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Prignitz Damit Ganoven keine Chance bei Oma haben
Lokales Prignitz Damit Ganoven keine Chance bei Oma haben
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18:29 16.09.2016
Quelle: dpa-tmn
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Wittstock

„Hallo Oma, sag mal, ich brauche dringend Deine Hilfe“, meldet sich ein junger Mann am Telefon einer älteren Dame. Er brauche für eine Autoreparatur 12 000 Euro, dringend. Als die Frau eilig das Geld besorgt hat, kündigt der vermeintliche Enkel einen Freund an, der den Betrag abholen soll. Die Ganoven kassieren das Geld und verschwinden auf Nimmerwiedersehen – ein klassischer Fall von „Enkeltrick“, der da im Lehrfilm von Polizeihauptkommissar Holger Mende am Mittwoch in Wittstock über die Leinwand flimmerte.

„Sie sollen ja weiterhin hilfsbereit bleiben, aber sie dürfen auch misstrauisch sein“, riet Mende seinen Wittstocker Zuhörern bei der Präventionsveranstaltung „Sicher im Alter“ im Wohngebietstreff Klara-Zetkin-Straße.

Wie schnell die Geldbörse wegsein sein, demonstrierte Mende praktisch. Quelle: Christian Bark

„Mich hat auch mal einer angerufen“, erinnert sich eine ältere Dame im Publikum. Dem habe sie aber gesagt, sie habe gar keinen Enkel und aufgelegt. „Erstmal kurz nachdenken“, empfahl Mende und nickte. Notfalls den Merkspruch „Eins, zwei, drei ins faule Ei“ murmeln. „Bist Du es, Peter“, solle sie dann den Betrüger fragen und ihm entgegnen: „Aus Dir mach ich gleich Hackepeter.“ Tatsächlich fehlte es an Humor seitens des Polizeibeamten während seines Vortrags nicht, auch wenn es eigentlich um ein ernstes Thema ging. Immerhin habe der Enkeltrick im vergangenen Jahr fast 150 000 Euro Schaden verursacht.

Ja keine Fremden in die Wohnung lassen

Mende warnte weiterhin vor weiteren Maschen von Trickbetrügern. Wenn sich Ganoven als Polizisten oder Handwerker ausgeben würden, solle nicht sofort die Wohnungstür geöffnet werden. „Lieber noch mal aus dem Fenster schauen oder bei der Dienststelle anrufen“, erklärte der Hauptkommissar. Selbst wenn jemand vorgebe, am Verdursten zu sein und um ein Glas Wasser bitte. „Dann rufen sie notfalls den Rettungsdienst“, sagte Mende. Damit würden Bürger ihrer Ersthelferpflicht schon nachgekommen sein. „Leib und Leben sind die am höchsten zu schützenden Güter – dann kommt schon die Wohnung“, erklärte Mende den rechtlichen Stellenwert der eigenen vier Wände.

Auch das Wittstocker Publikum hatte schon so manches krumme Ding erlebt. Quelle: Christian Bark

Vorsicht sei auch bei zwielichtigen Gewinnversprechen am Telefon oder vermeintlichen Notoperationen von Verwandten im Ausland, die nur erfolgen könnten, wenn Oma daheim sofort 5000 Euro überweist, geboten. „Sowas gibt es nicht!“, betonte Mende. Auch der Banker im Nadelstreifenanzug, der vor der Tür stehe und vermeintliches Falschgeld zurückverlangen würde, das sein Opfer gerade aus dem Bankautomaten kassiert habe, könne nur ein Betrüger sein. Im Zweifelsfall sollten Betroffene dann sagen: „Moment, da muss ich erst meinen Sohn fragen. Der ist bei der Polizei.“ Und wenn dem nicht so sei, stelle er sich gern als „Adoptivsohn“ zur Verfügung, bot Mende an.

So schnell konnte sie nicht gucken – Tasche weg

Den Rempel- oder Verschmutzungstrick demonstrierte der Polizeibeamte praktisch an einer Freiwilligen aus dem Publikum. Die Frau konnte gar nicht so schnell gucken, da riss Mende ihr schon ihre Tasche aus der Hand. Auch bei der Frage nach Kleingeld empfahl er, die Geldbörse niemals offensichtlich dem Täter entgegenzuhalten. Dass sich Ganoven nicht mit dem Vorzeigen gefälschter Polizei-Dienstausweise sondern auch mit deren Einsatz als „Türschlossknacker“ Zutritt zu Wohnungen verschaffen können, sprach Mende ebenfalls an. „Darum schließen Sie ihre Tür besser immer zweimal ab“, empfahl der Polizist. Dann könne man mit dem Plastikkärtchen wenig ausrichten.

Allerdings sind Mendes Präventionskurse nicht nur unterhaltsam, sie scheinen auch Erfolge zu bringe, wie der Polizist berichtete. Eine Frau aus Neuruppin habe beim Enkeltrick umgehend die Polizei verständigt, eben, weil sie vorher in Mendes Veranstaltung gewesen sei. Auf ein Wiedersehen mit dem Beamten können sich die Wittstocker nächsten Sonntag freuen. Dann wird er im Wohngebietstreff ab zehn Uhr eine Fahrradkodieraktion durchführen.

Von Christian Bark

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