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Prignitz Die Kosten für die Pflege steigen
Lokales Prignitz Die Kosten für die Pflege steigen
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00:19 25.12.2017
Eine Pflegekraft (l.) begleitet die Bewohnerin eines Altenheims mit Rollator beim Gang über den Flur. Quelle: DPA
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Prignitz/Ostprignitz-Ruppin

In den vergangenen Wochen haben unzählige Patienten und ihre Angehörigen unangenehme Post aus ihrer Pflegeeinrichtung erhalten: Zum Jahresbeginn steigen die Kosten. Für manche der Betroffenen, die ihren Namen nicht nennen möchten, sind das bis zu 146 Euro mehr im Monat.

„Mit dem Pflegestärkungsgesetz II wurde auch der Personalschlüssel angehoben“, erinnert Bernd Bartel. Er ist Leiter des Seniorenzentrums Christophorus in Pritz­walk und des Seniorenzentrums Marienfließ in Stepenitz (Amt Meyenburg), die von der gemeinnützigen Stephanus-Gesellschaft in Berlin betrieben werden. „Wir haben für unsere Einrichtungen mehr Personal eingestellt.“ Damit seien erwartungsgemäß die Personalkosten gestiegen. „Leider haben die Pflegekassen den Zuschuss nicht entsprechend erhöht.“ Die Kostensteigerung wird auf die Bewohner umgelegt.

Die Kostensteigerungen tragen die Versicherten

Das bestätigt Sabine Sickau, Geschäftsbereichsleiterin Wohnen und Pflege in der Stephanus-Stiftung: „Die Pflegeversicherung ist nur eine Teilkaskoversicherung mit Festbeträgen für den Versicherungsträger. Derzeit müssen Kostensteigerungen ausschließlich von Pflegeversicherten getragen werden“. Der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege fordert für die Pflege eine echte Teilkaskoversicherung sowie die Sicherung der Personalausstattung. Dies unterstützt die Stephanus-Gesellschaft.

Der Berliner Träger vergütet seine Mitarbeitenden nach Tarif. Auch hier gebe es Steigerungen. Die höheren Pflegekosten erzeugen Unmut bei vielen Betroffenen. Deshalb führen die Einrichtungsleiterinnen und Leiter laut Sickau derzeit zahlreiche Gespräche. „Die Gespräche sind uns sehr wichtig und führen meist zu mehr Verständnis bei den betroffenen Familien“, so die Geschäftsbereichsleiterin. „Wir haben unsere Bewohner in einem Infobrief darüber unterrichtet“, so Bartel. Außerdem soll es zu dem Thema im Pritzwalker Christophorus Anfang des Jahres einen Angehörigenabend geben.

Pflegekräfte sind wie Goldstaub

Über 11 000 Fachkräfte fehlen schon heute in Brandenburg in der Pflege. Laut der „Brandenburger Fachkräftestudie Pflege“ soll sich bis 2040 die Zahl der auf Pflege angewiesenen Menschen um etwa 70 Prozent auf rund 173 000 erhöhen.

Mit dem Pflegegrad 5 erhalten Pflegebedürftige etwa für die vollstationäre Versorgung im Pflegeheim 2005 Euro monatlich aus der Pflegekasse. Der zusätzliche Eigenanteil für die Bewohner variiert. Unter www.pflege-navigator.de gibt’s Infos dazu.

Der Mindestlohn für Pflegekräfte soll zum 1. Januar auf 10,55 Euro (West) beziehungsweise 10,05 Euro (Ost) steigen. Angestellte Pflegefachkräfte werden meist höher vergütet, etwa nach Tarifvertrag. Zudem fallen oft Zulagen durch Schichtdienst an.

Auch die Klinik Management Gesellschaft KMG, die zum Beispiel in Pritzwalk, Wittstock, Bad Wilsnack und Neustadt/Dosse Pflegeheime betreibt, vergütet ihre Fachkräfte weit über dem Mindestlohn. „Die Erhöhung des Mindestlohnes ist gleichwohl ein wichtiger Schritt, um den Pflegeberuf auch für Pflegehilfskräfte attraktiver zu machen“, so Unternehmenssprecherin Kathrin Grützmacher.

Mit der Umsetzung des Pflegestärkungsgesetzes II Anfang des Jahres haben die KMG-Pflegeeinrichtungen, teilweise gemeinsam mit einem Rechtsanwalt, in öffentlichen Veranstaltungen Bewohner und Angehörige über die Änderungen informiert und Fragen beantwortet. „Diese Veranstaltungen werden stets sehr gut besucht“, so Grützmacher. Zudem unterrichten die KMG-Pflegeeinrichtungen ihre Bewohner jeweils mindestens vier Wochen vorher über bevorstehende Pflegegelderhöhungen. In den Einrichtungen finden außerdem interne Infoveranstaltungen mit dem jeweiligen Bewohnerschaftsrat statt.

Mindestlohnerhöhung ist nicht die Ursache

Das Deutsche Rote Kreuz, Kreisverband Prignitz, betreibt in Lenzen das Alten- und Pflegeheim „Lebenskreis Lenzen“. Auch hier müssen die Bewohner laut DRK-Kreisgeschäftsführer Dietrich Döring „marginale Steigerungen“ hinnehmen. „Unsere Bewohner und ihre Angehörigen werden vier Wochen vorher darüber informiert“, erklärt er. Lenzen sei allerdings noch nie ein billiges Haus gewesen. „Wir haben eine eigene Küche, Essen ist ein wichtiges Thema“, ist der DRK-Geschäftsführer überzeugt. Dazu habe das Haus eine eigene Wäscherei und eigenes Reinigungspersonal.

Dass höhere Pflegekosten ihre Ursache in der Anhebung des Mindestlohns für Pflegekräfte zum 1. Januar 2018 hat, sehen weder Bartel noch Döring: In keiner der genannten Einrichtungen sind Pflegekräfte auf diesem Lohnniveau beschäftigt.

Ein großes Problem sieht Döring auch darin, dass es immer weniger Pflegefachkräfte gibt: „Der Markt ist leer.“ Das werde früher oder später dazu führen, dass etwa in der ambulanten Versorgung nicht mehr alle bedient werden können, mutmaßt der DRK-Chef. „Wir werden uns irgendwann gegenseitig die Leute abwerben“, befürchtet er angesichts des Fachkräftemangels.

Zu spät mit dem Thema beschäftigt

So ähnlich sieht das die Stephanus-Gesellschaft. Auch die diakonischen Wohn- und Pflegeeinrichtungen sehen sich starkem Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Das betreffe besonders die angespannte Personalsituation. Sickau: „Um auch unserem eigenen hohen Anspruch gerecht zu werden, benötigen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gut ausgebildet, motiviert und belastbar sind. Und wir müssen in der Lage und bereit sein, sie anständig zu bezahlen.“ Doch für gute und auskömmliche Rahmenbedingungen in der Pflege zu sorgen, sei eine politische und gesellschaftliche Aufgabe, die alle betreffe.

Man hätte sich mit diesem Thema rechtzeitig beschäftigen müssen. „Nun ist es fünf nach zwölf“, so Sickau. Es sei nicht richtig, am Ende die Einrichtungsträger beziehungsweise die Pflegefachkräfte dort für die aktuelle Situation verantwortlich zu machen, unterstreicht Geschäftsbereichsleiterin Sickau.

Von Beate Vogel

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