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Der Holzbildhauer aus Rosenwinkel

Die Landschaft in der Eiche Der Holzbildhauer aus Rosenwinkel

Motorsäge und Kunst treffen bei Andreas Dorfstecher aufeinander. Der Holzbildhauer aus Rosenwinkel schafft Skulpturen, Landschaftsmöbel oder Kreuze und Gefäße. Seit 1993 arbeitet und experimentiert er in der angewandten und freien Kunst. Sein Werkstoff ist immer die Eiche.

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Holzbildhauer Andreas Dorfstecher versucht, das Innenleben der Eiche zu bearbeiten.

Quelle: Christamaria Ruch

Rosenwinkel. Die Wunden an dem Eichenstamm fallen ins Auge. Lange Zeit gewann der Pilz die Oberhand und fraß sich in das Holz. Auch Regen, Schnee und Eis hinterließen im Laufe der Jahre Spuren und brachten das Todesurteil für den Straßenbaum. Doch nun haucht Andreas Dorfstecher dem geschundenen Stamm ein zweites Leben ein: Dieses Holz veredelt er zu einem Kunstwerk.

Der Holzbildhauer Andreas Dorfstecher aus Rosenwinkel (Gemeinde Heiligengrabe) sucht und findet immer neue Themen. Derzeit bewegt ihn die innere Struktur der Eiche. „Das Morbide und Kranke am Stamm bringe ich in neue Form und nutze dies für die Gestaltung“, so Dorfstecher. Dann wirft er die Motorsäge an und das Sägeblatt frisst sich langsam durch den breiten Stamm. Er ahnt, dass auch dieses kranke Holz ungeahnte Bilder und Landschaften im Inneren verbirgt. Mit Augenmaß führt er die Motorsäge durch das Holz und arbeitet sich Meter für Meter voran. Die Eiche wird in kurzer Zeit zu dicken Bohlen mit auffällig morschen Abschnitten.

Garten und Landschaftsmöbel im überdimensionierten Format

Garten und Landschaftsmöbel im überdimensionierten Format.

Quelle: Christamaria Ruch

Immer fällt seine Wahl auf die Eiche. „Die Eiche ist mürrisch“, sagt Andreas Dorfstecher knapp. Das Mürrische liegt in der Natur der Sache, denn sie gilt als hart und widerspenstig. „Eiche und Robinie sind am resistentesten, aber die Eiche ist wegen der Dichte und Festigkeit das Holz meiner Wahl.“ Seit Herbst letzten Jahres widmet sich Dorfstecher der inneren Struktur vom Holz. Sieben aufgereihte Eichenbalken nennt er „Statement“. Hinter diesem Standpunkt verbirgt sich ein langer Schaffensprozess und erstmals in dieser Größe Innenarchitektur. „Zeit und Mut waren notwendig, um die verschiedenen Konturen der Eiche zu sehen und zu verstehen.“ Verästelungen und Zwiesel lassen frühzeitig erahnen, welche Konturen unter der Rinde verlaufen. Aber erst beim Sägen und Spalten offenbart sich der Baum und gibt Landschaften frei. Strukturen sind für Dorfstecher ein weites Kunstfeld.

Skulpturen laden zum Nachdenken ein

Skulpturen laden zum Nachdenken ein.

Quelle: Christamaria Ruch

Vor allem im Winter nimmt er sich Zeit, Dinge und Einflüsse gezielt aus der Erinnerung abzurufen. Dann beginnt das Experimentieren. Der Weg zu den zerschlissenen und kranken Eichen ist nun konsequent. Sie sind Teil einer für kommenden September geplanten Ausstellung in den Räumen vom Kunstverein in Pritzwalk. Dann stellt Dorfstecher dort gemeinsam mit einem bildenden Künstler aus Berlin aus. Der Berliner Künstler widmet sich alten Stoffen und Flächen und fügt sie zu neuen Bildern und Geschichten zusammen. Dorfstecher nahm diesen Impuls auf und führt ihn gezielt weiter: „Ich suche das Fehlerhafte und Alte im Holz als Hauptmerkmal bei der Gestaltung.“ Auch wenn er ein Bild vor Augen hat und jeden Sägeschnitt kalkuliert – das Ergebnis ist nicht vorhersehbar. „Alles ist eine Suche und wird in der Kunst ewig Suche bleiben“, sagt der 57-jährige Holzbildhauer.

Auch das gerade fertig gestellte Triptychon, das dreiteilige Landschaftsbild, ist Teil dieser Suche. Dorfstecher leimte jeweils fünf Bohlen zu einem ein Meter großen Quadrat zusammen und sägte dann nach innerem Kompass die Landschaften von Island, Grönland und Norwegen heraus. Gemeint sind damit grobe bis feine Schnitte, die er oberflächlich oder bis in die Tiefe verewigt hat. Das Profil ist geschwungen und gibt Raum für Hügel und Bergketten. Messingfarbe bürstete er mit kräftigem Strich ein und tauchte die Landschaften in Patina. Fällt das Sonnenlicht auf das Triptychon, treten die Kontraste dieser drei skandinavischen Länder noch deutlicher zum Vorschein.

Andreas Dorfstecher kann auch zart

Andreas Dorfstecher kann auch zart: Filigran gestaltetes Boot.

Quelle: Christamaria Ruch

„Ich möchte dem Material Dinge entreißen, Formen entstehen lassen und alles in einen neuen Zusammenhang bringen“, sagt Andreas Dorfstecher. Der Blick von außen wird bei ihm zur Sicht nach innen. Dabei geht er an das sprichwörtlich Eingemachte der Eiche. Die faulen und morschen Stellen an den Bohlen brennt er zunächst ab, entfernt mit Hochdruckstrahler weitere lose Stücke und bürstet dann die Farbe ein. „Das gibt eine neue optische Dimension“, sagt er.

Von Christamaria Ruch

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