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Die Jahre vergingen wie im Fluge

Wutike Die Jahre vergingen wie im Fluge

Erna Höfert ist mit 96 Jahren die älteste Einwohnerin von Wutike. Dass sie einmal so alt wird, hätte sie nie gedacht und doch sind die Jahre wie im Fluge vergangen. Ihre Erinnerungen hat die Seniorin in Fotoalben festgehalten. Bis heute kann sie viele Geschichten aus ihrem ereignisreichen Leben erzählen.

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Erna Höfert ist mit 96 Jahren immer noch aktiv. Sie liest täglich die MAZ und blättert gern in ihren Fotoalben.

Quelle: André Reichel

Wutike. Erna Höfert aus Wutike lässt es gern ganz ruhig angehen. Lange ausschlafen gehört für die 96-jährige ebenso dazu, wie ein ausgiebiges Frühstück mit ihrer Schwiegertochter Roswitha. Ein absolutes Muss ist für Erna Höfert auch die MAZ. Seit die Beine nicht mehr so wollen, holt sie ihr ihre Schwiegertochter aus dem Briefkasten. Täglich liest die erstaunlich rüstige Frau ihre Tageszeitung, und das seit diese vor über 70 Jahren gegründet wurde. „Ganz besonders am Lokalteil bin ich interessiert, weil ich so erfahre, was hier drumherum alles so passiert“, sagte Erna Höfert.

Ein weinig sentimental wird die 96-Jährige , wenn sie wieder einmal in ihren Fotoalben blättert. Gewissenhaft hat die älteste Wutikerin Fotos ihrer Eltern, Geschwister und natürlich ihrer eigenen Familie, die sie gründete, eingeklebt und beschriftet. Das Gedächtnis der 96-jährigen ist immer noch so gut, dass sie jeden einzelnen Namen kennt und zu jeder Person Geschichten erzählen kann. Auch ihre besten Freundinnen aus dem Dorf hat Erna Höfert in ihren Alben verewigt. ­Jedoch sind die Zeiten, in denen sie zusammen Karten spielten, lange her. „Ich bin als Einzige übrig ­geblieben, alle anderen sind längst verstorben“, sagte Erna ­Höfert.

Dass sie einmal so alt werden würde und die Jahre derartig schnell ins Land gehen, hätte Erna Höfert nie gedacht: „Kinder, wie die Zeit vergeht!“

Erna Höfert und ihr Mann Helmut bei ihrer Hochzeit am 3

Erna Höfert und ihr Mann Helmut bei ihrer Hochzeit am 3. Juni 1949.

Quelle: André Reichel (Repro)

Das Licht der Welt erblickte Erna Höfert, geborene Thiele, am 11. Juli 1920 im Nachbardorf Rosenwinkel als viertes von insgesamt acht Kindern. Während sich ihr Großvater noch bei den Gutsherren verdingen musste, hatten es ihre Eltern schon wesentlich besser. Ihnen gehörte ein kleines Haus mit dazugehöriger Landwirtschaft. Mit anpacken mussten alle Geschwister, sobald sie alt genug dafür waren, bei der Feldarbeit oder der Mutter im Haushalt zu helfen. „Schon als Kind wurde mir schnell klar, dass ich nichts für die Landwirtschaft übrig hatte“, erinnerte sich Erna Höfert. In die Dorfschule in Rosenwinkel ging sie acht Jahre.

Am liebsten wäre Erna Höfert Köchin oder auch Schneiderin geworden. Doch ihr Vater verlangte, dass sie ausgerechnet in die Landwirtschaft geht. So arbeitete sie zwei Jahre lang für einen wahren Hungerlohn bei einem Bauern in Mesendorf im Stall und auf dem Feld. „Ich tat das nur widerwillig“, sagte Erna Höfert. Auf Grund eines Stellenangebotes in der Zeitung wechselte sie dann nach Lenzen, wo sie dann für zweienhalb Jahre im Privathaushalt eines Molkereibesitzers arbeitete. „Dort habe ich viel gelernt und es war eine schöne Zeit“,sagte Erna Höfert.

Doch dann musste sie in ihr Heimatdorf zurück, um im elterlichen Haushalt zu helfen.

Der Zweite Weltkrieg war auch in Rosenwinkel spürbar

Erna Höfert war gerade einmal Mitte 20, als Anfang Mai 1945 der Zweite Weltkrieg auch in Rosenwinkel spürbar wurde und die Sowjetsoldaten einrückten. Die heute 96-Jährige erinnert sich bis heute nur ungern an jene Zeit. „Als sie kamen, suchten die Russen als Erstes die jungen Frauen“, sagte Erna Höfert. Sie hatte im Gegensatz zu vielen anderen noch Glück, denn sie konnte sich im Roggenfeld gleich hinter dem Haus verstecken.

Nach Wutike kam Erna Höfert, als sie Ende 1945 zu ihrem Großonkel zog, der kurz zuvor seine Frau verloren hatte. Erna Höfert führte bis zum Tod des Großonkels 1951 dessen Haushalt und bekam als Dank dafür das Haus. In Wutike lernte Erna Höfert auch ihren Mann Helmut kennen, der bereits vor 21 Jahren 72-jährig verstarb.

Ihr Mann kam aus Ostpreußen

Helmut Höfert kam 1947 nach Wutike, weil seine aus Ostpreußen geflüchtete Mutter dort eine neue Heimat gefunden hatte. Die erste Begegnung zwischen Erna und Helmut Höfert verlief wenig romantisch, erinnert sich die 96-Jährige: „Er hat mich abblitzen lassen, doch schon bald hat es doch gefunkt.“ Am 3. Juni 1949 heiraten beide in Wutike.

Während Helmut Höfert zuerst auf eigener kleiner Scholle Landwirtschaft betrieb und später in der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft im Schweinestall arbeitete, versorgte Erna Höfert die beiden Kinder und kümmerte sich um den Haushalt. Den Garten, der auch heute noch zur Eigenversorgung der Familie dient, hielt Erna Höfert bis zu ihrem 90. Geburtstag in Schuss. Zwar ist sie nicht mehr so gut zu Fuß und auch das Gehör hat nachgelassen, insgesamt aber ist Erna Höfert mit ihrem Leben zufrieden, denn ihr Sohn Egon wohnt mit seiner Frau Roswitha im Haus und deshalb ist sie nicht allein.

Von André Reichel

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