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Der Wunderknabe lebte einst dort

Dorfserie Kehrberg Der Wunderknabe lebte einst dort

Seit Herbst 2014 leben Jens Nobereit und Jana Ortmeyer in Kehrberg (Gemeinde Groß Pankow). Das Paar entschied sich gezielt für das Landleben. Das Grundstück hat außerdem einen berühmten Vorfahren: Vor 280 Jahren lebte dort der kleine Wunderknabe von Kehrberg mit seiner Familie.

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Angekommen in Kehrberg: Jana Ortmeyer und Jens Nobereit lieben das Dorfleben.

Kehrberg. Die Abendsonne legt sich über Kehrberg (Gemeinde Groß Pankow). Nach einem langen Arbeitstag streckt Jens Nobereit seine Füße unter der Bank vor dem Haus aus und genießt den Feierabend. An seiner Seite sitzt Jana Ortmeyer und verteilt immer wieder Streicheleinheiten an den Altdeutschen Schäferhund „Benny“, Marke Zottelfell.

„Es war schon immer mein Wunsch, in einem eigenen Haus zu wohnen“, sagt Jens Nobereit. Gesagt, getan. Im Herbst 2014 packte er mit seiner Verlobten die Koffer und zog aufs Dorf. Der 34-Jährige wuchs in Pritzwalk auf. „In den Ferien war ich oft bei meiner Oma in Bullendorf und fand das gut“, sagt er. Vor zwei Jahren begann das Paar mit der Haussuche; beim zweiten Anlauf stand Kehrberg zufällig auf der Besichtigungsliste. Das Haus in der Dorfstraße 14 mit Hof und Nebengelass ist nun die erste Adresse für die jungen Leute. „Wir wollten außerdem Platz für unsere zwei Pferde haben“, sagt Nobereit.

Das Wohnhaus stammt aus den 1980er Jahren und befindet sich in einem guten Zustand. „Wir mussten nicht viel daran verändern“, so Jens Nobereit.

Hinter dem Haus schließt sich eine unscheinbare Kate aus der Zeit um 1730 an. Dort lebte der Überlieferung nach der kleine Wunderheiler Johann Ludwig Hohenstein (1731 bis 1736) mit seiner Familie. Er ging unter dem Namen Wunderknabe von Kehrberg in die Geschichte ein. „Vorher hatten wir davon noch nichts gehört, wissen aber inzwischen, worum es geht“, sagt Jana Ortmeyer. Dem Kind, das selbst nur fünf Jahre alt wurde, sagte man heilende Kräfte durch Haundauflegen nach. Kranke standen Schlange, um geheilt zu werden.

Im Mai des vergangenen Jahres öffnete das Paar sogar den Hof für ein Fernsehteam von Regionalsender RBB. Vor der Originalkulisse spielten die Laiendarsteller vom Förderverein Kirche Kehrberg Ausschnittweise die Geschichte des Wunderknaben nach.

„Natürlich waren wir offen dafür“, sagt Jens Nobereit. Denn: „Das ist doch eine schöne Sache und macht Werbung für Kehrberg.“ Jana Ortmeyer schlüpfte damals für den Filmdreh in die Statistenrolle einer Magd. „Im August 2015 haben wir uns auch die Theateraufführung zum Wunderknaben hier in Kehrberg angesehen“, sagt sie.

Die 20 Jahre junge Jana Ortmeyer stammt aus Schwante (Oberhavel) und bereitet sich gerade auf ihr Examen zur Krankenschwester bei den KMG Kliniken in Pritzwalk vor. Wenn alles so läuft wie geplant, hält sie im September ihr Zeugnis in der Hand. Jens Nobereit sitzt täglich hinterm Steuer der Linienbusse rund um Pritzwalk und arbeitet bei den Verkehrsbetrieben in der Dömnitzstadt. Vor drei Jahren beendete der gelernte Zimmermann die Umschulung zum Busfahrer.

Das Paar lernte sich am Neujahrstag 2013 kennen und es funkte – bereits ein halbes Jahr später verlobten sie sich. Hühner, ein Kamerunschaf, der Haushund und Katzen gehören vorerst zum Hofleben. „Wir haben einen guten Draht zu den Nachbarn und fühlen uns wohl hier“, sagen beide.

Von Christamaria Ruch

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