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Die Busse machen einen Bogen

Kolrep Die Busse machen einen Bogen

Kolrep ist jetzt während der Ferien und auch sonst an Wochenenden per öffentlichem Personennahverkehr gar nicht mehr zu erreichen. Die Busse machen einen Bogen um den Ort. Das wollen die Einwohner nicht hinnehmen. Kolrep ist nicht der einzige seit dem Fahrplanwechsel abgeschnittene Ort.

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Da kann Jörg Boldt lange stehen: Der nächste Bus kommt im September.

Quelle: Alexander Beckmann

Kolrep. Mal angenommen, ich hätte eine Großtante in Kolrep und würde die besuchen wollen. Die Suche nach einer Busverbindung auf der Internetseite des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg hilft wenig: „Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde, leider konnte zu Ihrer Anfrage keine Verbindung gefunden werden“, heißt es da aktuell.

Für Kolreper ohne Auto hat diese Auskunft ganz reale Auswirkungen. Sie kommen seit dem Fahrplanwechsel von Anfang August aus dem Dorf nicht mehr weg. „Es ist so, dass jetzt in den Ferien gar kein Bus mehr fährt“, berichtet Ortsvorsteher Jörg Boldt.

Kolrep ist ein kleines Dorf. Einen Laden gibt es schon lange nicht mehr. Wer etwas einkaufen oder erledigen will, fährt nach Kyritz oder Pritzwalk – wenn er ein Auto hat. Alle anderen müssen sehen, wo sie bleiben. „Die Bürger beschweren sich zu Recht“, findet Boldt. „Wir versuchen mit allen Mitteln, die Dörfer lebenswert zu halten, und dann kommt so was.“ Sein Nachbar Joachim Post, Gemeindevertreter in Gumtow, stimmt zu: „Drei, vier Alleinstehende haben wir bestimmt hier, die auf den Bus angewiesen sind. Und in ein paar Jahren sind wir vielleicht selbst betroffen.“

Dass Kolrep und noch eine ganze Reihe weiterer kleiner Orte so von der Außenwelt abgeschnitten sind, liegt am Nahverkehrsplan, den der Prignitzer Kreistag Anfang 2014 verabschiedet hat und der nun mit Einführung des neuen Fahrplans durchgesetzt wird. Ein „hierarchisches ÖPNV-Netz“ wolle man aufbauen, hieß es aus dem Büro des Landrates auf eine entsprechende Anfrage der Gemeinde Gumtow. Neben dem Grundnetz (Stundentakt) und Regionalnetz (Zweistundentakt an Schultagen plus Fahrten in den Ferien) gebe es die „Flächenerschließung durch flexible Bedienformen“. Wörtlich heißt es „Weiterhin sollen Wohnplätze mit mindestens 200 Einwohnern mit mindestens einer Haltestelle durch den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erschlossen werden.“ Da kann Kolrep wohl von Glück sagen, dass es überhaupt noch eine Bushaltestelle hat – auch wenn die zum Teil wochenlang nicht bedient wird. An das Rufbusnetz ist das Dorf auch nicht angeschlossen.

Ortsvorsteher Jörg Boldt und Gemeindevertreter Joachim Post können und wollen sich damit nicht zufrieden geben. Den Hinweis von Landrat Torsten Uhe, dass die Gemeinde Gumtow es 2014 eben verpasst habe, rechtzeitig ihren Bedarf anzumelden, halten sie für wenig hilfreich. „Wir können doch unsere Leute hier nicht einfach im Regen stehen lassen.“ Wenigstens zweimal die Woche sollte zuverlässig ein Bus im Dorf halten – und zwar auch während der Ferien und nicht unbedingt morgens kurz nach sechs wie jetzt der Schulbus. So hätten vor allem Ältere die Chance, ab und an mal Erledigungen zu machen.

Die Kolreper haben jetzt eine Petition an den Kreistag gestartet. Schließlich seien sie ja nicht der einzige betroffene Ort im Landkreis Prignitz. In der Gemeinde Gumtow sind derzeit beispielsweise auch Brüsenhagen, Breitenfeld oder Vehlin abgeschnitten. Selbst große Dörfer wie Vehlow sind nur per Rufbus (auf Anmeldung 90 Minuten vorher) erreichbar.

Von Alexander Beckmann

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