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Prignitz Die Sündenwaage von Bad Wilsnack
Lokales Prignitz Die Sündenwaage von Bad Wilsnack
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00:38 16.08.2015
Gelegentlich muss noch das Manuskript hinzugezogen werden . Quelle: Michael Beeskow
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Bad Wilsnack

Die Rolle des Bad Wilsnacker Bürgermeisters wollte Hans-Dieter Spielmann gar nicht übernehmen, denn dieses Amt hat er ja schon im echten Leben inne. Als König Wenzel fühlt er sich sehr wohl in dem neuen Theaterstück, das am 22. August zum Pilgerfest in der Kurstadt zu sehen sein wird. „König war ich auch sonst“, stellte Hans-Dieter Spielmann bei der Probe am Mittwochabend fest. Erstmals waren auch Kostüme zu sehen. Vielleicht wollte Spielmann sich auch nicht mit den Sorgen seines Amtsvorgängers vor 400 Jahren herumschlagen, die den heutigen sehr gleichen. Ein beinahe leeres Stadtsäckel und der Zwang zu unpopulären Maßnahmen, wie die Einführung eines Bürgergeldes für die Wilsnacker. Als König Wenzel kann er dagegen der schönen, aber materiell sehr interessierten Wirtin einen leidenschaftlichen Heiratsantrag machen. Gespielt wird die Wirtin von Simone Struck. Und wie die Probe zeigte, gelingt ihr das souverän. Nur auf eines hat Hans-Dieter Spielmann bei der Übernahme der Rolle bestanden. „Er wollte unbedingt wieder auf die Sündenwaage, wie schon in den früheren Stücken“, berichtete Bärbel Mann. Nun ja, die Regisseurin erwies sich als nicht zu streng, und wandelte die Rolle wunschgemäß ab.

Bäebel Mann schreibt den Darstellern die Rolle auf Wunsch sogar auf den Leib. Quelle: Michael Beeskow

Auch Jochen Purps, Vorsitzender des Fördervereins Wunderblutkirche, wollte sich nicht ganz mit dem ihm zugedachten Schicksal abfinden. Als Lübecker Kaufmann Johann von der Heide muss er die Wallfahrt nach Wilsnack auf sich nehmen, weil er einen Menschen erschlagen hat. Bärbel Mann meinte, das sei im Suff geschehen. Jochen Purps wollte es aber nicht ganz so drastisch. Nun heißt es, der Totschlag sei im Zorn geschehen. Mit dieser Änderung kann er ganz gut leben, obwohl er seine Rolle immer noch als recht blutig empfindet.

So sind alle 25 Akteure mit den Rollen zufrieden, die Bärbel Mann ihnen zugedacht hat. Brigitte Ungnade und Luise Kohse zeigten sich mit ihren Rollen als Pilger einverstanden, besonders weil sie keinen Text lernen müssen. Brigitte Ungnade tritt noch als Schneiderin auf.

Erstmals steckten die Darsteller in ihren historischen Kostümen. Quelle: Michael Beeskow

Mit Eifer nähte sie sich das entsprechende Kostüm. „Wir haben sehr viel Spaß bei den Proben“, berichtet Bärbel Mann – und alle Gesichter zeigen ein Schmunzeln dabei. Es ist bereits das vierte Stück, das sie geschrieben hat. Die Geschichte Wilsnacks und ihrer Bürger wird ein Stück weiter erzählt. Die Zuschauer erfahren, wie es Personen, die sie schon aus den vorherigen Stücken kennen, weiter ergangen ist. Bärbel Mann, die die Stadtchronik studiert hat, sagt: „Die Geschichte, die erzählt wird, basiert auf Tatsachen.“ Natürlich hat sich Bärbel Mann einige künstlerische Ausschmückungen nicht nehmen lassen. Verbürgt ist die Einführung eines Bürgergeldes, die mit einer Heiratsregelung verkoppelt war. Wer eine Wilsnackerin heiratete, musste nur wenig berappen. Eine Schöne aus einem anderen Ort kam den Bräutigam aber teuer zu stehen. Das Stück zeigte, wie vor 400 Jahren handfeste Interessen durchgesetzt wurden. Obgleich es die Zeit des Wunderbluts war, herrschte in der Stadt doch ein Sodom und Gomorra, wie ein Schauspieler meinte. Wie in den Vorjahren wird das Stück nicht in der Kirche, sondern am Nachmittag auf der Festwiese aufgeführt. Bärbel Mann weiß: „Das wird schön.“

Von Michael Beeskow

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