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Der Judenhof hat sich schnell etabliert

Perleberg Der Judenhof hat sich schnell etabliert

Erwartungen und Neugierde waren groß, als im Juni das Besucher- und Informationszentrum Judenhof in Perleberg eröffnet wurde. Inzwischen hat es viele Veranstaltungen gegeben und weitere folgen.

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Der Ausstellungsbereich entstand nach einem Entwurf von Susanne Dieringer.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. Erstaunlich schnell hat sich das Informations- und Besucherzentrum Judenhof im kulturellen Leben der Stadt Perleberg etabliert – und sogar darüber hinaus.

Dass, was mit dieser vollkommen neuen und außergewöhnlichen Stätte beabsichtigt ist, wird bis heute immer wieder von Diskussionen über Bauzeiten- und Baukosten überdeckt. Kein anderes Bauvorhaben von den vielen in der Stadt wurde so argwöhnisch beäugt.

Der kleine Perleberger Kulturverein hat mit Unterstützung des Kulturbundes Brandenburg ein Projekt gestemmt, mit dem schon in den ersten Monaten Glanzpunkte gesetzt werden konnten. Selbst Hartmut Schneider, der Vereinsvorsitzende, sagt: „Das habe ich nicht erwartet.“ Das Vereinsmitglied Rainer Meißle, zugleich Projektleiter, widerspricht allerdings und sagt: „Das habe ich erwartet.“

Neugierde und Erwartung waren groß, als am 2. Juni der Judenhof erstmals seine Türen auftat. Inmitten einer städtebaulich prekären Situation war ein Stück moderner Architektur entstanden, das es so in Perleberg noch nicht gegeben hat. Und zwar genau an dem Ort, an dem sich im Mittelalter der Judenhof befand, also jener abgeschlossene Bezirk, in dem sich das Leben der Perleberger Juden abspielte. Die Grundstruktur des Hofes ist bis heute erhalten. Der Perleberger Judenhof gilt als einer der besterhaltenen im Norden Deutschlands.

Der Bürgerrechtler Konrad Weiß sprach an jenem ersten Abend über den Antisemitismus in der DDR. Ein Thema, das sich für die offizielle DDR gar nicht stellte. Merkwürdig ist nur, so machte Konrad Weiß deutlich, dass sich nach 1945 die große Mehrheit der Juden, die den Holocaust überlebt hatten, zum sozialistischen Landesteil hingezogen fühlten. Doch schon in den 1950er Jahren kam eine Absetzbewegung in Gang aufgrund von staatlichen Einschränkungen. Am Ende der DDR lebten kaum 200 Juden in dem Staat.

Bis zu später Stunde diskutierten Gäste, die alle nur knapp in den Veranstaltungsraum gepasst hatten. Das Zusammenleben von Juden und Deutschen mit seinen vielen Tiefen, aber auch einigen Höhen (so spielten die Juden eine wichtige Rolle bei der Stadtgründung), ist Gegenstand des neuen Besucher- und Informationszentrums. Professor Wolfgang Benz von der FU Berlin erläuterte in einem Vortrag die Begriffe Antisemismus, Zionismus, Antijudaismus. Frank Stern, Professor für Zeitgeschichte an der Uni Wien, gab Einblick in das Judentum im Mittelalter. Die Sängerin Jalda Rebling trug Lieder eines jüdischen Minnesängers vor.

Nicht nur Perleberger zieht es in den Judenhof. „Zu unseren Besuchern gehörte auch eine Reihe Berliner“, stellte Hartmut Schneider fest. Die Stadt hat das moderne Gebäude durch den Umbau von zwei Garage geschaffen. Den Betrieb des Besucher- und Informationszentrums übernehmen Kulturverein und Kulturbund. Sie finanzierten auch den Einbau einer kleinen Küche, die 50 Stühle und Teile der Technik. Mehr als 30 000 Euro brachten sie auf. Doch weitere Mittel sind nötig für den Aufbau der geplanten Ausstellung über das Judentum im Mittelalter. „Das wird Zeit brauchen“, sagt Hartmut Schneider. Alles soll wissenschaftlich fundiert sein, was die Besucher zu sehen und zu lesen bekommen. In nächsten Jahr wird ein Ausstellungsbereich aber sicher fertig. Schüler des Gottfried-Arnold-Gymnasiums stellen ihre Dokumentation zur Reichspogromnacht vor – was sich damals in Perleberg abspielte.

Das Veranstaltungsprogramm ist angelaufen. Die Lotte-Lehmann-Akademie führte im August einen ihrer Meisterkurse im Judenhof durch. Zu später Stunde klang der mit einem Gläschen Wein am vor der Tür liegenden Stepenitzufer aus. Der Perleberger Bürgerverein will bald Lesungen in dem neuen Gebäude durchführen.

Als nächster Gast hat sich Professor Dirk Pilz für Donnerstag, 10. November, um 19 Uhr angesagt. Er ist Autor der Berliner Zeitung und der Neuen Züricher Zeitung. Er entwickelt seine Gedanken über Pegida, AfD und ostspezifische Fremdenangst. Zum Reformationsjubiläum im nächsten Jahr ist vom 18. Mai bis 20. Juni 2017 eine Ausstellung gebucht. „Ertragen können wir sie nicht“. Es geht um Martin Luther und die Juden.

Von Michael Beeskow

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