Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 0 ° bedeckt

Navigation:
Die Wale des Friedens

Beveringen Die Wale des Friedens

Die Werke von Tom Dragnus sind so groß, dass man sie nur von oben im Ganzen betrachten kann. Seit 2016 lebt der aus Polen stammende Künstler in Beveringen (Stadt Pritzwalk). Hier fertigte er seinen fünften „Wal des Friedens“ in einer Größe von 32 mal 16 Metern.

Voriger Artikel
Einbrecher mit Sturmhaube scheitert an der Tür
Nächster Artikel
Ausschuss für neues Wohngebiet

Der Wal des Friedens 2017 aus 30 Meter Höhe betrachtet. Die Größenordnung kann man allenfalls am Hubwagen ermessen, dessen Schatten hier auf das Kunstwerk fällt.

Quelle: Foto: Tom Dragnus

Beveringen. Sie müssen ihn zutiefst beeindruckt haben, die Blauwale, der er dereinst in einer Fernsehdokumentation gesehen hatte, eine Riesenspezies, die zu den bedrohten Arten gehört. Tom Dragnus ließ sich 2003 davon zu seiner ganz eigenen Kunst inspirieren und den Blauwal als sein Symbol für den Frieden auf eine Leinwand zu bringen. Er schafft Werke auf Textilien, die in der Größe ihrem Motiv gleichen: Die „Wale des Friedens“ sind daher auch nur aus der Luft in voller Schönheit zu betrachten. So entstand 2003 das erste Walbild. 2008, 2015 und 2016 folgten weitere. In diesem Jahr hat er das fünfte Riesenbild angefertigt.

„Die Blauwale schwammen zwischen Eisbergen durch, das war so majestätisch, dass ich gedacht habe, ich will das malen“, erklärt Tom Dragnus, „es gibt nur noch 5000 bis 7000 von ihnen. Mehr als 200 000 waren es mal.“ Die größten Säugetiere auf der EWrde seien wie auch so viele Menschen Opfer des menschlichen Drangs nach Kriegen und Vernichtung geworden. Immerhin gibt es Hoffnung: „Die Blauwale, ein grandioses Symbol des blauen Planeten, erholen sich langsam nach den Vernichtungszeiten und erinnern uns durch ihre Existenz an das Gute von Frieden und Naturschutz“, formuliert der Künstler, der sich alles als Autodidakt beigebracht hat.

Der 44-Jährige ist vor gut einem Jahr aus Polen nach Deutschland gekommen, weil er sich hier größere Chancen ausrechnet, als Künstler erfolgreich sein zu können. Momentan ist die Kunst noch Nebensache – er arbeitet in Meyenburg und lebt in Beveringen (Stadt Pritzwalk). Schließlich müssen die Riesenbilder auch finanziert werden. Immerhin 1200 Euro kostete das jüngste Werk, und das nicht nur für Stoff und Farbe, sondern auch für das Vernähen der Stoffbahnen und den Transport der Leinwand aus Polen, von woher er sie bezieht.

In Beveringen feilt der Künstler an den exakten Plänen für die monumentalen Tierdarstellungen

In Beveringen feilt der Künstler an den exakten Plänen für die monumentalen Tierdarstellungen.

Quelle: Bernd Atzenroth

In Beveringen rollte er wie auch schon im Vorjahr sein neuestes Kunstwerk Anfang August auf dem Beveringer Sportplatz aus. Mit einer Hebebühne, die Uwe Dummer bereitgestellt hatte, ging es dann in die Lüfte bis in 30 Meter Höhe, „das war ganz schön wackelig“, meinte er.

Von oben entstanden dann Bilder vom „Wal des Friedens 2017“, ein 32 mal 16 Meter großes Textilgemälde, bestehend aus 20 Stoffbahnen, in blau, grün und gelb. Es nach und nach zu fertigen, erforderte unglaublich viel Planung. Schließlich kann er nie im Ganzen, sondern immer nur Stück für Stück daran arbeiten. So malt er sich sein Motiv zuerst auf Papier auf und teilt es dann in Quadrate auf, um diese nach und nach zu bearbeiten. Vom Plan überträgt er dann alles auf die die Leinwand. Angesichts der Stoffmenge fällt es selbst so schwer, sich auf engstem Raum von sechs mal sechs Metern in der Scheune in Beveringen auf dem riesigen Kunstwerk zu orientieren. „Man muss die Quader finden“, erklärt er. In schöneren Sommern ist es auch möglich, an der frischen Luft mit etwas mehr Spielraum zu arbeiten, „aber diesen Sommer war es nicht so gut“. Selbst das Ziehen der Striche kann kompliziert werde, „manchmal gerät man ob der schieren Größe ins Schwimmen“, beschreibt er die Herausforderung. Allerdings kann dies beim fertigen Kunstwerk nachher nur der geübte Betrachter wirklich erkennen.

Wenn dann die Striche grob auftragen sind, beginnt das Ausmalen mit Farben. Tom Dragnus, was im übrigen ein Künstlername ist, benutzt Acrylfarben, eine deutsche Sorte, von der er sehr überzeugt ist, unter anderem, weil man sie ohne Probleme mischen kann und weil sie nicht riechen. Je nachdem dauert der Trocknungsprozess zwischen einer halben Stunde und fünf Stunden. Insgesamt 40 Tage hatte es gedauert, ein solches Kunstwerk neben seiner Arbeit fertigzustellen. Dragnus hat den ganzen Arbeitsprozess in vielen Videoschnipseln dokumentiert. Und so kann man ihm auch noch im Nachhinein dabei zuschauen, wie er zum Beispiel auf den ansonsten großen Farbflächen die rosa Augen aufträgt. Es ist aber das einzige Detail, das als solches schon zu erkennen ist. Der Rest ist allenfalls einer groben Vorstellung vom fertigen Produkt überlassen. „Man sieht es nur von ferne, wie beim Impressionismus – das ist der Trick“, erläutert der 44-Jährige, der aus Loslau in Niederschlesien stammt, mittlerweile aber gerne in der Prignitz lebt.

Für 2018 hofft er, vielleicht sogar zwei Bilder in einem Jahr zu schaffen – mit der Arbeit am sechsten Wal des Friedens hat er bereits begonnen.

Wo aber kann man so etwas ausstellen? „Ich weiß es nicht“, bekennt Dragnus. Ein Ausstellungsgelände im Freien kommt nicht in Frage. „Ein Regen, und es wäre kaputt“, sagt Dragnus, „ich finde, es muss in einer Halle sein.“ Dafür kommt dann wohl nur altes Fabrikgelände in Betracht. Ich frage mich, ob ich das in der Welt alleine mache“, sinniert er. „Vielleicht ist die Idee verrückt. Aber das ist Kunst.“

Von Bernd Atzenroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg