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Prignitz Die erste Badestube im Dorf
Lokales Prignitz Die erste Badestube im Dorf
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00:17 11.05.2017
Ingeborg Rößler kam mit ihrem Mann aus Bad Wilsnack, um an der Grundschule in Wolfshagen zu unterrichten. Quelle: Claudia Bihler
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Seddin

Hohe Kastenfenster mit alten Scheiben, die noch glänzen wie am ersten Tag, dicke gemauerte Wände, ein Garten mit alten Bäumen und solide Holztüren: Das historische Haus, in dem Ingeborg Rößler wohnt, ist noch gebaut wie in alten Zeiten: mehr oder weniger für die Ewigkeit. Schließlich war es etwa um 1900 einmal als Schulhaus errichtet worden, auch, wenn das schon lange her ist, und die Grundschüler bereits beim Einzug von Familie Rößler im Nachbardorf Wolfshagen unterrichtet wurden, bevor schließlich auch dieser Grundschulstandort aufgegeben wurde.

„Wir kamen eigentlich aus Bad Wilsnack“, sagt die 82-Jährige. „Dort lebten wir in ziemlich schlechten Wohnverhältnissen und waren froh, dass wir umziehen sollten.“ Die ehemalige Lehrerin fügt hinzu: „Wir hatten damals noch Außenklos, wie das so üblich war.“ Auch im Schulhaus in Seddin sollte die junge Familie noch auf solche stoßen: „Plumpsklos in allen Größen“, erinnert sich die Rentnerin: „Es war ja eine Grundschule.“

Ungeahnter Wohnkomfort

Das Schulhaus in Seddin wurde jedoch bald darauf zum richtigen Wohnhaus umgebaut – und zuvor für zwei Parteien aufgeteilt. Obwohl ihre Kinder – Hanno, Margot, Gudrun Doris – zu diesem Zeitpunkt noch klein waren, erinnert sich die Tochter Margot, verheiratete Bank, noch gut an diese Zeit: „Das Haus sollte geteilt werden. Da gab es einen tiefen Graben zwischen den beiden Wohnungen. Und ich bin mit meinem Roller auf der Baustelle herumgefahren.“

Historsiches Schulzimmer im Schlossmuseum: Hier werden Überbleibsel aus der Wolfshagener Schule gezeigt. Quelle: Claudia Bihler

Der Umbau schritt zügig voran, und auch der Wohnkomfort war entsprechend. Ingeborg Rößler: „Wir waren wohl eine der wenigen Familien, die damals bereits ein eigenes Bad bekamen.“ Auch, wenn das Haus noch mit Kachelöfen beheizt war, gab es zumindest bereits eine Abwassergrube hinter dem Haus.

Derweil wurde im benachbarten Schloss Wolfshagen eine Grundschule eingerichtet. Nach dem Krieg waren dort zunächst zahllose Flüchtlinge untergebracht. Dann wurde das Haus zur Schule umgebaut. „Wir sind damals nicht nur wegen der Wohnverhältnisse umgezogen“, erinnert sich die Lehrerin: Ihr Mann hatte einen Lehrauftrag an der Schule bekommen, nachdem er sein Studium an der Rostocker Universität abgeschlossen hatte. „In Wolfshagen sollte ein sozialistisches Dorf aufgebaut werden“, sagt sie und fügt dann lakonisch hinzu: „Naja, daraus ist wohl nicht viel geworden ... .“

Schule wurde Dorfmittelpunkt

Die Schule allerdings entwickelte sich zu einem echten Mittelpunkt im Dorf. Bis heute sind viele der ehemaligen Lehrer im Dorf aktiv, darunter im Chor Wolfshagen. Andere haben Pionierarbeit am Königsgrab in Seddin geleistet, um es für die Region zu einem lohnenswerten Ausflugsziel zu machen.

Das Ehepaar Rößler unterrichtete Sport und Mathematik beziehungsweise Sport und Englisch in Wolfshagen. „Ich habe Englisch zwar nicht studiert, aber konnte es unterrichten, weil es mir sehr gelegen hat“, sagt Ingeborg Rößler. Der Sportunterricht fand auf dem Dachboden des Schlosses statt. Dass das Schloss zu dem Zweck von vielen historischen Elementen befreit worden war, weiß die ehemalige Lehrerin durchaus: „Aber wenn man sieht, wie es um andere Gutshäuser in der Region heute bestellt ist, dann kann man davon ausgehen, dass das Schloss auch deshalb gerettet wurde, weil es nicht leer stand, sondern über Jahrzehnte Kinder in seinen Räumen unterrichtet worden sind.“

Sammlungen aus dem Unterricht

Reste des Schulbetriebs finden sich heute im Schlossmuseum – dort werden nicht nur Unterrichtsgegenstände wie eine geologische Sammlung von Gesteinen oder Karten aus dem Geografie- und Geschichtsunterricht gezeigt. Zudem wird ein Überblick über die Entwicklung des Bildungssystems in der DDR gegeben.

Familie Rößler konnte ihre Hälfte des ehemaligen Schulhauses in Seddin kaufen – und ist bis heute zufrieden damit. Ingeborg Rößler: „Irgendwann wollte ja jeder nur noch in einen Neubau ziehen. Aber das hat sich heute ja auch geändert.“

Von Claudia Bihler

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