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„Das geht auf keine Kuhhaut“

Auswirkungen der Milchpreiskrise in der Prignitz „Das geht auf keine Kuhhaut“

Die Milchpreiskrise hinterlässt ihre Spuren in der Prignitz: Den neuen Rinderstall muss das Schönhagener Agrarunternehmen PBK auf Eis legen. 27 Cent je Liter Milch erhält der Betrieb – und macht damit sechs Cent Verlust pro Liter. Investitionen kann sich das Unternehmen nicht mehr leisten.

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Der Milchpreis im Auf und Ab. Derzeit fällt er nur, sagt der PBK-Geschäftsführer Christian Beckmann.

Quelle: Andreas König

Schönhagen. Mit der Milchleistung je Kuh ist die Firma PBK Rinderzucht an der Spitze angekommen. „Sehr viel mehr geht unter den jetzigen Bedingungen nicht“, sagt der Geschäftsführer Christian Beckmann. Doch Spitzenwerte im Ertrag sind Segen und Fluch zugleich. Seit dem Wegfall der Quotenregelung kennt der Milchpreis nur eine Richtung: Er fällt und fällt.

Das ist fatal für viele landwirtschaftlichen Betriebe in der Prignitz und im Ruppiner Land. Für den Betrieb bei Pritzwalk bedeutet das, geplante Investitionen in einen neuen Rinderstall auf Eis zu legen. Gegenwärtig erhalten die Schönhagener Milchproduzenten noch 27 Cent je Liter Milch. „Kostendeckend wären 33 Cent“, sagt Geschäftsführer Beckmann. Doch selbst damit wären Investitionen wohl nicht zu stemmen. Dafür müsste der Milchpreis auf mindestens 40 Cent je Liter steigen. Angesichts der Preisentwicklung in den vergangenen Monaten ist damit jedoch nicht zu rechnen.

Die PBK-Mitarbeiterin Mandy Klatt bereitet die Zitzen der Milchkühe für das Melken vor

Die PBK-Mitarbeiterin Mandy Klatt bereitet die Zitzen der Milchkühe für das Melken vor.

Quelle: Andreas König

„Seit dem Wegfall der Milchquote zum 1. April dieses Jahres sind die Milchpreise um mehr als sieben Cent gesunken“, berichtet Christian Beckmann. „Das sind enorme Werte, die auf dem Spiel stehen.“ Für sein Unternehmen, die Firma PBK, bedeutet das: „Kosten senken und den Tierbestand so reduzieren, dass die weniger leistungsfähigen Tiere früher geschlachtet werden.“ Von Investitionen könne gar keine Rede sein. Noch im Juni hatte das Unternehmen im Pritzwalker Hauptausschuss für sein Vorhaben geworben, einen modernen Rinderstall für 960 Milchkühe neu zu bauen. Der Stall sollte einen sechseckigen Grundriss haben und innen nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltet werden. Doch die Investitionssumme – insgesamt rund vier Millionen Euro – kann das Unternehmen unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht aufbringen.

„Wir produzieren in Deutschland rund 15 Prozent mehr Milch als der heimische Markt braucht. Die Lösung wäre Export, aber der chinesische Markt ist eingebrochen und ein Großteil des russischen Marktes weggefallen“, zählt Christian Beckmann auf. Den asiatischen Bedarf deckt derzeit vor allem Neuseeland. All das setzt die Milchbauern unter Druck. Nicht von ungefähr hat sich auch Christian Beckmann mit rund 45 Bauern aus der Prignitz und Mecklenburg-Vorpommern an den Portesten der europäischen Milchbauern in Brüssel beteiligt.

Gegenwärtig rettet vor allem der Ertrag aus der hauseigenen Biogasanlage den Fortbestand der PBK. Zwar versucht die Geschäftsführung auch dabei, Kosten zu sparen und Erlöse zu erhöhen, aber das ist nur in begrenztem Umfang möglich. Doch an der Optimierung der Anlage führt kein Weg vorbei. Wenigstens ist das Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz auf einem guten Weg, so dass von dieser Seite kein weiteres Ungemach droht.

Sollte man aus seiner Sicht die Milchquote wieder einführen? „Nein, das bringt auch nichts“, erklärt der 29-jährige Chef. Die Quote gestatte keine individuelle Entwicklung von Unternehmen. Außerdem sei der Zug abgefahren. Christian Beckmann würde gern mit den Molkereien Kontrakte schließen, um auf die Schwankungen des Marktes reagieren zu können. „Wir produzieren 16 500 Liter Milch am Tag – genug, um etwa 39 000 Leute mit Milch zu versorgen. Aber der Bedarf daran ist gar nicht da.“ In den Kontrakten sieht er die Chance, bei besseren Preisen Milch abzusetzen, um die Gewinne mitzunehmen und die schlechteren Bedingungen im übrigen Absatz auszugleichen. „Jetzt ist es ja so, dass allein der Landwirt das Risiko des niedrigen Milchpreises trägt. Die Molkereien haben ihre Erzeugerpreise, der Handel kann aus einem Überangebot schöpfen. Nur wir sind das letzte Glied in der Kette.“ Mit den Kontrakten wäre, so glaubt der PBK-Chef, ein Teil des Risikos von den Schultern der Bauern genommen wenn sie geschickt agieren. „Doch dafür muss die Politik die Rahmenbedingungen schaffen. Derzeit ist so etwas kaum möglich“, sagt er.

Wenigstens kann er mit der Grünlandernte zufrieden sein. Die Silage, die aus dem sogenannten Welkschnitt gewonnen wird, ist ein wichtiger Milchbildner und trägt zur sehr guten Leistung der Schönhagener Milchkühe bei.

Bei den Protesten in Brüssel seien die deutschen Bauern noch die moderatesten gewesen. Er habe brennende Strohballen gesehen und Traktoren, die versuchten, Wasserwerfer der Polizei wegzuschieben. Aber Christian Beckmann hat Verständnis: „Für Familienbetriebe ist die Lage katastrophal. Letztes Jahr haben die noch für elf, zwölf Euro die Stunde gearbeitet. Jetzt sind es zwei und drei Euro. Das geht auf keine Kuhhaut.“

Überproduktion

Die Abschaffung der Milchquote zum 1. April dieses Jahres hat zu einem Anstieg der Milchmenge auf dem Markt geführt. In deren Folge ist der Milchpreis gefallen.

Viele landwirtschaftliche Erzeuger haben darauf reagiert, indem sie ihrerseits den Milchausstoß erhöhten. Das mag zwar aus betriebswirtschaftlicher Sicht vernünftig sein, doch volkswirtschaftlich betrachtet verschärft sich damit das Problem. Wenn alle Erzeuger noch mehr Milch auf den Markt bringen, sinkt deren Preis logischerweise.

Eine Marktbereinigung, sprich das Verschwinden von Betrieben, wird von vielen Wirtschaftsfachleuten als Folge der Milchpreiskrise prophezeit.

Die PBK Rinderzucht Schönhagen ist mit einer Milchleistung von 11 300 Litern pro Kuh und Jahr bester Betrieb der Prignitz und belegt im Land Brandenburg den 23. Platz. Das Unternehmen hat 1100 Rinder, davon 542 Milchkühe.

Die Effektivität wurde bereits gesteigert. Seit der letzten Milchpreiskrise 2008/09 werden pro Kuh fast 2000 Liter mehr im Jahr produziert.

Von Andreas König

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