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Die Prignitz macht die Deiche dicht

Von Sandkrug bis Wittenberge Die Prignitz macht die Deiche dicht

Gleich mehrere Großbaustellen sollen für besseren Hochwasserschutz in der Prignitz sorgen. Der Abschnitt zwischen Scharleuk und Sandkrug wird mit Wasserbausteinen gesichert, aus dem Leitdeich bei Wittenberge werden alte Abwasserrohre der Zellwollfabrik ausgegraben. 27 Millionen investiert das Land insgesamt. Das meiste fließt in den Deich- und Straßenbau bei Breese.

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Die alten Brauchwasserabläufe der Zellwollfabrik müssen ausgebaut werden. Quelle: Andreas König

Wittenberge/Sandkrug. Träge treibt die Elbe im Sonnenschein dahin. Diesem Fluss würde niemand etwas Böses zutrauen. Der gigantische, mit Steinen bewehrte Wall wirkt geradezu überdimensioniert. Doch wer den Strom kennt und die Bilder aus dem Sommer 2013 nicht vergessen hat, weiß, dass aus dem freundlich glitzernden Streifen eine braune Flutwelle werden kann, die alles mit sich reißt.

Deiche verwandeln sich in Großbaustellen

Der kluge Mensch baut vor, und so kommt es, dass sich die Prignitzer Elbdeiche zwischen Sandkrug und Scharleuk, zwischen Wittenberge und Garsedow und demnächst auch bei Bälow in Großbaustellen verwandelt haben oder noch verwandeln. Vom Großvorhaben bei Breese gar nicht zu reden. Das Land Brandenburg lässt sich die Sicherheit seiner Wassergrenze einiges kosten. Insgesamt 27,7 Millionen Euro kosten die Bauvorhaben. Der dickste Brocken ist der Bau des Deichs und der Landesstraßen-Ortsumgehung bei Breese für insgesamt 15 Millionen Euro und die Sanierung des Schöpfwerks Cumlosen für 4,1 Millionen Euro.

Zweite Berme sichert den Deich zwischen Sandkrug und Scharleuk

Am weitesten fortgeschritten sind die Arbeiten am Deich zwischen Sandkrug und Scharleuk. Gebaggert wird gegenwärtig noch am letzten Stück des 1,9 Kilometer langen Abschnitts. Wie der Deichkörper auf der übrigen Strecke aussehen wird, ist bereits gut zu erkennen. „Wir haben in zwei Baufeldern eine zweite Berme (einen Absatz) angelegt und mit Wasserbausteinen abgedeckt“, erläutert Polier Helge Puchert von der Firma Westa-Bau aus Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern. Ursprünglich war lediglich eine Verstärkung vorgesehen, doch zeigte sich, dass die Standfestigkeit des Deichs mit dem zweiten Absatz höher ist. Von den großen Wasserbausteinen wird man später nur noch am wasserseitigen Deichfuß etwas sehen können, denn der Wall soll mit einer Deckschicht aus Erde abgeschlossen werden, auf der eine spezielle Rasenmischung ausgesät wird. Naturschutz wird ohnehin groß geschrieben in der sensiblen Elbtalaue.

Statt Krötenwanderung Waschbärenparty auf dem Deich

An der Wasserseite der Kreisstraße nach Bälow schlängelt sich derzeit ein Folienzaun an Holzpfählen entlang – zum Schutz der Kröten. Solche Vorkehrungen wurden auch am Deich zwischen Scharleuk und Sandkrug getroffen, doch „habe ich hier noch keinen Frosch gesehen“, sagt Helge Puchert. Stattdessen findet er morgens im festgeklopften Sand jede Menge Waschbär-Spuren. „Sieht aus, also ob die nachts ’ne Party auf dem Deich feiern“, scherzt der Polier. Noch bis November sollen die Arbeiten dauern.

Schardeich grenzt direkt an die Elbe

„Das Besondere an diesem Abschnitt ist sicher die wasserseitige Verstärkung mit Steinen“, sagt Wasserbauingenieur Tino Teichert von der Perleberger Niederlassung des Planungsbüros Pöyry. Weil die Elbe praktisch direkt auf den Hochwasserwall trifft, spricht man von einem Schardeich. Im Falle eines Falles muss das Bauwerk nicht nur den Fluten standhalten, sondern auch noch Eisgang und Treibgut verkraften. Da gibt die Steinabdeckung zusätzliche Sicherheit.

Leitdeich soll die Elbe in ihrem Bett halten

Bis die Arbeiten nahe Sandkrug beendet sind, wollen die Mitarbeiter der Firma Ost-Bau zwischen Wittenberge und Garsedow ihren Teil bereits erledigt haben. Sie erneuern die Straße, zwischen Wittenberge und dem Ortsteil, der beim Hochwasser 2013 arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bei dieser Gelegenheit wird auch der Hochwasserschutz verbessert. Zwar sieht die Straße aus wie ein Hochwasserschutzdeich, doch handelt es sich „nur“ um einen Leitdeich. Seine Aufgabe ist es, die Elbe in ihrem Bett zu halten und bei Wasserständen als Deichverteidigungsweg zu fungieren. Derzeit sind Deich nebst Straße jedoch zerstört.

Fünf alte Rohre statt drei führten durch den Deich

„Geschlitzt“ nennen die Fachleute das. Unter den Erdmassen verliefen die Brauchwasserabläufe des nahegelegenen Zellstoffwerks. Doch statt dreier Rohre, wie erwartet, fanden die Bauleute gleich fünf. Die Röhren wurden demontiert, der zerstörte Deich- und der Straßenkörper darüber mussten wieder neu aufgebaut werden. Die Einwohner Garsedows und der Elbdörfer müssen für die Zeit der Bauarbeiten einen Umweg in Kauf nehmen. Aber das dürfte ihnen ihre Sicherheit wert sein.

Von Andreas König

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