst so.“

Ilse macht mal Pause – auf dem Markt in Perleberg. Quelle: Archiv

So wirklich wissen die beiden Greisinnen nicht mehr, in welchem Jahr sie eigentlich angefangen haben, bei allen möglichen Veranstaltungen aufzutreten. In Kyritz war es auf alle Fälle, da engagierten die Veranstalter eines Festes auf der Liebesinsel das Duo zum ersten Mal. „So ähnlich wie Waldorf und Statler“, hatten sich die Organisatoren gewünscht, sollte das Duo sein – also so ähnlich wie die beiden für ihre bissigen Kommentare berühmten Opas in der Loge der Muppet-Show.

Nach dem ersten Auftritt auf der Liebesinsel machte das Duo Ilse & Margarete flott Karriere und emanzipierte sich auch schnell von den männlichen Kollegen, nicht weniger bissig, dafür aber lokaler, regionaler. das liegt nicht zuletzt an ihren Wurzeln: Margarete hat früher einmal in der LPG im Kuhstall gearbeitet, „als Kuhflüsterin“, wie Ilse verrät. Und Ilse „kommt vom Konsum in Kyritz“ und war immer ansprechbar auch für Sonderwünsche: „Da waren so viele Regale für Ketchup oder für den Kräuter, die konnte man gar nicht alle unterm Ladentisch unterbringen.“

In Breetz haben die beiden alten Damen mit so viel Einsatz gespielt, dass Margarete sogar ins Wasser stürzte. Quelle: Kerstin Beck

Seither machen die beiden mit ihren „Walk-Acts“ Furore (frei übersetzt: Improvisationstheater inmitten des Publikums auch unter freiem Himmel) Furore, die sie dann doch lieber „Talk-Acts“ (Sprechtheater) nennen, weil: Gelaufen wird zwar auch, aber geredet wird mehr. Und zwar frei nach der Devise „Alt ist, wer den Humor verliert und sich für nichts mehr interessiert.“

Interesse haben sie freilich an allem. An antiautoritärer Erziehung, an der Angst vor dem Altwerden, an Gesundheitsfragen zu Arthritis und Gicht und an den Gegenmitteln dazu „Äpfel, die sind am besten, die soll man essen“. Vorkommnisse des Alltags etwa beim Einkaufen werden kommentiert: „Hat sich schon mal jemand Gedanken über den Begriff recyceltes Toilettenpapier gemacht?“

Die Alten haben so viel zu erzählen

Die Alltäglichkeiten haben eine ähnliche Relevanz wie die Politik. „Politisches Stricken“ hatte die MAZ das bei einem Auftritt der beiden Damen bei der Frauentagsfeier der Pritzwalker Landfrauen einmal genannt. Denn ob große Politik (Le Pen, die pennt“) oder lokale Fehlentscheidungen wie die Schließung des Gantikower Lügenmuseums – bissige Kommentare haben die beiden Frauen immer auf Lager. „Jeder kann alles sagen“, ist das Grundprinzip von Ilse und Margarete ohnehin. Hinzu kommt die Freiheit der Bühne. Margarete: „Mitunter ist das Spiel so viel echter als die Wirklichkeit.“ Dann kommt die Freiheit des Alters und die Sympathie für die Älteren – die längst nicht mehr so gestresst sein müssen, es allen Leuten mit Höflichkeit recht machen zu müssen. Ilse: „Im Alter lassen wir los von Zwängen. Und die Alten haben so viel zu sagen , sie wollen was erzählen.“

Gastspiele gaben die beiden bereits bei Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck oder auch bei Ministerpräsident Dietmar Woidke – und Brandenburgs Regenten auch mal den einen oder anderen Tipp auf den Weg. Ziehen die beiden erst richtig vom Leder, kann es auch schon mal passieren, dass das eine oder andere „offizielle Opfer“ leicht verschnupft reagiert. Dabei: Offen wollen sie sein, aber nie boshaft. „Herzlichkeit, Humor, aber auch ein bisschen Reibung gehören dazu.“ Und: „Liebe ist das Wichtigste, wenn man auf der Bühne steht.“

Ein Tag mit Ilse und Margarete

Inzwischen sind Ilse und Margarete an einem Wegpunkt ihrer Karriere angekommen. Die beiden „Botschafterinnen für Gleichstellung“ aus der Prignitz haben nicht nur Hochbetrieb bei der internationalen Frauenwoche.

Bereits heute arbeiten die beiden an einem neuen Projekt: Die Zuschauer können – im Zeitraffer – in einem 90-Minuten-Theaterstück am Tagesablauf der Seniorinnen teilnehmen, ähnlich wie bei „Big Brother“.

Vom Krimidinner bis zum Kindertheater

Daniela Dörfel (50) lebt mit ihrem Mann und einem Kind in Plattenburg. Sie ist Schauspielerin und Projektbeauftragte für soziokulturelle Entwicklung.

Chady Seubert (51) lebt in Hasenwinkel, wo sie auch eine Theaterscheune betreibt. Sie ist verheiratet und hat ein Kind. Sie arbeitet unter anderem als Dozentin und Schauspielerin, ihre Schwerpunkte sind Schauspiel, Regie, Performance und Musik.

Das Theater Vogelfrei ist das gemeinsame Theaterprojekt der beiden Mimen. Neben den Rollen von Ilse und Margarete treten die beiden in Improstücken vom Krimidinner bis Musikstück auf. Drama (etwa „Agathe sucht das Glück), Kindertheater (beispielsweise „Theater aus dem Koffer“) gehören ebenfalls zum Repertoire des Prignitzer Duos.

Von Claudia Bihler

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