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Der Friedhof der Kuscheltiere

Alt Daber Der Friedhof der Kuscheltiere

Familie Scharf aus Alt Daber bietet seit 16 Jahren nicht nur einen Friedhof für Hund, Katze und Co., Herrchen oder Frauchen können sich ihren Liebling nach dessen Tod auch ausgestopft mit nach Hause nehmen. Während Tierpräparator Marco Scharf die Tiere in Ostfriesland konserviert, kümmert sich sein Vater Siegfried in Alt Daber um die Friedhofspflege.

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Siegfried Scharf betreibt den Tierfriedhof im Namen seines Sohnes Marco weiter. Die Familie bietet neben Pappkartonsärgen (im Hintergrund) auch Tierpräparationen an.

Quelle: Christian Bark

Alt Daber. Vor 16 Jahren hatte sich der Tierpräparator und Hobbyjäger Marco Scharf auf eine Marktlücke in der Region spezialisiert: das Ausstopfen von Haustieren sowie Bestattung von Katze, Hund und Co. auf einem Grundstück der Familie in Alt Daber. „Das hat einige Zeit gedauert, bis wir die Genehmigung dafür erhalten haben“, erinnert sich Marco Scharfs Vater Siegfried. Der 62-Jährige betreibt den Friedhof im Namen seines Sohnes weiter, denn für den Bau eines Privathauses vor dem Friedhof hatte Marco Scharf keine Genehmigung erhalten. „Vor fünf Jahren ist er weggezogen nach Ostfriesland“, berichtet Siegfried Scharf.

Einige Präparate wie dieser Ziegenkopf wurden nicht abgeholt und stauben nun in der Annahmestelle ein

Einige Präparate wie dieser Ziegenkopf wurden nicht abgeholt und stauben nun in der Annahmestelle ein.

Quelle: Christian Bark

Die Eltern bewirtschaften inzwischen den Friedhof weiter. Obwohl der gelernte Schlosser Siegfried Scharf nach etlichen Operationen körperlich stark eingeschränkt ist, mäht er den Rasen, beschneidet die Hecken und Bäume, schaut nach dem Rechten. Die Gräber hebt inzwischen sein zweiter Sohn aus, für Tierpräparationen steht Marco Scharf auch in der Ferne zur Verfügung. „Wir nehmen die Kadaver hier an, das Präparieren kann bis zu einem halben Jahr dauern“, erklärt Siegfried Scharf. Bis zu vier Haustiere würden im Jahr präpariert, zuletzt ein großer Hund. „Die Leute haben das kranke Tier lange gepflegt und sehr an ihm gehangen“, so der 62-Jährige. Nun könnten sie ihn trotzdem jeden Tag sehen und ihm durchs Fell streicheln. Mehr als Fell bleibe beim Präparieren nämlich nicht von dem Tier übrig. Der Köper sowie die Augen seien aus Kunststoff gefertigt.

Siegfried Scharf bewirtschaftet selbst ein Grab für seine verstorbenen Haustiere

Siegfried Scharf bewirtschaftet selbst ein Grab für seine verstorbenen Haustiere.

Quelle: Christian Bark

Marco Scharfs Hauptgeschäft seien aber Wildtiere, Trophäen für Jäger, Exoten für Museen. „Einige Tiere wurden aber auch gar nicht abgeholt“, zeigt Siegfried Scharf auf den präparierten Kopf einer Ziege, der nun in der Annahmestelle einstaube. Seitdem ließen sich die Scharfs Aufträge immer anzahlen. Die Präparationspreise richteten sich nach der Größe des Tieres. So kostet das Ausstopfen einer kurzhaarigen Katze 130 Euro Minimum, das Ausstopfen eines großen Hundes sei ab 350 Euro möglich, Kleintiere wie Vögel können für unter 100 Euro verewigt werden.

Auch Fische werden ausgestopft

Aktuell sind eine Maus und ein Maulwurf für eine Grundschule abholbereit. Auch Fische wie Katzenhaie habe der Präparator schon ausgestopft. „Da muss man ganz vorsichtig sein mit der dünnen Haut“, so Siegfried Scharf zur Präzisionsarbeit seines Sohnes.

Bisher wurden zwei Hunde auf dem Friedhof in diesem Jahr beerdigt

Bisher wurden zwei Hunde auf dem Friedhof in diesem Jahr beerdigt.

Quelle: Christian Bark

Egal ob die Tiere ausgestopft oder auf dem Friedhof beerdigt werden, zuvor kommen sie meistens in die großen Gefriertruhen der Familie. Aktuell sind dort Felle und tote Marderhunde konserviert. Gelegentlich brächten aber auch die Besitzer ihre toten tierischen Freunde direkt zur Beisetzung. Für Exemplare bis zu einer bestimmten Größe bietet die Familie Scharf auch Särge aus Pappkarton an. Die Aufgabe der Friedhofsbetreiber besteht Siegfried Scharf zufolge im Buddeln des Loches sowie in der Pflege der Außenanlagen. Gestalten können Tierbesitzer die letzte Ruhestätte ihrer Liebsten individuell. Ob Marmorplatte, Naturstein, Holzkreuz oder gar kein Grabstein, in ihren Ideen seien die Kunden frei. Zwischen 120 und 150 Euro zahlen sie beispielsweise Pacht für die zehnjährige Nutzung eines Hundegrabs.

Viele Besitzer investieren Zeit und Geld in die Gräber ihrer Tiere

Viele Besitzer investieren Zeit und Geld in die Gräber ihrer Tiere.

Quelle: Christian Bark

„Gerade bei schönem Wetter pflegen die Leute die Gräber“, sagt der Tierbestatter. Über die zehn Jahre hinaus verlängere aber kaum jemand die Grabstelle. Überhaupt werde der Friedhof, mit derzeit 35 Gräbern, in einer relative dünn besiedelten Region weniger in Anspruch genommen, als viellelicht im Berliner Speckgürtel. Trotzdem wüssten die Kunden das Angebot zu schätzen. „Ein Mann hat mich mal umarmt und sich bedankt, dass es so was in der Region gibt“, erinnert sich Siegfried Scharf. Die rührselige Szene aber auch die eigene Tierliebe – die Familie hat zwei eigene Hunde, zwei Katzen und einen Kanarienvogel auf dem Gelände beerdigt, motiviere ihn zum Weitermachen.

Mehr Informationen zum Tierfriedhof hier.

Von Christian Bark

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