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Prignitz Das älteste Fachwerkhaus der Lenzer Wische
Lokales Prignitz Das älteste Fachwerkhaus der Lenzer Wische
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00:16 08.08.2017
Das älteste Fachwerkgebäude der Lenzer Wische, die Mödlicher „Pfarrscheune“, steht jetzt in Besandten. Quelle: Kerstin Beck
Besandten

In einer neuen Serie wollen wir Hausbesitzer die Geschichte ihres Gebäudes erzählen lassen. Heute starten wir mit dem ältesten Fachwerkhaus der Lenzer Wische.

Manch einer hegt einen Traum sein Leben lang und manch einer verwirklich ihn sogar: Als Eckart Peters, damals noch Leiter des Magdeburger Stadtbauamtes, vor fast 20 Jahren durch den westlichsten Zipfel der Prignitz fuhr, sah er in Mödlich ein baufälliges, stark in sich zusammengesunkenes Haus mit vor sich hin faulenden Balken, wofür kaum jemand noch einen Pfifferling gegeben hätte: die Mödlicher „Pfarrscheune“. Für ihn war es jedoch der große Fund.

Gebäude an der Ostsee

Eigentlich hatte der Architekt und Landschaftsplaner vorgesehen, sich mit seiner Gattin Manuela Jonetat für den Ruhestand ein – stark sanierbedürftiges, versteht sich – Gebäude an der Ostsee zu suchen, doch nun wurde alles anders: Das hier sollte es sein.

Dazu konnte ein wüstes Grundstück wenige Kilometer abwärts in Besandten (Amt Lenzen-Elbtalaue) erworben werden. Das Interessante: Das Fundament des dort vor vielen Jahren abgerissenen Hauses war noch vorhanden und darauf wurde die Pfarrscheune einfach „aufgesetzt“.

Balken für Balken nummeriert

Aber so einfach war das nicht. Wochenends ging es von Magdeburg nach Besandten und höchst eigenhändig wurden an der alten Scheune erst die Balken nummeriert, dann 2004 vorsichtig abgebaut, umgelagert, restauriert und ab 2007 neu aufgebaut.

„Die ganze Familie hat da mitgemacht, wir haben insgesamt 80 Prozent der historischen Substanz retten können und den Rest haben wir regional aus dem Gadower Wald bekommen“, so der langjährige Bauherr, der damit eigentlich ein eigenes Denkmal verdient hat.

Ziegelhaus für den Mödlicher Pfarrer

Und Überraschungen zur Baugeschichte des Zweiständerhauses gab es gleich mit dazu: „Das war mitnichten eine Scheune, sondern ein kombiniertes Wohn-Wirtschaftsgebäude, wie es hier typisch war. Im Wirtschaftsteil gab es beidseitige Kübbungen für die Tiere und der Wohnteil muss nach dem großen Hochwasser von 1888 abgebaut worden sein.“ Vermutlich war das Wasser durch die gute Stube geflossen und das Gebäude war zudem auch nach Norden zu schräg abfallend errichtet worden, so dass das Wasser durch den Viehbereich abfloss – ebenfalls ein Detail, welches der Architekt durch exakte Messungen herausbekam. Für den Mödlicher Pfarrer wurde später ein etwas näher am Deich stehendes Ziegelhaus errichtet, worin der letzte Geistliche noch bis in die 1980er Jahre gewohnt hat.

Dazu kommt aber noch mehr: Für zwei Deckenbalken konnte mittels dendrochronologischer Untersuchung das Fälldatum ermittelt werden: 1519 und 1521. Diese beiden Balken sowie eine Reihe von Außenstielen hat man somit zum Bau des Anwesens bereits recycelt, denn die Torbalkeninschrift lautet: „Dieses Haus ist mit Gott erbaut Anno 1707 20. Mai, zur Zeit der Prediger Herr Joh(annes) Conrad Beyer und Kirchenjuraten Hans Warnicke und Joachim Gercke“.

„Sommerhof“ und „Ort der Sinne“

Älter in der Lenzer Wische ist damit nur noch ein Gebäude: das als des Bauherrn Henning von Wenckstern zugeschriebene „feste Haus“ in Kietz, welches um 1480 als Wasserschloss errichtet wurde und als „Zweiter Wencksternhof“ in historischen Unterlagen bekannt ist.

Kälber werden jedoch in der neuen „Pfarrscheune“ nicht mehr untergebracht. Durch einen ideenreichen Umbau ist das heute wieder imposante und etwa elf Meter hohe Gebäude zu einem „Sommerhof“ und „Ort der Sinne“ geworden, wie es die neue, von Eckart Peters auch selbst geschnitzte Inschrift verrät.

Zimmer für Gäste ausgebaut

„Und seit dem letzten Jahr ist es uns klar, wie wir dieses Kleinod nun nutzen wollen“, erzählt Manuela Jonetat. Dort, wo einst Kühe und Kälber standen, sind die Räumlichkeiten für Gäste ausgebaut worden, die an den Wänden mittelalterliche verzierte Ziegel mit Pfoten- und Handabdrücken vom nach 1945 abgerissenen „1. Kietzer Wencksternhof“ bewundern können, die der Architekt zufällig in der Nähe fand und gleich mit eingebaut hat. Im ersten Stock gibt es für die Ehefrau ein Atelier zum Malen mit direktem Blick auf die nahe Elbe, die die Impressionistin schon längst als Motiv in Öl auf Leinen gebannt hat, und in der Diele sollen Kunstausstellungen gezeigt werden. Fertig ist das ganze Objekt noch nicht so ganz, „und wer mich kennt, weiß, dass ich nie fertig werde“, verrät Eckart Peters. „Vielleicht 2019, wenn der älteste Balken seinen 500. Geburtstag feiert.“

Von Kerstin Beck

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