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Dicke Kühe für Marokko

Agrargenossenschaft Preddöhl Dicke Kühe für Marokko

In der Preddöhler Färsenaufzuchtanlage werden Kälbchen bis zur Geschlechtsreife aufgezogen. Dann werden die Jungfärsen an ihre künftigen Milchviehanlagen verkauft. Die Agrargenossenschaft Preddöhl arbeitet dabei vor allem für den Export nach Russland und in den arabischen Raum.

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Mit zwei bis drei Wochen kommen die Tiere in die Färsenaufzuchtanlage.

Quelle: Claudia Bihler

Preddöhl. Das frische Stroh bildet einen geradezu malerischen Hintergrund für das schwarzweiße Fell der Holsteiner Kühe im Stall in Preddöhl. Die Tiere sind neugierig, schnuppern, wer da im Stall zu Besuch ist, und treten dann wieder respektvoll zurück: Ein bisschen Vorsicht kann ja nicht schaden. Mitten unter ihnen ein Bulle: Der Bereich ist für jene Kühe reserviert, die bereits im fortpflanzungsfähigen Alter sind – der Bulle darf und soll zum Natursprung ansetzen, bei der großen Zahl von Tieren hat er sozusagen die freie Auswahl.

„Wir haben gerade nur wenig Tiere hier“, sagt Edith Zlotowicz, Vorstandsfrau der Agrargenossenschaft Preddöhl. Wenige: das bedeutet in der Färsenaufzuchtstation in Preddöhl rund 200 Tiere. „Normalerweise versorgen wir um die 280 Kälber“, sagt Edith Zlotowicz, „insofern sind das für uns wenige.“

Krisen am Milchmarkt immer mal wieder zu spüren

2009 – im Jahr der ersten großen Milchkrise mit ihren Demonstrationen und Blockaden vor den Molkereien – hatte die Agrargenossenschaft noch Milchkühe gehalten. Mit der Krise kam die Entscheidung, das Milchgeschäft aufzugeben – es lohnte sich nicht mehr. „Wir haben daraufhin die Milchproduktion eingestellt und unsere Milchkühe verkauft“, sagt Edith Zlotowicz. Dann suchte die Genossenschaft nach Alternativen. „Wir haben uns dann entschieden, Jungfärsen aufzuziehen“, erklärt die Vorstandsfrau. „Schließlich wollten wir ja nicht nur unsere Ställe weiter nutzen, sondern auch das Grünland in einem ordentlichen Zustand halten.“

Zwar waren die Auswirkungen der Krisen am Milchmarkt auch danach immer wieder auch in Preddöhl zu spüren. Mal nahmen Landwirte, die die Tiere zur Aufzucht nach Preddöhl gaben, ihre Tiere nicht zurück, so dass die Genossenschaft sie selbst verkaufen musste. Mal können nur niedrigere Preise für die Jungfärsen erzielt werden. „Aber bis heute ist das Geschäft mit der Aufzucht von Jungfärsen wirtschaftlich“, ist die Vorstandsfrau zufrieden.

Diese Tiere sind inzwischen im geschlechtsreifen Alter

Diese Tiere sind inzwischen im geschlechtsreifen Alter.

Quelle: Claudia Bihler

Mal sind es Milchbauern, die die Aufzucht der Nachzucht ihrer Milchkühe lieber in die Hände der Preddöhler Experten geben, als sie selbst auf ihren Anlagen groß zu ziehen. Mal kauft die Agrargenossenschaft selbst Kälber auf, um diese dann als tragende Jungfärsen weiter zu verkaufen. „Zudem ist die Aufzucht der Kälber langwierig und teuer“, sagt Edith Zlotowicz, „das will dann auch nicht jeder.“ Oder kann es auch nicht, denn für die Aufzucht der Färsen ist teilweise hohes Fachwissen notwendig, für das nicht auf jedem Hof das entsprechende Personal vorhanden ist.

Sobald die Färsen erstmals gedeckt sind, wird sie übergeben

Nachdem die Kälber keine Biestmilch mehr von ihren Müttern erhalten, sind sie so weit, dass sie ihre Reise nach Preddöhl antreten können. Zu diesem Zeitpunkt sind sie zwei bis drei Wochen alt. In Preddöhl werden sie dann in Altersgruppen sortiert untergebracht. In den ersten 60 bis 70 Tagen erhalten sie Kälberaufzuchtmilch. Die besteht in erster Linie aus Kuhmilchbestandteilen, enthält aber auch zusätzliche fette und vor allem Eiweiße aus Raps und Soja, was die Kälber für ein gesundes Wachstum benötigen.

Schon von Anfang an wird ihnen jedoch auch festes Futter angeboten. Heiko Hartmann, ebenfalls Vorstand der Genossenschaft: „Daran sollen sie sich ja gewöhnen.“

99 Prozent der Tiere, die in Preddöhl gepäppelt wurden, gehen später in den Export

99 Prozent der Tiere, die in Preddöhl gepäppelt wurden, gehen später in den Export.

Quelle: Claudia Bihler

Sobald die Färsen das erste Mal gedeckt sind, werden sie an ihre künftigen Halter gegeben. 99 Prozent der Färsen aus Preddöhl gehen ins Ausland. „Dabei sind die Ansprüche in jedem Land anders“, sagt Edith Zlotowicz: „In Russland beispielsweise stellt man ähnliche Ansprüche an Milchvieh wie bei uns, in Marokko wollen die Halter eher dickere Tiere. Mal wollen Importeure eine bestimmte Milchleistung, mal wollen sie, dass der Erzeuger-Bulle einen bestimmten Zuchtwert hat.“

Preddöhler Kühe geben auch Milch im Libanon, oder sie werden in den Arabischen Emiraten gemolken. Von den Aufkäufern, die sich in Preddöhl für die Tiere interessieren, weiß Edith Zlotowicz, dass sie vor allem auch in den ölreichen Wüstenstaaten mit dem besten verfügbaren Wissen aufgezogen werden. „Die Aufkäufer haben erzählt, dass es zum Beispiel mitten in der Wüste Kuhställe für Milchvieh gibt, in denen 50 000 Tiere gehalten werden. Für diese Tiere wird das Futter teilweise sogar eingeflogen. Und die Ställe werden teilweise kontinuierlich beregnet.“

Von Claudia Bihler

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