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Deutschlands dickste Buche wird gekappt

Hoppenrade Deutschlands dickste Buche wird gekappt

Nach dem Sturmschaden in der vergangenen Woche ist auch der Rest der Rekordbuche in Hoppenrade nicht mehr standsicher. Beim Vor-Ort-Termin am Dienstag wurde entschieden, den Baum bis auf den Stammkopf herunter zu nehmen. Die Buche war Champion Tree 2016 und galt als dickste Buche Deutschlands.

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Bis in Höhe der unteren Verzweigung muss die Rotbuche nach dem Sturmschaden heruntergenommen werden. Zum Größenvergleich: In der Bildmitte steht Ralf Hetzer (kaum sichtbar) hinter den Ästen.

Quelle: Beate Vogel

Hoppenrade. Schlimmer hätte es kaum kommen können: Die alte Buche im Gutspark von Hopperade (Gemeinde Plattenburg), der ein Sturm in der vergangenen Woche zwei dicke Äste herausgerissen hat ( die MAZ berichtete), muss fast komplett heruntergenommen werden. Das ist das Ergebnis der gestrigen Beratung vor Ort, an der auch Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises teilgenommen haben. „Zwei Drittel gehen noch runter“, so Mario Wolf, Betriebsleiter der Firma Baumpflege Bollmann aus Gerdshagen (Amt Meyenburg). Bis auf den Stammkopf und die ersten Vergabelungen müssen demnach auch die restlichen Äste der alten Kletterbuche abgenommen werden.

Seine ausladende Wuchsform wird dem Baum nun zum Verhängnis: „Aber das ist sein natürlicher Habitus“, sagt Mario Wolf. „Wenn der Baum Platz hat, sich zu entfalten, dann tut er das auch.“ Durch die Öffnung der Krone, die der Sturm verursacht hat, seien die verbliebenen Äste bei starker Windlast nun ausbruchgefährdet. Die einseitige Belastung, die der Stamm tragen muss, biete kaum noch Standsicherheit. Zudem können die vom Sturm freigelegten Stämmlinge einen Sonnenbrand bekommen, weil das schützende Laub im Sommer fehlt. Buchen seien da extrem empfindlich und würden schnell schwarz. Auch eine starke Kappung vertrage die Buche nicht.

Mario Wolf begutachtet die Schäden an dem Baum

Mario Wolf begutachtet die Schäden an dem Baum.

Quelle: Beate Vogel

Der Abbruch zeigte zudem, dass die Buche in ihrem Inneren doch geschädigt war: An der Bruchstelle ist das Holz teilweise ganz schwammig und porös, lässt sich in der Hand zerdrücken und zerbröseln. „Das konnten wir von außen nicht sehen“, sagt auch Ralf Haetzer, der Vorsitzende des Fördervereins Landschaftspark Hoppenrade. Direkt darüber ist zudem ein alter Riss zu erkennen, der vorher von den Ästen verdeckt war. Viele kleine Risse in der Rinde verraten, dass der alte Baum schon lange unter Spannung stand – einfach durch das Gewicht der riesigen Äste.

Am heutigen Mittwoch rücken die Arbeiter mit Hebetechnik und Motorsäge an, kündigt Mario Wolf an. Stück für Stück werden die dicken Äste gekürzt. Das wird eine kniffelige Aufgabe, sagt der Betriebsleiter: „Wir haben etliche Spannungsrisse in den Kronenteilen.“ Die sind sogar von unten zu erkennen. An erster Stelle steht nun, dass die Verkehrssicherheit wieder hergestellt wird. Das ist bei diesem Baum vor allem deshalb wichtig, weil er direkt neben der Christophorusschule des Christlichen Jugenddorfwerkes Berlin-Brandenburg steht. „Wir wollen versuchen, so viel wie möglich von den verbliebenen Ästen am Stamm zu belassen.“ So existiere der Stamm als Kleinstbiotop weiter. Auch wenn er – vermutlich bald – nicht mehr austreibt, könne der Stamm als Naturdenkmal stehen bleiben. „Das massive Buchenholz verwittert nicht so schnell“, weiß Mario Wolf.

Nicht nur für den Fördervereinsvorsitzenden Ralf Haetzer, auch für Baumpfleger Mario Wolf ist es durchaus schmerzhaft, wenn ein solcher Baumriese gekappt werden muss. „Eine Buche in dieser Größenordnung ist eine Rarität, auch für uns“, sagt Betriebsleiter Wolf, dessen Firme im Alltagsgeschäft eher an Straßenbäumen arbeitet. Bäume wie die Rotbuche zu sichern, sei die hohe Kunst, „Kronenpflege in Perfektion“. „Aber das hier ist für die Baumpfleger kein Aushängeschild“, bedauert er. Die Buche hätte ruhig noch ein paar Jahrzehnte überdauern sollen.

Der Abbruch offenbarte zudem, dass die Buche auch im Innern schon geschädigt war

Der Abbruch offenbarte zudem, dass die Buche auch im Innern schon geschädigt war.

Quelle: Beate Vogel

Die Kletterbuche mit einer Höhe von 35 Metern, einem Stammumfang von 8,76 Metern und einem Kronendurchmesser von 28 Metern war nicht nur der Blickfang des Landschaftsparkes Hoppenrade. Das Alter der Rotbuche kennt niemand genau – es wird auf 150 bis 180 Jahre geschätzt. Vermutlich wurde sie gepflanzt, als der Gutspark angelegt wurde. Von der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft und der Gesellschaft Deutsches Arboretum war sie 2016 zum Champion Tree 2016 – zum Rekordbaum – gekürt worden. Sie galt als dickste Buche Deutschlands. Die Buche war für die Kinder in der Christophorusschule Grünes Klassenzimmer, Kletterbaum, und Freilichtkirche.

Erst im Februar vertrat der Baum bei der Wahl zum „Europäischen Baum des Jahres 2017“ ganz Deutschland. Dabei nimmt Deutschland erst seit 2016 an dem Wettbewerb teil. Leider konnte sich die Buche unter den Konkurrenten nicht durchsetzen. Offenbar herrscht in anderen, vor allem in osteuropäischen Ländern, ein größeres Interesse an Naturthemen. So fehlten bei der Online-Abstimmung einfach die Klicks. Die Joseph-Eiche in Polen gewann den Wettbewerb.

So sah die Buche noch vergangenes Jahr aus

So sah die Buche noch vergangenes Jahr aus.

Quelle: Privat/CJD

Von Beate Vogel

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