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Die offene Kirche im Dorf

Helle Die offene Kirche im Dorf

Jutta Röder betreut die „offene Kirche“ in Helle und ermöglicht auch „stille Kirchenführungen“ ohne Begleitung. Seit 30 Jahren lebt sie in dem Ort und wie die anderen 36 Bewohner fühlt sie sich hier wohl.

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Prachtvoll im Innern: die Kirche von Helle.

Quelle: Bernd Atzenroth

Helle. Wenn der Ortsname Helle wirklich von Hölle kommen sollte, wie es manche Herleitung des Namens nahelegt, dann könnte dies nicht unpassender sein. Ein Anlieger hat sein Anwesen jedenfalls mit dem Straßenschild „Im Paradies“ versehen, und das scheint schon deutlich passender. Und nichts prägt den Ort mehr als gerade die weithin sichtbare Dorfkirche, die mitten im Rundlingsdorf liegt und 2013 ihr 100-jähriges Bestehen feierte.

Die 39 Bewohner lieben jedenfalls die Beschaulichkeit der kleinen Ortschaft, die allenfalls von den Lastern gestört wird, die von und zur Biogasanlage in Neudorf fahren. Ansonsten lebt man hier einfach nur gerne. Jutta Röder zum Beispiel tut das seit 30 Jahren. Sie ist Kirchenälteste und engagiert sich seit vielen Jahren im Dorf in einer der mit 13 Mitgliedern kleinsten Kirchengemeinden im ganzen Kirchenkreis. Auf die Einwohnerzahl bezogen ist das aber ein überdurchschnittlich hoher Anteil an kirchlich orientierten Menschen.

Jutta Röder ist Kirchenälteste

Jutta Röder ist Kirchenälteste

Quelle: Bernd Atzenroth

Besonders am Herzen liegt Jutta Röder das Projekt „Offene Kirche“, das sie seit 2008 begleitet. Denn sie will gerne den Gästen des Ortes die Kirche zeigen, die ein architektonisches Kleinod ist. Sie ist bereits der dritte Kirchenbau an dieser Stelle und wurde nach Plänen des Berliner Architekten Georg Büttner im sogenannten Heimatstil errichtet. Das Dach wurde 1991 und 1992 zuletzt saniert, aus dieser Zeit stammt auch der derzeitige Innenanstrich.

Der aus dem Jahr 1485 stammende Flügelaltar wurde 1998 aufwändig restauriert. Sehenswert sind überdies die bunt verglasten Fenster und die bemalte Kassettendecke der Kirche. Liebevoll wird der Besucher schon am Eingangstor zum Kirchenareal begrüßt: mit inspirierenden Sprüchen und einem Hinweis darauf, an wen man sich wenden kann, wenn die Kirche verschlossen ist. Und auch der Termin des nächsten Gottesdienstes – am 4. September – darf auf den Informationsblättchen nicht fehlen.

Jutta Röder ist stolz auf ihre Kirchengemeinde

Das Drumherum ist ebenfalls stimmig „Jeder sieht, dass hier etwas gemacht wird“, sagt Jutta Röder mit hörbarem Stolz. Das Gelände um die Kirche herum sieht tipptopp aus – zwei Familien kümmern sich darum, dass der Rasen im Innenbereich wie an der Außenseite zur Straße immer gemäht ist. Für den Blumenschmuck in der Kirche sorgen die Einwohner selbst, „immer wenn sie einen Blumenstrauß über haben“. Auch am Wegesrand wird der Blumenschmuck gepflegt .

Das fällt auf: „Die Besucher sehen, dass hier etwas gemacht wird“, weiß Jutta Röder aus Erfahrung. Und sie wissen es zu würdigen, wie manche Eintragung im Gästebuch der Kirche zeigt.

Immer wenn Jutta Röder eine Person oder Gruppe im Innern herumführt, dann zündet sie auch am Altar Kerzen an. Das ist oft ein ausdrücklicher Wunsch der Besucher. „Kerzen gehören einfach dazu.“ Manchmal hat das für die Besucher aber auch noch eine tiefere Bedeutung – wie für eine Frau, die die Zeit nutzte, um hier ihres verstorbenen Mannes zu gedenken.

In Helle gibt es auch eine „stille Kirchenführung“

Nicht immer kann Jutta Röder diejenigen begleiten, die das kleine Kirchlein besichtigen wollen. Für sie alle gibt es die Möglichkeit einer „stillen Kirchenführung“. Jutta Röder zeigt ein auf den Kirchenbänken liegendes Textblatt: „Damit können sich die Menschen mit eigenen Augen den Raum erschließen.“ Eine Idee, die sie aus Wittstock einmal mitgebracht und hier umgesetzt hat. „Das wird auch genutzt“, sagt sie. Zudem ist die Geschichte der Kirche auf einigen Tafeln dokumentiert. Insbesondere Radfahrer, die auf einem der drei Radwege unterwegs sind, die sich in Helle kreuzen, schauen in den Sommermonaten vorbei, selbst wenn sie zwischen Wolfshagen und Lockstädt unterwegs sind und für den Kirchenbesuch einen kleinen Abstecher machen müssen. Zwar werden in der Heller Kirche die Besucher nicht gezählt, doch „anhand der Spenden sehen wir, dass das Zuwachs hat“, erklärte Jutta Röder.

Auf der anderen Straßenseite streicht derweil Ellen Engelmann den Gartenzaun nach, wie zum Beweis dafür, dass sich die Menschen hier um ihr Dorf noch kümmern. Und die Rentnerin die das Anwesen ihrer Eltern gegenüber der Kirche pflegt, findet auch: „Ich kenne keinen schöneren Platz als Helle.“

Info: Wer die Heller Kirche besichtigen möchte, kann sich bei Jutta Röder, Tel.  03395/31 08 44, melden.

Von Bernd Atzenroth

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