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Das Kreuz des Nordens

Wittenberge Das Kreuz des Nordens

In einer umfangreichen Ausstellung erinnert Wittenberge an die traditionsreiche Eisenbahngeschichte der Stadt. Zur Eröffnung der Schau waren viele alte Eisenbahner in Arbeitskleidung und gar Uniform gekommen, um ihre Verbundenheit zu ihrem früheren Arbeitgeber auszudrücken. Vor 170 Jahren begann alles an diesem Kreuz des Nordens.

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Reinhard Kruse vom Freundeskreis historischer Eisenbahnuniformen Schwerin - angetan in der Uniform eines Königlich Preußischen Oberbahnhofsvorstehers – sowie Bürgermeister Oliver Hermann lassen einen imaginären Zug abfahren und eröffnen damit die Ausstellung.

Quelle: Kerstin Beck

Wittenberge. Samstag 10 Uhr ist eigentlich eine ungewöhnliche Zeit für eine Ausstellungseröffnung. Aber dennoch: Vor Gästen konnte man an diesem Vormittag im Wittenberger Stadtmuseum kaum treten, und etliche davon waren sogar in Dienstkleidung erschienen. Es waren jene, die einst auf dem Wittenberger Bahnhof ihre Arbeit verrichtet hatten, denn um ihn, der vor 170 Jahren erstmals seine Türen geöffnet hatte, ging es schließlich.

Mit dem Bau der Strecke Berlin – Hamburg wurde 1846 zunächst ein Werkstattgebäude errichtet, welches im Lauf der Zeit zum Bahnbetriebswerk erweitert wurde. Das ebenfalls in diesem Jahr nach den Plänen des Architekten Friedrich Neuhaus gebaute, den Bahnhof prägende klassizistische Bahnhofsgebäude, wurde in der Folgezeit 1889 und 1923 erweitert.

Viele kleine Schaustücke holen die Vergangenheit in die Gegenwart

Wie das Ganze sowie das 1997 geschlossene Bahnbetriebswerk noch vor der umfassenden Sanierung, bei der die „Magdeburger Seite“ ihre Gleise und der Bahnhof seinen Inselstatus verlor, ausgesehen hat, zeigt nun die Ausstellung.

Unter Leitung von Mario Sembritzki, der seit einigen Jahren eine „lockere AG ehemaliger Mitarbeiter“, die sich intern „Traditionsgemeinschaft Deutsche Reichsbahn“ nennt, um sich geschart hat, entstand nun im Laufe eines Jahres diese Schau, die in dem begrenzten Ausstellungsraum nur einige Aspekte des nach wie vor größten Arbeitgebers der Stadt zeigen kann. Dazu gehören Schautafeln mit Dienstvorschriften, einem großen Abfahrtsplan, Informationen über das große Empfangsgebäude und überhaupt ziehen sich Gleispläne über die Wände. Bücher und historische Ansichtskarten, die den Bahnhof zeigen, zwei nachgebaute Büroräume, einer davon noch mit einem Morsegerät und Mutteruhr, die sämtliche Uhren auf dem Gelände steuerte, ein noch funktionierender Fahrkartenautomat und etliche Emailleschilder mit den verschiedensten Aufschriften ergänzen die Ausstellung.

Eine Frau in einer Männerdomäne

Bürgermeister Oliver Hermann, der zunächst die wirtschaftliche Bedeutung der Bahn für Wittenberge hervorhob, dankte auch den Mitgliedern der Wittenberger Traditionsgemeinschaft für ihr Engagement: Dazu gehören Mario Sembritzki, Wilfried und Elke Klinkradt, Paul Wohlgemuth, Jürgen Drzymalski – dem letzten Bahnhofsvorsteher – sowie Wolfgang Bauch und Karsten Giesau. Gemeinsam mit Reinhard Kruse aus Stralsund, der vom Freundeskreis historischer Eisenbahnuniformen Schwerin angereist war, ließ Hermann dann einen imaginären Zug abfahren und eröffnete damit die Ausstellung.

Renate Fölsch

Renate Fölsch

Quelle:

Und dann gab es noch einen Ehrengast, eine Frau, um die sich später alles scharte. Denn sie ist eine Eisenbahnlegende: Renate Fölsch aus Schwerin. Die 76-jährige Ingenieurin, Gesellschaftswissenschaftlerin und Volkskammerabgeordnete wurde im Alter von 44 Jahren als erste und einzige Frau zum Präsidenten der Reichsbahndirektion Schwerin berufen. Eine Tätigkeit, die im DDR-Sprachgebrauch nur eine männliche Bezeichnung trug. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit war unter anderem der Neubau der Eisenbahnbrücke über die Elbe bei Wittenberge, die nach nur fünfjähriger Bauzeit 1987 fertiggestellt wurde. 1987 wurde Renate Fölsch zum Reichsbahn-Hauptdirektor befördert und nahm am Weltkongress der Frauen in Moskau teil, ein Jahr später wurde sie in einem Dokumentarfilm des Südwestfunks Baden-Baden porträtiert. Und wer ihr sehr persönlich geschriebenes 192-seitiges Buch „Einmalig bei den deutschen Eisenbahnen – Eine Frau als Präsident der Reichsbahndirektion Schwerin“ zur Eröffnung mitgenommen hatte, konnte sich von der einst überaus beliebten und äußerst sympathischen Bahnbeamtin eine Widmung holen. Dabei auch eine Kuriosität: Ausgerechnet ihre schwiegerväterlichen Vorfahren in Reckenzin hatten 1845 Land zum Bau der Strecke Wittenberge - Schwerin gegeben. Ihr Urteil über den Wittenberger Bahnhof? „Er war für die Deutsche Reichsbahn das Kreuz des Nordens im Reise- und Güterverkehr!“

Von Kerstin Beck

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