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Prignitz Die Welt der Literatur zum Hören
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00:24 08.09.2018
Holger Manikowski (am Tisch) ist begeistert von dem neuen Angebot der Bibliotheken für Sehbehinderte– Vertreter der Büchereien freuen sich über den Zuspruch.
Pritzwalk

Es sei schwer, Menschen, denen es erhebliche Probleme bereitet, Gedrucktes zu lesen, wieder Literaturvergnügen zu schaffen. Doch genau das haben sich die Bibliotheken im Landkreis Prignitz vorgenommen. Ab sofort steht allen Lesern mit einer Sehbehinderung ein neues Angebot zur Verfügung, das am Mittwoch in der Pritzwalker Bibliothek vorgestellt wurde.

„Chance Inklusion“ heißt das gemeinsame Projekt der Bibliotheken und der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig, woran sich nun auch die Prignitzer Büchereien beteiligen. Mehr als 40.000 Hörbücher – speziell für sehbehinderte Bücherfreunde – können so direkt und kostenfrei entliehen werden.

Große Auswahl an unterschiedlichen Büchern

Die Buchstaben sind zu klein, die Beschriftungen der CDs nicht zu entziffern, herkömmliche E-Books häufig gekürzt und nicht so individuell anpassbar, wie es mit einer Sehbehinderung notwendig wäre. „Mit unserem Angebot wollen wir uns den speziellen Bedürfnissen anpassen“, sagt Angela Kludas vom Bibliothekennetz Prignitz.

Von Poesie bis Krimis – Hörer haben eine große Auswahl an Büchern unterschiedlichster Genres. „Es gibt aber nicht nur Geschichten, sondern auch Zeitungen“, sagt Holger Manikowski vom Blindenverein Prignitz. Er selbst nutzt das Angebot privat schon länger. Nun gehe aber über die Bibliotheken vieles einfacher.

„Wir legen viel Wert auf Barrierefreiheit“

Die Bibliothekare beraten, geben Hilfestellungen und stellen auf Wunsch ganz spezielle Listen an Titeln zusammen. „Jeder Betroffene kann zu uns kommen, wir informieren gerne“, so Kludas. Anmeldungen zu dem Angebot sind im Internet, per Post oder ganz persönlich in einer der sechs Prignitzer Bibliotheken möglich. „Wir legen viel Wert auf Barrierefreiheit.“

Die Hörbücher sind von professionellen Sprechern eingelesen. Sie sind speziell angefertigt. Im sogenannten Daisy-Format ist die Handhabung möglichst einfach. Es gibt nur eine CD-Scheibe. Die Ausgaben erlauben, gefühlt wie in einem Buch zu blättern, von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen oder einfach von Abschnitt zur Abschnitt oder Kapitel zu Kapitel zu springen.

Mehrere Wege zu den Hörbüchern

Auf eine einzige Daisy-CD passen bis zu 40 Stunden lange Hörbücher. Dafür ist aber ein spezielles Gerät notwendig. Das kostet über 450 Euro. „Gerne würden wir das mit ausleihen, haben aber noch kein eigenes Gerät“, bedauert Angela Kludas. Das würde auch Holger Manikowski begrüßen.

Weiterhin ist es aber möglich die Hörbücher am Computer in herkömmlichen Formaten herunterzuladen. Drei Monate dauert eine Ausleihfrist. Verlängerungen seien aber immer möglich. „Für uns ist das alles Neuland“, so Kludas. Viele Weiterbildungen liegen hinter den Mitarbeitern der Prignitzer Bibliotheken.

Zugang zu Bildung

Es sei eine Herzensangelegenheit solch ein Angebot zu schaffen. Von den 108 Sehbehinderten im Landkreis wirken 38 von ihnen aktiv im Blindenverein mit. „Wir finden die Aktion großartig. Dafür kämpfen wir schon sehr lange“, sagt Vorstandsvorsitzender Marcus Schumacher. Er ist sichtlich erstaunt über das Engagement der Büchereien.

Für die Betroffenen ist es eine enorme Erleichterung und Hilfestellung. Sie bekommen die Möglichkeit, wieder am Leben in den Bibliotheken teilzunehmen. Es geht dabei hauptsächlich um die Vermittlung von Literatur und um Medienkompetenz, aber auch um Bildung ganz allgemein. Den Sehbehinderten soll nichts mehr vorenthalten bleiben.

Netzwerk über die Stadtgrenzen hinaus

Ronald Thiel, Bürgermeister der Stadt Pritzwalk, sieht diesen Schritt als weiteren Punkt der interkommunalen Zusammenarbeit. Er ist Geschäftsführer des Bibliothekennetzes. Die Prignitzer Büchereien agieren in einem großen Netzwerk über die Stadtgrenzen hinaus. „Solche Aktionen erhalten das Leben in den Bibliotheken.“

Von Marcus J. Pfeiffer

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