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Die Herkunft ist den Firmenchefs egal

Prignitzer Betriebe stellen mehr Ausländer ein Die Herkunft ist den Firmenchefs egal

Weil sich in der Region nicht genug Bewerber für Lehrstellen und Arbeitsplätze finden, tendieren immer mehr Betriebe zu ausländischen Arbeitskräften – und sind vollauf zufrieden. Wegen des Fachkräftemangels fordern Handwerkskammer und IHK, dass die Firmen für die Ausbildung von Flüchtlingen Rechtssicherheit bekommen.

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Beim Wechsel der Bremsscheibe: Ein spanischer Auszubildender in einer deutschen Autowerkstatt.

Quelle: dpa

Pritzwalk. Vor vier Wochen haben Bundestag und Bundesrat weitere Erleichterungen im Asyl- und Aufenthaltsrecht beschlossen. Dazu gehört auch ein besserer Einstieg in den Arbeitsmarkt. So können junge, geduldete Flüchtlinge eine Ausbildung beginnen, wenn sie unter 21 Jahre alt sind und nicht aus sicheren Herkunftsländern kommen. Um Flüchtlinge besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, hat auch die Bundesagentur für Arbeit 50 Millionen Euro bereitgestellt. Damit sollen unter anderem bundesweit 80 zusätzliche Stellen über die Arbeitsagenturen finanziert werden. Die Mitarbeiter sollen schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen geeignete Job-Bewerber auswählen. Asylbewerbern und geduldeten Ausländern sollen außerdem Betriebspraktika und Sprachförderung ermöglicht werden. Haben sie einen Ausbildungsplatz, sollen sie eine Bleibeperspektive erhalten.

Das ist den Wirtschaftsverbänden entschieden zu wenig. Vor wenigen Tagen hatte Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, gefordert, dass die Betriebe einen „belastbaren Rechtsrahmen“ brauchen, um die jungen Menschen bei sich zu beschäftigen: „Grundlegende Voraussetzung ist, dass kein junger Flüchtling während einer dreijährigen Ausbildungszeit ausgewiesen wird – und möglichst auch weitere zwei Jahre in Deutschland arbeiten kann. Für die Integration in Arbeit und Ausbildung ist zudem ein Mindestmaß an deutschen Sprachkenntnissen erforderlich. Hier passiert viel zu wenig.“

In Westbrandenburg werden dringend Azubis gesucht

Vor allem in Westbrandenburg wird händeringend Nachwuchs in den Betrieben gesucht. Davon können zum Beispiel die Bäcker ein Lied singen. Thomas Hausbalk, der Obermeister der Bäcker- und Konditoreninnung Prignitz, der keine geeigneten Azubis beziehungsweise Mitarbeiter vor Ort findet, stellt nun ausländische Kollegen ein. „Ich habe eine spanische Praktikantin, die wird jetzt eine Ausbildung beginnen.“ Dieser Tage will Hausbalk einen kroatischen Gesellen einstellen. Er würde aber auch geeignete Bewerber aus den Krisengebieten nehmen, wenn die Voraussetzungen stimmen. „Ich verstehe nicht, warum man sich so schwer damit tut. An allen Ecken und Enden werden Leute gebraucht, nicht nur die hoch qualifizierten.“ Wenn ausländische Bewerber eine Chance auf einen Arbeitsplatz bekommen, seien sie sehr engagiert: „Die wollen das, das hört man immer wieder“, sagt Bäckermeister Hausbalk, der Filialen in Wittstock, Fretzdorf und Neuruppin hat. Ein Kollege habe jemanden aus Polen eingestellt – „und war total begeistert“.

Top-Ten im IHK-Kammerbezirk Potsdam

Für Schulabgänger, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, empfiehlt die IHK Potsdam die IHK-Lehrstellenbörse (www.ihk-lehrstellenboerse.de).

Unternehmen, die noch Auszubildende suchen, können sich auch an die IHK Potsdam wenden und ihre freien Ausbildungsplätze melden.

Bei der IHK Potsdam sieht die Top-Ten der aktuell verfügbaren Ausbildungsangebote wie folgt aus:
1. Kaufmann/-frau im Einzelhandel: 117 freie Plätze
2. Koch/Köchin: 108
3. Restaurantfachmann/-frau: 67
4. Hotelfachmann/-frau: 62
5. Verkäufer/-in: 58
6. Fachkraft für Lagerlogistik: 56
7. Kaufmann/-frau für Büromanagement: 51
8. Industriemechaniker/-in: 35
9. Maschinen- und Anlagenführer/-in: 33
10. Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung: 25

Weil die Pritzwalker Bäckerei Pickert seit Jahren vergeblich nach Azubis und Gesellen sucht, sind auch deren Inhaber Heiko und Simone Pickert offen für neue Möglichkeiten. „Es ist mir völlig egal, welche Nationalität ein Bewerber hat“, sagt Chefin Simone Pickert. Hauptsache, er bringe die nötigen Qualifikationen mit, arbeite gern und schätze einen guten und sicheren Arbeitsplatz. So jemanden habe die Bäckerei mit vier Filialen und einem Bäckereiwagen bisher in den vergangenen Jahren in der Region nicht gefunden – ob nun als Azubi oder als ausgebildeten Gesellen. Dabei ist die Not bei Pickert inzwischen groß: „Die Lage bei den Verkäuferinnen ist gut, aber in der Backstube brennt die Luft.“ Es dürfe keiner krank werden, so knapp ist die Besetzung, sagt Simone Pickert.

Herkunft egal – nur die schulischen Leistungen zählen

Auch „wir wären nicht abgeneigt, Flüchtlinge auszubilden“, sagt Martin Gröning, der Wittstocker Niederlassungsleiter der Firma Fahrzeugbau Carnehl: „Es kommt uns nicht auf die Herkunft, sondern auf die schulischen Leistungen an. Es ist grundsätzlich schwierig, potenzielle Lehrlinge zu finden, die die Voraussetzungen erfüllen. Wir sind auf der Suche und haben bisher niemanden gefunden“, sagt Gröning.

Die Handwerkskammer Potsdam hat nun ein Konzept vorgelegt, um Flüchtlinge und Betriebe zusammenzubringen: Dazu gehört eine fünfwöchige Berufsorientierung in den Bildungsstätten des Handwerks und ein anschließendes sechs- bis zwölfmonatiges Betriebspraktikum mit dem Ziel, einen Ausbildungsvertrag abzuschließen. Die Ausländerbehörden sollen für Sprachkurse und das sichere Aufenthaltsrecht sorgen, fordert die Kammer.

Bei der Handwerkskammer Potsdam sind für das Ausbildungsjahr, das jetzt begonnen hat, noch gut 500 unbesetzte Ausbildungsplätze registriert. Die Industrie- und Handelskammer Potsdam informierte diese Woche, dass im Kammerbezirk noch 1064 freie Plätze zur Verfügung stehen. Aktuell seien 1886 Ausbildungsverträge geschlossen – immerhin 22 mehr als im vergangenen Jahr.

Von Beate Vogel

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