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00:18 08.11.2013
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Perleberg

Auch in Perleberg wurden am 9. November 1938 jüdische Bürger überfallen und öffentlich gedemütigt. Danach "waren sie einfach weg", wie Zeitzeugen äußerten. Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr im Trausaal im Perleberger Rathaus. Ingrid Birkholz, Schauspielerin am Stendaler Theater, liest Texte von Hannah Arendt; Aud Merkel gestaltet auf der Viola da Gamba musikalische Denkpausen.

Zur Erinnerung: In Berlin heißt es in dem Jahresbericht 1938 des von Adolf Eichmann aufgebauten Judenreferates: "In der Entwicklung der Judenfrage im Reichsgebiet im Jahre 1938 sind zwei deutliche Abschnitte erkennbar. Das erste Stadium umfasst die Zeit vom 1. Januar bis zum 8. November, das zweite die Zeit vom 10. November bis 31. Dezember. Während im ersten Stadium versucht wurde, die Judenfrage auf verordnungs- und gesetzmäßigem Wege endgültig dadurch zu regeln, daß die Juden aus sämtlichen Berufen ausgeschlossen wurden, wurde das gesamte Problem nach dem revolutionären Akt vom 9. November auf den 10. November völlig neu aufgerollt."

Es ist weniger bekannt, dass Pogrome in einigen Gegenden schon am 7. November begannen. Übergriffe gab es gelegentlich auch noch bis zum 13. November. Die organisierten Gewaltexzesse der SA gegen die Juden rissen die bis dahin verhaltene Bevölkerung mit und machten viele zu Mittätern.

Auf dem Perleberger Marktplatz wurden die Einwohner durch eine Hetzrede aufgeheizt, bevor die Wohnungen der jüdischen Bewohner gestürmt wurden. Dabei vermischte sich nationalsozialistischer Gehorsam mit zerstörerischer Wut.

Im November 1938 begann der Übergang von Diskriminierung und Entrechtung zur systematischen Vernichtung von Juden in ganz Europa.

Am 11. Juni 2009 versammelten sich Perleberger Bürger, Abgeordnete und Schüler vor den Wohnhäusern der Opfer und begleiteten die Verlegung von vier Stolpersteinen. Die Opfer lebten in der Kreisstadt in bescheidenen Verhältnissen als unauffällige Bürger. Ihr Schicksal ist noch immer nicht lückenlos aufgeklärt.

An Markus Lang, geboren 1879 in Breitungen, in der Nähe von Sangerhausen im heutigen Land Sachsen-Anhalt, erinnert in der Zentral-Datenbank Yad Vashem in Jerusalem die Information seines überlebenden Sohnes Edmund Lang aus dem Jahre 1988. In Portland (USA) gab dieser Sohn zu Protokoll, dass sein Vater, verheiratet mit Berta Lang, zuletzt wohnhaft in Perleberg, in ein Konzentrationslager deportiert wurde. Der Völkermord an sechs Millionen Menschen jüdischer Religion ist unbegreiflich.

Bei der Veranstaltung im Trausaal soll an die schamlose Gewalt und industrielle Vernichtung von Mitmenschen vor 75 Jahren erinnert werden. Es werden Texte der jüdischen deutsch-amerikanischen Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt mit musikalischer Untermalung vorgetragen.

Hannah Arendt wurde 1906 in der Nähe von Hannover geboren, studierte Philosophie, Theologie und Klassische Philologie in Marburg, Heidelberg und Freiburg. Nach ihrer Verhaftung floh sie 1933 nach Paris. Dort wurde sie Leiterin des Pariser Büros der Jugend-Aliyah, die jüdische Kinder vor den Nationalsozialisten rettete. Nach erneuter Internierung gelang ihr die Flucht in die USA. Zwischen 1961 und 1962 verfolgte sie als Reporterin für den New Yorker die Eichmann-Prozesse.

In ihren Werken befasst sie sich mit dem Schicksal der Juden und der Überlebenden des Holocaust, dem Nachkriegsdeutschland, der Rolle der Alliierten, insbesondere der Amerikaner im Nachkriegsdeutschland. Dem Zuhörer bieten sich Reflexionen an, die in der Ergänzung mit eigenen Erfahrungen hochinteressante neue Erkenntnisse offenbaren. Hannah Arendt wollte sich selbst nicht als Philosophin bezeichnet wissen, hat aber tiefsinnige Beobachtungen hinterlassen, welche die Perleberger Lesung zu einem außergewöhnlichen Abend werden lassen wird. Der Eintritt ist frei. mb

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