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Das Waterloo der Prignitz

Ein kleiner Ort mit spannender Geschichte Das Waterloo der Prignitz

Er war Gutsherr und preußischer Staatsminister: Otto Karl Friedrich von Voss überlebte 1815 im belgischen Waterloo das Gemetzel. Zur Erinnerung an die Schlacht gegen Napoleon benannte er sein Vorwerk in der Prignitz nach dem belgischen Original – und bekam Ärger mit dem preußischen König.

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Finanzminister bringt Millionen in die Prignitz

Das kleinste aller Waterloos befindet sich im Landkreis Prignitz. Es ist auch das einzige Waterloo in Deutschland.

Quelle: Bernd Atzenroth

Waterloo. Gemeinhin gilt Waterloo als Inbegriff einer vernichtenden Niederlage. Aus französischer Sicht stimmt das – an den Feiern zum 200. Jahrestag der Schlacht von Waterloo in Belgien vor einem Monat mochten Franzosen nicht teilnehmen, so tief scheint der Stachel dieser Niederlage noch heute zu sitzen. Auch das Schwedenpop-Wunder Abba mag vor 40 Jahren mit dem gleichnamigen Song das Ihrige dazu beigetragen haben, auch wenn die Gruppe damit letztlich einen einmaligen Siegeszug in der Musikwelt antrat. Andernorts mag der Blickwinkel auf Waterloo durchaus anders sein: Der Sieg englischer und preußischer Truppen bedeutete das Ende der napoleonischen Zeit, aber auch den Beginn der Restauration in Europa. Eine Zeitenwende also.

Über 100 Orte weltweit heißen Waterloo

Mehr als 100 Orte – und dazu einer der größten Bahnhöfe von London – wurden im Laufe der Zeit nach der Entscheidungsschlacht weltweit benannt, einer sogar in Sierra Leone. Das kleinste Waterloo befindet sich in der Prignitz. Otto Karl Friedrich von Voss (1755 bis 1823), seines Zeichens preußischer Staatsminister und Besitzer des Guts Stavenow in der Prignitz, gehörte im Juni 1815 zu den Überlebenden des Gemetzels. Das weckte in ihm den Wunsch, das etwa eineinhalb Kilometer südlich von Blüthen auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Karstädt liegende Vorwerk zu seinem Gut nach dem Ort der Schlacht zu benennen. 1817 wurde der Ort gegründet, und zwar als Folge eines preußischen Gesetzeserlasses, nach dem sich Leibeigene und Bauern von den Frondiensten bei ihren Herrschaften freikaufen konnten. Im Gegenzug hatten sie ein Drittel ihrer Ländereien an die Herrschaften abzugeben. Im Falle Stavenow waren das 926 Morgen, auf denen dann das Vorwerk Waterloo entstand.

Hier begann alles

Hier begann alles: das alte, restaurierte Gutsgebäude in Waterloo bei Blüthen in der Prignitz.

Quelle: Bernd Atzenroth

Dabei war es kein Selbstläufer, dass der Staatsminister von Voss den Namen auch durchsetzen konnte. Denn er musste ihn beim damaligen preußischen König Friedrich Wilhelm III. beantragen. Doch dieser lehnte ihn zunächst ab, sehr zum Unwillen des Grafen von Voss, der dem König daraufhin beschied: „Dann nennt er diese Ortschaft ’Wasserloch’.“ Immerhin ist das die deutsche Übersetzung von Waterloo, die dem König aber offenbar noch weniger gefiel als das Original. Und so gab der König schließlich klein bei und ließ sich umstimmen. Im Amtsblatt der preußischen Regierung wurde der Ortsname 1817 mit der Nummer 38 schließlich offiziell verkündet.

Urkundlich erwähnt ist, so weist es die Webseite der Gemeinde Karstädt aus, dass im Jahr 1846 das erste Wohnhaus entstand. Um 1900 wurde ein wenig abseits des Ortes ein neues Gutshaus mit einem Reetdach gebaut, das 1944 abbrannte. Danach bekam es eine massive Dacheindeckung. Bis zur Enteignung 1945 war es im Besitz der Familie von Bonin. Zu DDR-Zeiten diente es als Wohnung für Umsiedler, Erntekindergarten und Ferienheim. Heute wird es privat genutzt. Die anderen Gebäude, die früher zum Gut gehörten, sind jetzt Eigentum der Agrargenossenschaft Karstädt.

Ein Gedenkstein erinnert an das internationale Waterloo-Treffen im Jahr 2003

Ein Gedenkstein erinnert an das internationale Waterloo-Treffen im Jahr 2003.

Quelle: Bernd Atzenroth

Das Schlachtenjubiläum war für die knapp 80 Einwohner kein Anlass für Aktivitäten. Vor zwölf Jahren allerdings richtete der Ort das 4. internationale Waterloo-Treffen aus. Vertreter aus elf Orten, die ebenfalls den geschichtsträchtigen Namen tragen, kamen damals in das kleine Dorf, darunter aus dem belgischen Waterloo, aus den USA und Kanada. Die Gäste haben sich offensichtlich wohl gefühlt in der Prignitz, wie die vielen Dankesschreiben bezeugen, die der damalige Ortsbürgermeister Wolfgang Behn erhielt. Noch heute erinnert ein Gedenkstein am alten Gutsgelände an dieses Großereignis. In der alten Gutsscheune befinden sich als Außenstelle des Dorfmuseums Blüthen neben einer Ausstellung historischer Technik zum Getreideanbau Unterlagen zur Geschichte und zum Waterloo-Treffen 2003.

Von Bernd Atzenroth

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