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Die letzten Züge sind abgefahren

Kuhbier/Groß Langerwisch Die letzten Züge sind abgefahren

Der Bahnverkehr zwischen Pritzwalk und Putlitz (Prignitz) ist seit dem 1. August eingestellt. Haltepunkte wie in Kuhbier und Groß Langerwisch werden nunmehr nicht mehr genutzt. Was mit ihnen wird, steht in den Sternen. Zunächst mal wird sich dort wohl noch nicht viel ändern.

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Seit dem 1. August hält in Kuhbier kein Schienenfahrzeug mehr – die Bahnstrecke ist stillgelegt.

Quelle: Bernd Atzenroth

Kuhbier/Groß Langerwisch. Still und verlassen liegt er da, der kleine Bahnhaltepunkt von Kuhbier. Ein bisschen heruntergekommen sieht er schon aus, aber jetzt kommt noch hinzu, dass er gar nicht mehr gebraucht wird. Denn seit dem 1. August gehört der Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Pritzwalk und Putlitz der Vergangenheit an: Mit Inkrafttreten des neuen Fahrplans und dem Umbruch im Prignitzer Nahverkehr wurde der Betrieb auf der Strecke eingestellt.

Damit werden mehrere Haltepunkte überflüssig, zum Beispiel der in Kuhbier und auch der im nahe gelegenen Groß Langerwisch. Was aber wird dann mit ihnen? „An den Haltepunkten wurde schon seit Jahren nichts mehr gemacht“, sagt Axel Gruschka. Der Groß Pankower Gemeindebrandmeister wohnt ganz in der Nähe des Haltepunkts und des beschrankten Bahnübergangs, der nun auch überflüssig ist.

Sehr wahrscheinlich wird alles einfach so bleiben, wie es ist. Merkwürdig berührt sind die Kuhbierer, wie zum Beispiel Heike Zellmer, dass beim Bau der Umgehungsstraße um Kuhbier vor gut drei Jahren eine teure Brücke über die nunmehr stillgelegte Bahnstrecke errichtet wurde. Auch diese Brücke hat nun ihren Sinn verloren.

Die erst vor drei Jahren gebaute Brücke macht nun keinen Sinn mehr

Die erst vor drei Jahren gebaute Brücke macht nun keinen Sinn mehr.

Quelle: Atzenroth

Ganz unerwartet kam die Entwicklung dabei nicht – seit vielen Jahren schon drohte der Verbindung die Stilllegung, mehrfach stand sie vor dem Aus. 2007 war sie mit einem damals einmaligen Projekt Putlitz-Pritzwalker Eisenbahnförderverein übernommen und noch einmal so gerade gerettet worden. Immerhin wurde sie noch von Schülern für ihren Schulweg genutzt.

„Aber wenn man ehrlich ist: Wer ist sonst damit gefahren?“ fragt Christian Rochnia, Ortsvorsteher in Groß Langerwisch eher rhetorisch. Dennoch sieht er im Wegfall der Bahnverbindung einen „Verlust für den Ort“. Der kleine Bahnhof an sich wird erhalten bleiben. Zudem befindet sich direkt daneben ein kleiner Fahrradrastplatz, der natürlich weiter gepflegt wird.

Der Schienenbus fährt nicht mehr

„Vielleicht findet sich ja jemand, der die Strecke touristisch nutzbar macht“, würde sich Rochnia wünschen. Das könnte sicher eine gute Idee sein, wenn man bedenkt, was bei den letzten Fahrten der Bahn entlang der Strecke los war. „Die sind hier in Scharen mit ihren Fotoapparaten und Stativen gekommen“, erzählt Axel Gruschka, der nicht weit entfernt vom Bahnübergang in Kuhbier wohnt. Alle wollten noch mal dokumentieren, wie das Schienenfahrzeug zum allerletzten Mal in Kuhbier hält. „Und dann sind sie sofort weiter zum nächsten Bahnhof“, erzählt Ortsbeiratsmitglied Günter Lehmann.

Das ist Vorbei

Das ist Vorbei: Ein Zug hält in Kuhbier.

Quelle: Susanne Liedtke

„Ferkeltaxen“ oder „Blutblasen“ wie die unterschiedlichen Schienenwaggons im Volksmund hießen, haben schon immer viele Bahnfans angezogen. Gruschka erinnert daran, dass auch niemand sich dereinst habe vorstellen können, dass die Kleinbahnstrecke zwischen Lindenberg und Mesendorf reaktiviert werden könnte.

Dabei treibt die Bürger momentan noch mehr die Sorge um den künftigen Busverkehr um. Egal, ob Gruschka, Rochnia oder in Helle Jutta Röder – alle, mit denen man darüber spricht, sind besorgt bis entsetzt darüber, dass mitunter nicht einmal mehr der Rufbus als Möglichkeit existiert oder Haltestellen außerhalb der Orte verlegt werden. Jutta Röder weiß von einer 82-jährigen Dame, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist und nun mit dem Taxi nach Pritzwalk fahren muss – Kosten für Hin- und Rückfahrt: 40 Euro. Der Landkreis Prignitz kommt für die Rolle, die er in dieser ganzen Entwicklung spielt, nicht gut weg.

Nahverkehr war für zehn Jahre ausgeschrieben worden

Für die kommenden zehn Jahre ist wohl kaum damit zu rechnen, dass sich die nun eingetretene Situation wieder ändern könnte – für diesen Zeitraum war ja der Betrieb des öffentlichen Nahverkehrs in der Prignitz zu den jetzt geltenden Konditionen neu ausgeschrieben worden.

In Kreisen von Verfechtern des Bahnverkehrs wird schon darüber spekuliert, dass danach die Karten neu gemischt werden könnten und das endgültige Aus für Bahnstrecke zum Beispiel nicht so endgültig ist, wie es jetzt scheinen mag. Das ist zwar wirklich pure Spekulation, aber immerhin könnte man sich dann doch noch über die Investition in die Brücke über die Bahnlinie bei Kuhbier freuen.

Von Bernd Atzenroth

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