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Prignitz erwartet 80 minderjährige Flüchtlinge

Jugendamt koordiniert Betreuung Prignitz erwartet 80 minderjährige Flüchtlinge

Sie flüchten vor Zwangsheirat oder weil sie als Kindersoldaten rekrutiert werden und sind komplett auf sich alleine gestellt – minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung. Der Landkreis Prignitz nimmt bald 80 solcher Jugendlicher auf. Bevor es soweit ist, müssen noch jede Menge Fragen geklärt werden. Rechtliche und soziale.

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Das Ziel: Asyl in Germany. Millionen Kinder und Jugendliche flüchten derzeit aus ihren Heimatländern – viele auch ohne Eltern.

Quelle: Imago

Pritzwalk. Die Flüchtlingskrise ruft nun auch das Jugendamt des Landkreises Prignitz auf den Plan. „Bis zu 80 unbegleitete minderjährige Asylbewerber“ soll der Kreis nach Informationen von Danuta Schönhardt, Geschäftsbereichsleiterin für Jugend und Bildung, aufnehmen. „Das Land Brandenburg befasst sich schon seit Längerem mit diesem Phänomen“, sagte Danuta Schönhardt. Doch waren die Signale an den Landkreis immer wieder andere. Mal hieß es, die Schwerpunktjugendämter in den größeren Städten sollten sich um die jungen Flüchtlinge kümmern, dann seien wiederum die Kreisverwaltungen gefragt worden. Dann heißt es, erst zum Jahresende wäre mit dem Eintreffen der minderjährigen Asylbewerber zu rechnen, dann wieder, es könne jeden Tag so weit sein. „Wir befinden uns im Standby“, beschreibt Danuta Schönhardt die abwartende Haltung des Landkreises.

Viele rechtliche Fragen müssen geklärt werden

In jedem Fall träfen in wachsendem Maße Minderjährige beiderlei Geschlechts im Alter zwischen 14 und 18 Jahren ohne Begleitung Erwachsener in Deutschland ein. „Und da gibt es gewisse Problemlagen, die wir zunächst abklären wollen und müssen“, sagt die Geschäftsbereichsleiterin, zu deren Verantwortungsbereich auch das Jugendamt gehört. Rein rechtlich sind diese Minderjährigen in Fragen des Vormundschaftsrechts gleichaltrigen Deutschen gleichgestellt“, informiert Danuta Schönhardt. Da sie keine sorgeberechtigten Erwachsenen in ihrer Nähe haben, übernimmt das Jugendamt die Vormundschaft von Amts wegen. Außerdem müsse der Bedarf der ausländischen Minderjährigen festgestellt werden. Er könne von Sprachkursen über medizinische Versorgung bis hin zu sozialen Fragen reichen. Zwar ist vorgesehen, die Kinder und Jugendlichen dezentral in Wohnungen unterzubringen, doch müsse vorher genau geprüft werden, was sie benötigen.

Um für die Heranwachsenden möglichst ihren Bedürfnissen entsprechend handeln zu können, soll eine sogenannte Clearingstelle eingerichtet werden. Dieser Begriff wird auch in der Jugendamtsarbeit verwendet und meint die Klärung der Verhältnisse und das Lösen möglicher Konflikte. „In dieser Institution sollen die minderjährigen Asylbewerber nur so lange bleiben, bis ihr Status und Bedarf geklärt sind“, sagt Danuta Schönhardt. Anschließend werden sie sozialen Trägern oder Pflegeeltern zugewiesen. Während ihres Aufenthaltes sollen die Kinder und Jugendlichen von Sozialarbeitern betreut werden.

Geplanter Sitz der Clearingstelle sei Pritzwalk. Zum genauen Ort wollte die Geschäftsbereichsleiterin noch nichts sagen. Nur so viel: Es handelt sich um eine kreiseigene Immobilie, die sich zur Unterbringung der Jugendlichen eigne.

Wann die Jugendlichten eintreffen, ist noch unklar

Es sei geplant, dass die Flüchtlinge so schnell wie möglich Deutsch lernen und eine berufsorientierte Ausbildung erhalten. Mögliche Partner seien das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) Prignitz und die Bildungsgesellschaft Pritzwalk. Die voraussichtliche Aufenthaltsdauer betrage anderthalb Jahre. Zwei Sozialarbeiter sollen die Neuankömmlinge betreuen.

Wann genau die Jugendlichen eintreffen, sei nicht bekannt, ebenso nicht ihre Zahl. „Laut dem Königsteiner Schlüssel müssen wir 3,6 Prozent der Asylbewerber im Land aufnehmen. Wenn man diesen Wert auf die unbegleiteten Minderjährigen anwendet, kommt man auf rund 80 Personen“, sagt Danuta Schönhardt. Bestätigt sei diese Zahl zwar noch nicht, der Landkreis richtet sich aber darauf ein. Aus welchen Gründen die Minderjährigen ohne Begleitung reisen, sei ihr nicht bekannt.

Die Clearingstelle

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind eine besonders schutzwürdige Gruppe. Laut Angaben der Diakonie gehören derzeit etwa fünf Prozent aller in Westeuropa neu einreisenden Menschen dieser Gruppe an. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Nur ein Teil dieser minderjährigen Flüchtlinge hat Asyl beantragt.

Häufige Gründe für die Flucht aus dem Heimatland sind Kriege und bewaffnete Konflikte, die Angst vor Zwangsheirat und Zwangsbeschneidung, wirtschaftliche Not, der Einsatz als Kindersoldaten oder Gewalt in der Familie.

Von den weltweit 57 Millionen Flüchtlingen des Jahres 2014 waren 50 Prozent unter 18 Jahre alt. Laut Diakonie sind das so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Weil die Flüchtlinge minderjährig und allein sind, brauchen sie einen Vormund. Das ist in der Regel das Jugendamt, das sie in Obhut nimmt.

Im Clearingverfahren müssen verschiedene Fragen geklärt werden: Wie alt ist der Flüchtling? Wie ist der Entwicklungsstand? Gibt es Familienangehörige? Wie ist der Gesundheitszustand – hat er oder sie ein Trauma?

Ein Hilfeplan wird davon abgeleitet erstellt, in dem weitere Schritte festgelegt werden. Sollte es Familienangehörige im Bundesgebiet geben, werden diese benachrichtigt. Sonst erfolgt die Unterbringung bei freien Trägern oder in Pflegefamilien.

Von Andreas König

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