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Die Kirche hat ihren „Bischof“ wieder

Sükow Die Kirche hat ihren „Bischof“ wieder

Mit Vollbart, Mitra und Talar steht der „Bischof“ von Sükow jetzt wieder in seiner Kirche. Die Figur – ein typischer Dachbodenfund – stammt, wie eine Computertomographie im Perleberger Kreiskrankenhaus ergab, aus dem frühen 15. Jahrhundert. Sie war entsprechend angegriffen und musste restauriert werden. Nun ist sie wieder zu Hause.

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Petra Schulz, die Vorsitzende des Sükower Vereines „Landleben“ sowie Frank Gelenk, der Kirchenratsvorsitzende, freuen sich über ihren eigenen Bischof.

Quelle: Kerstin Beck

Sükow. Neben Havelberg, dem jahrhundertealten Bischofssitz, und der Alten Bischofsburg Wittstock als Wohnsitz der Havelberger Bischöfe von 1271 bis 1548 gib es in der Prignitz noch einen Bischofssitz – und der ist recht geheimnisumwittert.

Vor wenigen Tagen ist er wieder angekommen und steht nun mit seinen rotgeränderten Augen und dem aufmerksamen Blick, seinem Vollbart und in voller Pracht mit Mitra, Kasel und Talar vor dem Altar, als wolle er die Gemeinde segnen. Bischofsring, -stab und Brustkreuz muss man sich allerdings dazu denken, denn dem Würdenträger sind beide Unterarme abhanden gegangen. Und etwas durchlöchert ist er auch, denn der gerade mal 96 Zentimeter hohe Herr besteht aus Eiche und ist schon vor geraumer Zeit vom Holzwurm sowie Bockkäfer besucht worden.

„Bei einer Aufräumaktion auf dem Dachboden wurde die Figur gefunden und kam in den Keller des Karstädter Pfarrhauses“, erzählt dazu Kirchenratsvorsitzender Frank Gelenk, „und als Pfarrer Preisler 2006 hierherkam und einmal die Skulptur sah, war ihm klar, dass das etwas Besonderes sein muss“.

Vor 5 Jahren war der alte Herr im Kreiskrankenhaus

Vor fünf Jahren gelangte der alte Herr dann erst einmal ins Kreiskrankenhaus – zwecks Altersbestimmung in die Computertomographie – und danach nach Berlin zu dem Holzrestaurator Dirk Jacobs. Dieser stellte in seinem Untersuchungsbericht fest, dass „die Skulptur des Bischofs wohl in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, also um 1440, entstanden ist“. Und: „Im Original waren die Haare schwarz, das Gewand rot, der Futterstoff blau, das Untergewand weiß, die Rückseite rot.“

Dazu Gordon Thalmann, Mitarbeiter der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises Prignitz in einem Ausstellungstext: „Laut DAI-Untersuchung (Deutsches Archäologisches Institut – Anm. d. Red.) konnte das Alter des Eichenstammes auf kurz nach 1399 datiert werden ... und das Kunstwerk wird wohl um 1410 entstanden sein ... hier wurde für die Schnitzfigur einheimisches Eichenholz aus den umliegenden Wäldern der Region eingeschlagen“.

Wie kam der kirchliche Würfenträger nach Sükow?

Nun erhebt sich die Frage: Wie kam aber dieser kirchliche Würdenträger nach Sükow? Hier verweist Gordon Thalmann auf die 1294 erstmals erwähnte Perleberger Kirche St. Nikolai. „Ausgestattet war der Kirchenbau laut den Kirchenvisitationsprotokollen des 16. Jahrhunderts mit zahlreichen Kunstwerken und mindestens 5 Altären“.

Nach einem Brand 1632 verfiel die Kirche zunehmend und wurde spätestens 1772 abgerissen, und „was an Kirchenausstattung aus der St. Nikolaikirche noch zu retten war, gelangte sicher in die umliegenden Gotteshäuser ... Dabei ist es natürlich verlockend, den Bischof aus Sükow als Titelheiligen St. Nikolaus mit der Perleberger Nikolaikirche in Verbindung zu bringen“.

Was aber, wenn wir hier keinen Nikolaus, sondern doch einen Bischof vor uns haben? Dann haben wir aufgrund der unsicheren Datierung des Holzes die Wahl: Es könnte ein Abbild von den Havelberger Bischöfen Otto I. von Rohr, Friedrich I. Krüger, Johann IV. von Beust oder aber Konrad von Lintorff sein. Wenn 1410 jedoch „stimmt“, dann gibt es einen exakten Namen: Otto von Rohr.

Die Kirchengemeinde Sükow freut sich über die Heimkehr

Dieses Adelsgeschlecht stammte ursprünglich aus Bayern, gelangte ab 1304 in die Mark Brandenburg und erwarb auch das Patronat des Kloster Heiligengrabe mit fünf Schlössern und drei Städten.

„Ich freue mich, dass wir unseren eigenen Bischof hier haben“, ist noch von Frank Gelenk zu erfahren. Egal wen. Und zu sehen wird er ab jetzt sein - in der Sükower Kirche, wohl verwahrt in einer Vitrine.

Von Kerstin Beck

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