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Prignitz Die Orgel zum Leben erweckt
Lokales Prignitz Die Orgel zum Leben erweckt
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00:31 17.05.2018
Am Balghaus standen die beiden Pinnower Manfred Wernicke (l.) und Roland Draegert, die sich beim Bälge-Treten abwechselten. Quelle: Kerstin Beck
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Pinnow

Ein Ort, in dem es eher selten Konzerte gibt, ist das in der Gemeinde Karstädt gelegene Pinnow. Vielleicht waren auch deshalb am Sonntagnachmittag größtenteils einheimische Gäste gekommen, die ihre Kirche bei einer musikalischen Lesung von einer anderen Seite erleben wollten.

Denis Frank, ein Regisseur und Dramaturg aus Berlin, rezitierte überwiegend frei aus einem 200-seitigen Buch, welches der Künstler auf eine nahezu Dreiviertel-Vortragsstunde exzerpiert hatte: „Und dabei habe ich wirklich sehr gebrütet, weil es recht schwer ist, hier zu kürzen!“ Die Rede ist von Voltaires „Candide oder der Optimismus“.

Der Berliner Regisseur Denis Frank rezitierte Auszüge aus Voltaires „Candide oder der Optimismus". Quelle: Kerstin Beck

Die 1759 unter dem Pseudonym Docteur Ralph erschienene skurrile satirische Novelle prangert skeptisch und pessimistisch, jedoch mit Witz und Ironie, den überheblichen Adel, die kirchliche Inquisition sowie Krieg und Sklaverei an und verspottet gleichzeitig die naive Utopie der Menschen vom sorglosen Leben. Im Mittelpunkt steht Candide, der illegitime Neffe des westfälischen Barons Thunder-ten-tronckh. Der immer auf der Flucht vor den eigenen Taten zu Lande und zu Wasser quer durch Europa und durch Asien flüchtende Held endet zuletzt mit seiner Angebeteten Cunégonde sowie seinen Mitstreitern Martin und Cacambo auf einem Landgut bei Constantinopel.

Zwischendurch hatte es einige Pausen zum Text gegeben, die von der Lenzener Kantorin Oana Maria Bran ausgefüllt wurde. Die Kirchenmusikerin hatte passend zur Lesung Orgelvariationen eingebaut. „Dazu habe ich mich vorher exakt vorbereitet, um dann meine Improvisationen spielen zu können – wie etwa das Gewitter auf der See oder das Erdbeben in Portugal!“

Das Balghaus ist die Lunge der Orgel

Und dann waren noch zwei Männer tätig, die aber ganz im Rhythmus arbeiten mussten, damit die Orgel auch gut funktionierte: die beiden Pinnower Roland Draegert und Manfred Wernicke. „Ich trete sonst hier immer allein die Bälge“, erzählte ersterer, „aber heute haben wir uns gedacht, dass wir uns dabei doch abwechseln könnten.“

Kantorin Oana Maria Bran spielte auf der Lütkemüller-Orgel. Quelle: Kerstin Beck

Das Interessante dabei: Das Balghaus einer Orgel wird auch als ihre „Lunge“ bezeichnet und das Treten als „Atmen“ – sodass die Zuhörer hier eine „lebendige Orgel“ erleben konnten.

Die „noch rüstige alte Dame“ ist 1883 von Orgelbauer Friedrich Hermann Lütkemüller aus Wittstock gebaut worden und funktioniert noch immer „nur“ mit Fußbetrieb. Der damals 68-jährige Baumeister und gebürtige Papenbrucher, der in der Nähe des Wittstocker Bahnhofes eine eigene Werkstatt betrieb, soll etwa 200 Instrumente gebaut haben, die – mit unterschiedlichem Erhaltungszustand – in Brandenburg, Mecklenburg und Sachsen zu finden sind.

Recht gut erhalten ist das Pinnower Stück jedenfalls, denn es wurde auch mehrfach repariert. „Und es wäre sehr zu wünschen, wenn diese Orgel, die sich auch gut spielt, einmal gründlich restauriert werden würde“, so Oana Maria Bran.

Von Kerstin Beck

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