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Prignitz Die Lagune der Zuckerrüben
Lokales Prignitz Die Lagune der Zuckerrüben
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00:17 30.10.2013
Jörn Ahlers ist vor ORt, als der erste Rübentransporter eintrifft. Quelle: Claudia Bihler
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Neudorf

Schon seit mehreren Wochen wurde westlich von Neudorf an einer Großbaustelle gearbeitet, am Freitag war nun die Inbetriebnahme der neuen Siloanlage für Zuckerrüben, die im Fachjargon auch "Lagune" genannt wird.

Genauer sind es sogar zwei Lagunen, die freilich nicht blau, sondern aus schwarzer Folie gebaut sind. Und in die soll in den kommenden Wochen Ladung für Ladung Zuckerrübenmus eingepumpt werden, das im Laufe eines Jahres zu Biogas vergärt werden soll. Die etwa 5,5 Meter tiefen und 1,6 beziehungsweise 1,9 Hektar großen Becken sind nach unten mit doppelter Folie abgedichtet und mit Leckagesensoren ausgestattet. Nach oben sorgt eine weitere Folie dafür, dass keine unkontrollierten Fäulnisprozesse einsetzen können, die nicht nur die Rohstoffe verderben, sondern auch für Geruchsbelästigung sorgen würden.

Nur ein paar Minuten dauert es, bis die Rübenwäsche in Gang kommt. Etwa zwei Wochen hatten die rund 14.000 Tonnen Zuckerrüben bei Hasenwinkel auf einem Feld auf den Abtransport gewartet, per Lastwagen und Traktorhänger werden sie nun die zehn Kilometer bis nach Neudorf gebracht und gewogen, bevor sie gebürstet, in einer riesigen Trommel vollautomatisch gewaschen und per Schredder zu Rübenmus verarbeitet werden.

Nur in Nauen im Havelland gibt es in Brandenburg noch eine weitere Biogasanlage, in der Zuckerrüben eingesetzt werden. Im Vergleich zu dieser ist die Neudorfer Anlage mit ihrem geschlossenen Vorratssilo noch einen kleinen Tick moderner. "Der Zucker in den Rüben gibt den Bakterien für den Gärprozess den richtigen Kick", erklärt Jörn Ahlers. Den Zucker verwerten die Gärbakterien wesentlich schneller als die Kohlenhydrate, Proteine und Fette anderer Substrate. "Zudem ist der Flächenertrag bei Zuckerrüben sehr hoch", sagt Ahlers, "zwischen 60 und 75 Tonnen pro Hektar." Das sind bis zu 30 Tonnen mehr als beim Mais, der ohnehin einen zunehmend schlechten Ruf hat. Ahlers: "Mit der Nutzung von Zuckerrüben wollen wir einen Beitrag gegen die zunehmende Vermaisung und für etwas mehr Vielfalt auf dem Acker sorgen."

Bei der Vergärung im Bioreaktor zu Biogas machen die Rüben dann einen Anteil von bis zu 25 Prozent am Gärsubstrat aus, neben Mais und Gülle. Nach dem Gärprozess werden die festen und flüssigen Phasen der Gärreste getrennt. Für die flüssigen Phasen will Ahlers in einem weiteren Projekt noch eine Verregnungsanlage bauen, die künftig auch zu Bewässerungszwecken eingesetzt werden kann. Die festen Anteile nehmen jene Landwirte wieder zurück, die Rüben oder Mais geliefert haben und verwenden diese als Düngemittel. "Die Trennung hat den Vorteil, dass wir die Transporte beim Abfahren minimieren."

Denn Transporte finden ohnehin bereits in großer Zahl statt: Bei einer Ladung von 25 Tonnen pro Tour und über 60.000 Tonnen Kapazität der Biogasanlage sind es 2.400 pro Jahr nur für die Anlieferung - konzentriert auf die Erntezeit von Mais und Zuckerrüben. Immerhin: Ahlers lässt inzwischen alle Transport-Fahrer eine Vereinbarung unterzeichnen, dass sie vorsichtig und vor allem nicht zu schnell fahren sollen. Schäden an Straßen und Grundstücken, das unterschreibt jeder Fahrer, seien vom Verursacher zu tragen. Zudem will Ahlers seine Rohstoffe aus einer Durchschnittsentfernung von 15 Kilometern beziehen.

Ein Teil des Biogases aus den vier Gärbehältern wird per Pipeline an einen Industriebetrieb in Steffenshagen geliefert, ein Teil wird auf dem Hof verstromt. Die Abwärme, die dabei entsteht, wird genutzt, um aus einem weiteren Teil des Biogases in einer "Gaswäsche" sogenanntes Bio-Erdgas herzustellen, das dann ganz klassisch ins Erdgasnetz eingespeist wird.

Diese Gaswäsche ist ein Projekt, in der neben Ahlers auch das Erdgasunternehmen EMB und die Pritzwalker Stadtwerke vertreten sind. War bisher eine provisorische Anlage in Betrieb, sind an der endgültigen Anlage die Restarbeiten so gut wie abgeschlossen. Sie soll offenbar im November in Betrieb gehen.

Von Claudia Bihler

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